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Kamenzer THW-Helfer zurück aus dem Katastrophengebiet

Zehn Männer und eine Frau aus Kamenz halfen in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Was sie dort sahen und erlebten, können sie kaum in Worte fassen.

Sie sind wieder zurück und freuen sich, dass sie helfen konnten: Marcel Vacque, Martin Retschke, Eric Retschke, Stephan Richter und Enrico Trenn (v. l.) vom THW Kamenz.
Sie sind wieder zurück und freuen sich, dass sie helfen konnten: Marcel Vacque, Martin Retschke, Eric Retschke, Stephan Richter und Enrico Trenn (v. l.) vom THW Kamenz. © Matthias Schumann

Kamenz. Die Anspannung hat sich gelöst, die schrecklichen Bilder im Kopf bleiben. Eine Woche lang war eine Gruppe des Technischen Hilfswerkes (THW) Kamenz im Hochwassergebiet in Bad Neuenahr-Ahrweiler, unterstützte die Arbeiten im Katastrophengebiet. Seit Sonnabend sind die Helfer wieder zurück in der Heimat. Es fällt manchem noch schwer, die Erlebnisse zu verarbeiten, aber auch solch gravierende Ereignisse gehören zu diesem ehrenamtlichen Job.

Zehn Männer und eine Frau hatten sich nur wenige Tage nach der Sturzflut von Kamenz aus auf den Weg ins Hochwassergebiet im Westen Deutschlands gemacht. „Eine erste Anfrage erhielten wir als Kamenzer THW bereits am Freitag, da war der Einsatz aber noch nicht amtlich“, blickt Enrico Trenn zurück. Speziell ging es bei der Abfrage um die Versorgungseinheit der Kamenzer.

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Über den tatsächlichen Einsatz wurden die Helfer des THW dann am vorletzten Montag gegen 4.45 Uhr informiert. Schnell wurden ein paar Lebensmittel für die erste Versorgung eingekauft und die Fahrzeuge beladen. Auch eine Feldküche war mit dabei. Um 13 Uhr rollten die Autos dann vom Hof des Kamenzer THW. Punkt Mitternacht kam die Truppe im Katastrophengebiet an. Schnell wurden die Schlafzelte aufgebaut, damit dann am Dienstag die Hilfe zügig losgehen konnte.

Keine Worte für die schlimme Situation

Das Bild, das sich den THWlern vor Ort bietet, ist erschreckend. „Man kann das nicht beschreiben, kann es nicht in Worte fassen“, sagt Enrico Trenn. „Das Wort schlimm wäre noch untertrieben.“ Eric Retschke, der Truppführer vor Ort, ergänzt: „Brücken waren zerstört, es gab keine Straßen, überall türmte sich Müll, Dreck und Schlamm, Häuser waren zerstört und unbewohnbar.“ Sicher habe man schon ähnliche Einsätze erlebt, zum Beispiel bei den Hochwasserkatastrophen in Sachsen oder beim Tornado 2010 in Großenhain. Aber die Wucht, die das Wasser in Ahrweiler entwickelt hatte, und der Schaden, der dadurch angerichtet wurde, seien gigantisch.

Schreckliche Bilder nach dem Hochwasser am 17. Juli in Bad Neuenahr-Ahrweiler in Rheinland-Pfalz: In einer Straße in der Innenstadt liegen die Versorgungsleitungen frei.
Schreckliche Bilder nach dem Hochwasser am 17. Juli in Bad Neuenahr-Ahrweiler in Rheinland-Pfalz: In einer Straße in der Innenstadt liegen die Versorgungsleitungen frei. © dpa
Ein Einsatzwagen der Feuerwehr fährt in Bad Neuenahr-Ahrweiler durch eine Straße, die mit Sperrmüll gesäumt ist.
Ein Einsatzwagen der Feuerwehr fährt in Bad Neuenahr-Ahrweiler durch eine Straße, die mit Sperrmüll gesäumt ist. © dpa
Eine Brücke, die im Bereich des Kurparks die Ahr überspannt, wurde durch das Hochwasser weggerissen.
Eine Brücke, die im Bereich des Kurparks die Ahr überspannt, wurde durch das Hochwasser weggerissen. © dpa
Blick aus der Luft auf den verwüsteten Kurkomplex in Bad Neuenahr-Ahrweiler und die Ahr
Blick aus der Luft auf den verwüsteten Kurkomplex in Bad Neuenahr-Ahrweiler und die Ahr © dpa
Dieses Bild bot sich am Tag nach dem Hochwasser im Kurkomplex von Bad Neuenahr-Ahrweiler.
Dieses Bild bot sich am Tag nach dem Hochwasser im Kurkomplex von Bad Neuenahr-Ahrweiler. © dpa
Auch der Kursaal ist komplett verwüstet.
Auch der Kursaal ist komplett verwüstet. © dpa

Die Kamenzer Gruppe war für die Verpflegung von 500 bis 900 Personen verantwortlich, größtenteils andere Einsatzkräfte, aber auch Betroffene des Hochwassers. „Dafür war auch Koch Daniel Reidies mit in Ahrweiler“, erklärt Enrico Trenn. Täglich bereiteten die Kamenzer ein klassisches Frühstück mit Brötchen, Wurst und Marmelade zu, Mittag wurde gekocht oder es gab ein Lunchpaket und am Abend immer eine warme Mahlzeit. Die anderen Helfer seien froh über die Versorgung gewesen. Nicht nur einmal hätten sie den Satz „Cool, es gibt warmes Essen“ zu hören bekommen. Auch gegrillt wurde.

Einmal haben die Kamenzer Essen direkt ins Schadensgebiet geliefert. „Die Leute waren alle glücklich und dankbar dafür. Eine Frau hatte zum Beispiel drei Tage lang nichts Warmes bekommen“, erzählt Eric Retschke. Bei der Versorgung haben die Kamenzer mit dem THW-Ortsverband Achern aus Baden-Württemberg zusammengearbeitet.

Die Einsatzgruppe des THW Kamenz verteilte Essen an die Hilfskräfte. Hier gibt Stefanie Genzel Mahlzeiten aus. Zwischen 500 bis 900 Personen mussten täglich versorgt werden.
Die Einsatzgruppe des THW Kamenz verteilte Essen an die Hilfskräfte. Hier gibt Stefanie Genzel Mahlzeiten aus. Zwischen 500 bis 900 Personen mussten täglich versorgt werden. © THW

Die Familien der THWler haben Verständnis dafür, dass Mann, Freund oder Papa mal eine Woche nicht da sind. „Wir machen das ehrenamtlich, und die Angehörigen wissen, was zu dieser Tätigkeit gehört“, sagt Enrico Trenn. „Sie kennen es nicht anders.“ Auch von den jeweiligen Arbeitgebern werden die Männer und Frauen freigestellt. Jeder wisse, wie wichtig die Hilfe gerade in solchen Situationen ist.

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Am Sonnabend fuhren die Kamenzer wieder zurück nach Sachsen, die Akkus waren leer. Eine andere THW-Gruppe übernahm ihre Aufgaben. Was bleiben wird, sind die schrecklichen Bilder im Kopf, aber auch das Wissen, dass man Menschen in allerhöchster Not geholfen hat. Dafür sind die Männer und Frauen beim THW da - und bereit für einen nächsten Einsatz.

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