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So steht der Schwimmverein zu den Hallenbad-Plänen

In Kamenz reißt die Debatte um den Neubau nicht ab. Die abgespeckte Variante ist vielen zu wenig. Der Verein als Hauptnutzer ist hin und her gerissen.

Noch hat das Hallenbad in Kamenz eine Rutsche. Bei der abgespeckten Variante für den geplanten Neubau ist allerdings keine vorgesehen.
Noch hat das Hallenbad in Kamenz eine Rutsche. Bei der abgespeckten Variante für den geplanten Neubau ist allerdings keine vorgesehen. © Matthias Schumann

Kamenz. Im Kamenzer Hallenschwimmbad geht es derzeit etwas ruhiger zu - es ist Ferienzeit. Das Schulschwimmen hat Pause - die Diskussion um die künftige Ausgestaltung des Schwimmbades aber nicht. Fest steht, dass die in die Jahre gekommene Halle durch einen Neubau ersetzt werden soll.

Dabei ging es noch im Vorjahr um eine Kombi von Freizeit- und Sportbad mit Wellnessbereich. Als die Kosten zu explodieren drohten, wurde das Konzept auf eine Sparvariante rigoros zusammengestutzt. So beschloss der Kreistag im Sommer ein reines Vereins- und Schulsportbad, da dies die einzige für die geplanten 15 Millionen Euro machbare Variante sei und Grundbedürfnisse der Bevölkerung befriedige, hieß es. Dazu gehört ein Schwimmerbecken mit fünf Bahnen und das Nichtschwimmerbecken - flächenmäßig vergleichbar mit dem bisherigen Stand. 

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In der Grundvariante werde auf Attraktions- und Freizeitelemente verzichtet, ließ das Landratsamt wissen. Alternativ werde eine Variante mit betrachtet, die ein größeres Schwimmerbecken enthält, das zugleich bestimmte Wettkampfbedingungen erfüllt, sowie ein Sauna-Angebot. Das ist aber bisher nur eine Option.

Aussage der AfD wirft Fragen auf

Sicher ist, dass viele in Kamenz mit dem Plan nicht so richtig zufrieden sind. Kritisch äußerte sich eine frühere Schwimmmeisterin. Auch in Leserbriefen an die Sächsische Zeitung kam Kritik zum Ausdruck. So schrieb Familie Wagner: „Wir wissen, welch großes Zugpferd die Rutsche für die Kinder darstellt.“

Aufhorchen lässt jetzt ein Statement aus dem Ostsächsischen Schwimmverein Kamenz (OSSV). Dort war kürzlich die AfD-Kreistagsfraktion zu Gast, übergab eine Spende und prognostizierte, dass die Option mit einer sechsten Bahn für das Schwimmerbecken sicher Zustimmung finden und auch die Sauna kommen werde. Das hängt freilich noch von der Entscheidung des Kreistages ab und steht längst noch nicht fest. Im Gespräch sei festgestellt worden, teilt die AfD mit, dass "die Position der Kreistagsfraktion zu einer Sport- und Funktionalschwimmhalle in Kamenz den Wünschen des Ostsächsischen Schwimmvereins entspricht“, heißt es schriftlich.

Diese Information wirft Fragen auf. Zumal sich erst kürzlich das langjährige Vereinsmitglied Theo Schnappauf dafür ausgesprochen hatte, den Neubau für Familien attraktiver zu gestalten und damit besser auszulasten. 

Die Formulierung sei so grundsätzlich richtig, gebe aber nur einen Ausschnitt ihrer Gedanken wieder, heißt es nun von der OSSV-Spitze. Vereinsvorsitzende Diana Karbe und Stellvertreter Jens Klotsche sagen, im Vordergrund stehe natürlich, den sportlichen Vereinszweck zu erfüllen: die Förderung von Kindern und Erwachsenen im Schwimmsport, aber auch im Behinderten- und Reha-Sport. Die Halle müsse trainings- und wettkampftauglich sein und barrierefrei, was auch nicht billig sei. Diese Voraussetzungen seien mit der Grundvariante gegeben und der Vorstand froh, dass es vorangeht.

Erst hochfliegende Pläne, und jetzt das andere Extrem

Darüber hinaus stehe der Verein auch für die vielen Menschen in der Region in der Öffentlichkeit. Die ersten Pläne seien sehr hochfliegend gewesen. Mit dem jetzigen Beschluss sei der Kreistag allerdings ins andere Extrem verfallen. Die beiden OSSV-Chefs plädieren deshalb für einen Mittelweg. Es gehe darum, Sport zu treiben und auch eine Möglichkeit zu haben, sich zu begegnen. Dafür sei das jetzige Konzept zu wenig.

Die beiden Schwimmer denken an die Sauna-Gruppen, die ihren Treffpunkt verlieren würden, wenn der Saunabereich am Ende doch wegfalle. Jens Klotsche nennt auch das Beispiel Rutsche: „Die ist schon sehr wichtig, um den Spaß am Schwimmen zu erhalten. Die Kinder freuen sich immer darauf, nach dem Training.“ Die Rutsche ist ein Motivationsfaktor, schwimmen zu lernen.

Vorsitzende Diana Karbe sagt: „Wir sind ja zugleich Familienmenschen und müssen an die Kamenzer denken.“ Daher sei es schon wichtig, dass mindestens der Ist-Zustand mit Sauna und Rutsche erhalten bleibe. Dazu wären ein Planschbecken erstrebenswert, um die Halle attraktiver für Familien zu machen, und ein kleiner Imbiss. Das seien keine überzogenen Wünsche. Die sechste Bahn werde zudem gebraucht, um wieder Kinder und Jugendliche aufnehmen zu können. Momentan gebe es einen Stopp. Die Zusatzbahn würde mehr Fläche und damit Entlastung bringen.

Eine heikle Frage für den Verein

Mit dem AfD-Besuch beim OSSV sei auch eine Spende von 1.700 Euro an Sitzungsgeldern verbunden gewesen. Auch das sei im Verein diskutiert worden. Klar sei die Frage aufgekommen, erklärt die Vorsitzende,  "wie wir mit dem Geld umgehen sollten, ob wir es annehmen sollten oder nicht", ob der Verein unterwandert werde. Diana Karbe: „Wir haben auch schon Spenden von der CDU und von den Linken erhalten.“ 

Der OSSV sei kein politischer Verein, „wir stehen für Teilhabe am sportlichen Leben". Dass die möglich wird, dafür werde Geld benötigt. So solle das Geld von der AfD in den Nachwuchsbereich fließen. Aber: „Wir lassen uns nicht für politische Interessen vereinnahmen“, sagt Karbe deutlich.  So habe der Verein auch eine klare Vorstellung skizziert, welche Angebote in der neuen Schwimmhalle über die Grundvariante hinaus wichtig sind. Es gehe nicht nur darum, etwas für den OSSV, sondern für die Region zu bewirken, über den reinen Vereinssport hinaus.

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