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In Kamenz gibt es jetzt einen besonderen Pferdehof

Pferdetrainerin und Reitlehrerin Lisette Hausding hat sich in Gelenau niedergelassen. Bei ihrer Arbeit setzt sie auf ein seltenes Konzept.

Von Ina Förster
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Lisette Hausding wagt auf einem gepachteten Hof in Gelenau bei Kamenz mit ihren Pferden den Schritt in die Selbstständigkeit.
Lisette Hausding wagt auf einem gepachteten Hof in Gelenau bei Kamenz mit ihren Pferden den Schritt in die Selbstständigkeit. © Anne Hasselbach

Kamenz. Das Timing stimmt, die Lage auch. Und es war Zeit für einen Neuanfang. Lisette Hausding steht zwischen ihren fünf Vollblütern auf der Koppel hinterm Haus in Gelenau. Und atmet das Landleben in tiefen Zügen ein. Hier ist Platz für ihren Pferdehof. Und endlich kann sie mit ihren geliebten Tieren auch zusammen leben. Nach so einem Ort hat sie lange gesucht.

Erst vor zwei Wochen ist die junge Frau von Lauta ins idyllische Dörfchen nahe Kamenz gezogen. Noch ist nicht alles perfekt, muss einiges renoviert und sortiert werden. Doch die erste Etage des Hauses an der Pulsnitzer Straße 150 war schnell beziehbar. Im regelmäßigen Abständen fahren die Züge von Dresden nach Kamenz am Grundstück vorbei. Denn der Bahnübergang Gelenau ist nicht weit. Den Pferden kostet das nur ein müdes Ohrenwackeln. Und sie selbst werde sich schon daran gewöhnen, lacht Lisette Hausding.

Endlich mit den Pferden zusammen wohnen

Bis jetzt kennt die 29-Jährige nur die Nachbarn gegenüber. Die haben sich freundlich nach ihr erkundigt. Und man hat einen ersten Schwatz abgehalten. Zu mehr hat die Zeit noch nicht gereicht. Lisette Hausding hat viel vor in Gelenau. Seit einigen Jahren ist sie Reitlehrerin und trainiert Pferde. Und das auf ganz besonderer Basis.

Der Traum vom eigenen Pferdehof ist nicht neu. Was sie auf einem Pachtgrundstück in Lauta begonnen hat, soll nun hier im Kamenzer Ortsteil fortgesetzt werden. Und die Stammkundschaft kommt sowieso nachgereist. Der Wunsch nach mehr Platz war groß. Und zudem wollte sie schon immer Tag und Nacht mit ihren Lieblingen zusammen sein. Dies funktionierte in Lauta nicht.

Alle Pferde laufen ohne Halfter

Lisette Hausding, die in Hoyerswerda aufgewachsen ist, hat sich unter dem Begriff "Vertrauenspferde" über Jahre hinweg ein besonderes Konzept erarbeitet, das gut bei der Kundschaft ankommt. Und das möchte sie nun auch den Pferdeliebhabern rund um Kamenz nahebringen. "Man muss die Tiere nicht zwingen, etwa zu tun", sagt sie. "Druck erzeugt nur Gegendruck. Bei mir laufen alle Pferde ohne Halfter, ohne Strick. Geritten wird ohne Trense. Und diese Freiarbeit tut Mensch und Tieren gut", sagt sie.

Die Kunden kommen mit Problem-Pferden, Angst-Pferden, mit eigenen Defiziten, mit behinderten Kindern, mit Neugierde auf alternative Wege und mit vielen Fragen. "Leg dem Pferd Strick und Halfter ab und sieh, was bleibt: eine Kommunikation auf Augenhöhe." Dieses Zitat hat Lisette Hausding verinnerlicht. Sie lebt es selber.

Ausgemusterte Rennpferde aufgekauft

Dabei geholfen hat, dass sie vor Jahren auf ihr Seelenpferd getroffen ist. Der Hengst heißt Grande und ist ein englisches Vollblut. "Vier meiner fünf Pferde stammen von der Rennbahn, waren früher Rennpferde und wurden für diesen Sport ausgebildet", erzählt Lisette Hausding. Wenn sie aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr für den Rennsport taugen, werden sie verkauft.

Das Herz der Reitlehrerin schlägt für diese Tiere. Auch, weil diese meistens eine Odyssee hinter sich haben. Grande fasste Vertrauen zu ihr. Langsam und nicht sofort. Aber sie war die einzige von zahlreichen Kaufinteressenten, die er überhaupt an sich heran ließ. "Er war eine absolute Herausforderung für mich", sagt sie stolz.

"Ich glaube an das, was ich mit großer Leidenschaft mache. Ich unterstütze meine Kunden bei dem, was sie und ihr Tier brauchen. Starre und unflexible Prozesse gibt es bei mir nicht - ich biete immer individuelle Lösungen an", sagt sie.

Lisette Hausding arbeitet auch eng mit Osteopathen, Chiropraktikern, Sattlern, Hufschmieden und Huforthopäden zusammen. "Ich habe mich intensiv mit vielen Methoden auseinandergesetzt, habe Kurse und Videoseminare besucht und mich immer wieder belesen", so die 29-Jährige. Ansonsten sind die Praxis und das Leben selbst der beste Lehrmeister.

"Seit ich drei Jahre alt war, habe ich mit Pferden zu tun. Ich war in Reitschulen, habe jahrelang bei der Ponyfarm Hoyerswerda mitgearbeitet. Meine Mutter hat immer gesagt: Du wieherst ja schon", lacht Lisette Hausding. Woher die Liebe zu den Pferden kommt, weiß keiner so richtig. Niemand aus der Familie hatte sich bislang so interessiert dafür.

Nun hat sich die ausgebildete Ergotherapeutin den Traum von Selbstständigkeit erfüllt. Neben normalen Reitstunden für Kinder und Erwachsene bietet sie auch Kurse an, Bodenarbeit und Beritt. Und will weiter Galopper von der Rennbahn umschulen und ihnen ein schönes Leben auf ihrem Hof bieten. In ferner Zukunft will Lisette Hausding obendrein Pensionspferde bei sich auf der Koppel aufnehmen.