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Kamenz: Ruine abgerissen, Schuttberg bleibt liegen

Das Landratsamt ließ ein marodes Haus kontrolliert einstürzen. Zurück bleiben ein Schandfleck und verärgerte Nachbarn.

Dagmar und Uwe Stammwitz ärgern sich über den Schuttberg des Abrisshauses im Kamenzer Herrental. Das Landratsamt hat die Ruine kontrolliert einstürzen lassen. Doch der Bauschutt bleibt liegen.
Dagmar und Uwe Stammwitz ärgern sich über den Schuttberg des Abrisshauses im Kamenzer Herrental. Das Landratsamt hat die Ruine kontrolliert einstürzen lassen. Doch der Bauschutt bleibt liegen. © Matthias Schumann

Kamenz. Familie Stammwitz fühlt sich wohl in ihrem neuem Haus. Mama Dagmar, Papa Uwe, Sohn Eric (20), Papagei Cora, Katze und Hündin Rica haben es sich seit letztem Herbst im Kamenzer Herrental gemütlich gemacht. Mit ihrem litauischen Holzhaus tanzen sie dort ein bisschen aus der Reihe.

Damit das besser ins Altstadtbild passt, haben sie es mit Steinen gedämmt. Was fehlt, sind noch der Putz und grauer Anstrich. "Alles in Planung", sagt Hausherr Eric Stammwitz. "Aber alles auf einmal ging vor dem Winter nicht mehr." Die Auflagen für die Errichtung ihres Holzhauses seien hoch gewesen, doch sie wollten sich eben ihren Traum vom gesunden Wohnen am Granitfels erfüllen.

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Marodes Haus drohte auf die Straße zu stürzen

Um so mehr ärgert es die dreiköpfige Familie nun, dass nebenan ein riesiger Schutthaufen den Blick verschandelt. Und das auf beträchtliche Dauer, wie sie vermuten. Das Landratsamt ließ hier in den letzten zwei Wochen eine herrenlose Ruine abreißen. Diese drohte, auf das andere Nachbargrundstück und auf die Straße zu fallen.

"Die Nummer 2 stand seit Jahren leer. Der ehemalige Besitzer war finanziell selbst nicht mehr in der Lage, sich darum zu kümmern", weiß Uwe Stammwitz. "Wir selber hatten vor längerer Zeit Interesse an dem Grundstück bekundet, hätten dort für unseren Junior noch ein Haus gebaut. Doch das kam leider nicht zustande."

Mittlerweile dürften auf dem Grundstück wohl beträchtliche Schulden lasten. Nicht zuletzt, weil sich nun der Landkreis um den Abriss des maroden Hauses kümmern musste. Familie Stammwitz akzeptiert, dass dies nötig war. Aber als die beauftragte Firma die Baustelle verließ, wunderte sie sich. "Wir erfuhren, dass das Grundstück nur gesichert wurde, in dem man das Haus kontrolliert zum Einsturz gebracht hat. Der ganze Schuttberg bleibt so liegen. Und wir sprechen sicherlich nicht von ein, zwei Wochen", vermutet Dagmar Stammwitz.

Landratsamt ist nur für Gefahrenabwehr zuständig

Montagmorgen wurde nun die Abrissstelle mit einem Holzzaun gesichert. "Jeder Spaziergänger, der vorbei kommt, schüttelt mit dem Kopf und fragt sich, was das soll", sagt der 57-jährige Familienvater.

Das Landratsamt sieht darin keine ungewöhnliche Herangehensweise. "Aufgrund der Hanglage drohten Gebäudeteile auf die öffentliche Verkehrsfläche zu stürzen", teilt Pressesprecherin Cynthia Thor mit. Deshalb habe die Bauaufsichtsbehörde den kontrollierten Einsturz angeordnet. Aufgabe sei grundsätzlich nur die Abwehr einer unmittelbar bestehenden Gefährdung. "Mit dem Einsturz wurde diese beseitigt. Der Bauschutt verbleibt, da dieser keine Gefahr für vorbeigehende beziehungsweise -fahrende Personen darstellt", erklärt Cynthia Thor.

Wird mit zweierlei Maß gemessen?

Dass wird die Nachbarn nicht freuen. "Uns hat man vor dem Bau unseres Holzhauses aufgefordert, einen kleinen Schutthaufen am Granitfelsen wegzuräumen. Da gab es keine Gnade", berichtet Uwe Stammwitz. Er zeigt Fotos, auf denen zugewachsene Steine und Baumaterialien gelagert sind. "Das wurde aufgebauscht, als ob wir eine Mülldeponie auf dem Grundstück hätten", sagt er. "Aber nebenan kann jetzt monatelang eine Bauschutthalde liegen."

Der Felsen hinterm Haus ist ein Naturdenkmal. Im Volksmund nennt man ihn den Herrenfelsen, weil die Silhouette einem Männerkopf ähnelt. Eidechsen und Kleintiere leben hier. "Wir haben das Grundstück 2012 gekauft, weil wir es hier idyllisch finden", sagt Dagmar Stammwitz. Obwohl es im Sanierungsgebiet der Stadt Kamenz hohe Auflagen gibt, zum Beispiel für die Deckung des Daches mit roten Biberschwänzen. Unzählige Vororttermine habe man gehabt und von einigen Wünschen abgehen müssen. "Doch diese Vorschriften scheinen alle nicht mehr wichtig zu sein", mutmaßt die Familie.

Eine Zwangsversteigerung könnte das Problem lösen

Auch die Stadtverwaltung Kamenz teilt auf Nachfrage von Sächsische.de mit: "Es ging bei dem Abriss um eine Gefahrenabwehr, um gegebenenfalls einen Einsturz des Gebäudes zu verhindern. Das schließt nicht automatisch die Beseitigung des entstehenden Schuttes ein", so Pressesprecher Thomas Käppler. "Dies wurde unseres Wissens den unmittelbaren Nachbarn durch das Landratsamt mitgeteilt und spielte bei letzten Absprachen kurz vor dem Abriss mit Mitarbeitern der Stadtverwaltung auch eine Rolle."

Niemand wolle bestreiten, dass der Anblick kein schöner ist. "Durch die Herrenlosigkeit des Grundstückes gestaltet sich die Lage kompliziert. Für den Schutthaufen wäre der bisherige Eigentümer der Immobilie verantwortlich. Da dieser sein Eigentum als herrenlos erklärt hat, wird er nicht in die Verantwortung genommen werden können", erläutert Käppler.

Die Stadtverwaltung arbeite nun an Lösungsmöglichkeiten, die aber nicht allein von ihr abhängig seien. Eine Zwangsversteigerung könnte zum Beispiel eine Lösung bringen. Neben den Kosten für den Abtransport des Bauschuttes liegen jedoch noch Lasten in fünfstelliger Höhe auf dem Grundstück. Da einen Käufer zu finden, wird sicher schwer.

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