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Kamenz

Schüler helfen Kindern in Namibia

Eine Schule ohne Toiletten - beim Urlaub werden Lehrer des Großröhrsdorfer Gymnasiums darauf aufmerksam. Zurück in Deutschland starten sie eine Spendenaktion.

Blick in das Klassenzimmer in der Muhopi-Primary-School in Rundu im afrikanischen Land Namibia. Großröhrsdorfer Schüler und Lehrer helfen jetzt dieser Schule.
Blick in das Klassenzimmer in der Muhopi-Primary-School in Rundu im afrikanischen Land Namibia. Großröhrsdorfer Schüler und Lehrer helfen jetzt dieser Schule. © privat

Großröhrsdorf. Was in Mitteleuropa eine Selbstverständlichkeit ist, bleibt in manchen Regionen der Welt oft nur ein Wunsch: eine Schule, in der es Toilettenanlagen gibt. Zwei befreundeten Lehrerpaaren wurde das bei einer Urlaubsreise durch Namibia, Botswana und Zimbabwe besonders deutlich.

Die Lehrer bemerkten am Straßenrand in der Nähe des Ortes Rundu ein Schild mit der Aufschrift Muhopi-Primary-School und schauten sich dort um. Alles war ganz einfach gehalten. „Im Laufe des Rundganges drängte sich uns notgedrungen eine Frage auf. Wo sind die Toiletten?“, erzählt Andrea Neubert, eine der Besucherinnen und Lehrerin am Sauberbruch-Gymnasium in Großröhrsdorf. Es gab eine eindeutige Antwort von der Direktorin der Muhopi-Primary-School: Es gibt keine. Die Direktorin wies mit der Hand auf eine kleine Buschlandschaft hinter dem Schulgebäude.

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Schulpartnerschaft initiiert

Noch vor Ort kam den Gästen aus Deutschland die Idee, genau an dieser Stelle zu helfen. „Die Schulleiterin konnte es kaum glauben, als wir unsere Idee von einem Toilettenbau erzählten“, blickt Andrea Neubert zurück.

Wieder zu Hause angekommen, wurde begonnen, eine Schulpartnerschaft zwischen der Muhopi-Primary-School und dem Ferdinand-Sauerbruch-Gymnasium in Großröhrsdorf aufzubauen. In der Friedrich-Schiller-Oberschule Neustadt und der Ludwig-Renn-Oberschule Stolpen fanden die Großröhrsdorfer engagierte Unterstützer, nachdem auch dort Schüler und Lehrer über den Schulalltag der Schüler in Rundu informiert worden waren. „Natürlich wollten alle helfen“, sagt Ulrich Schlögel, auch Lehrer am Gymnasium. Jedoch bremste Corona den Enthusiasmus, aber das Projekt nahm Konturen an.

So wird für die Schüler gekocht: am offenen Feuer im Freien. Das übernehmen die Mütter der Kinder.
So wird für die Schüler gekocht: am offenen Feuer im Freien. Das übernehmen die Mütter der Kinder. © privat

Erst im Herbst 2020 war es dann so weit, dass die geplanten Aktionen starten konnten. So sammelte die Oberschule Neustadt Spenden im Rahmen von Altpapiersammlungen, die Schüler der fünften bis siebenten Klassen der Oberschule Stolpen und alle Schüler der fünften bis zehnten Klassen des Sauerbruch-Gymnasiums starteten einen Spendenlauf. Auch die Lehrer aller drei Schulen waren von diesem Vorhaben überzeugt und spendeten Geld. So kamen rund 17.000 Euro zusammen. Und der Lionsclub Sebnitz gab noch 1.000 Euro dazu.

Die Lehrer nahmen Kontakt zur namibischen Botschaft in Berlin auf, um sicherzugehen, dass das Geld genau an dieser Schule ankommt und für den Toilettenbau eingesetzt wird. Die Botschaft setzte sich dann mit der Schule in dem afrikanischen Land in Verbindung. Beide sind sehr begeistert von dem Vorhaben und prüfen nun das Angebot einer Sanitärfirma für den Toilettenbau an der Muhopi-Primary-School. Aufgrund des Wassermangels sind Trockentoiletten für die Schüler und Lehrer geplant. Das Projekt selbst ist noch in der Planungsphase. Anfang März gab es eine Baubegehung mit dem Kulturattaché, der Schulleitung und der Baufirma.

Mitten in der kargen Landschaft in Namibia befindet sich die Muhopi-Primary-School.
Mitten in der kargen Landschaft in Namibia befindet sich die Muhopi-Primary-School. © privat

Ein Bauauftrag, der vom Ressort Kultur und Bildung in Namibia ausgelöst werden muss, wurde noch nicht erteilt. Es ist aber geplant, dass die Schulleiterin ständig über den Baufortschritt informiert und diese Infos dann an die Schüler und Spender hier in Deutschland weitergegeben werden. "Wenn der Bau der Toiletten abgeschlossen ist, wird es aufgrund des hohen Spendenaufkommens eventuell möglich sein, noch den einen oder anderen Wunsch der Muhopi-Schule zu erfüllen", sagt Andrea Neubert.

Ob sich die Großröhrsdorfer die Umsetzung ihres Projektes in Namibia einmal ansehen können, ist eher fraglich. „Das wäre zwar schön, ist aber aufgrund der Reisekosten kaum möglich“, sagt Andrea Neubert.

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