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Kleinröhrsdorf: Spenden fürs Kriegerdenkmal

Vor 100 Jahren wurde das Denkmal für die Opfer des 1. Weltkrieges eingeweiht. Jetzt war eine Auffrischung notwendig. Dazu haben viele beigetragen.

Ralf Granzow zeigt die Tafel, die dokumentiert, dass der Förderverein Kleinröhrsdorf das Kriegerdenkmal mit Spendengeldern restaurieren ließ.
Ralf Granzow zeigt die Tafel, die dokumentiert, dass der Förderverein Kleinröhrsdorf das Kriegerdenkmal mit Spendengeldern restaurieren ließ. © René Plaul

Großröhrsdorf. Besucher des Friedhofes und der Kirche von Kleinröhrsdorf kennen es: das Denkmal, das an die Kleinröhrsdorfer Opfer des Ersten Weltkrieges erinnert. In einer Ecke gleich links neben dem Eingang zum Friedhof steht es, fast zwei Meter hoch und umrahmt von Blumen und anderen Pflanzen. Doch schon seit ein paar Jahren konnte man die in Sandstein gehauenen Namen nicht mehr richtig lesen.

Das muss und darf nicht sein, dachten sich die Mitglieder des Fördervereins Kleinröhrsdorf, die sich um vieles in dem Großröhrsdorfer Ortsteil kümmern. "Im Jahr 2016 hatten wir einen Spendenaufruf zur Restaurierung einer historischen Wegsäule gestartet. Dabei ist so viel Geld zusammengekommen, dass noch rund 400 Euro übrig waren", erklärt der stellvertretende Vereinsvorsitzende Ralf Granzow. Und so entschied man im Verein, eine weitere Spendenaktion ins Leben zu rufen, diesmal für das Kriegerdenkmal auf dem Friedhof. Das war im Frühjahr 2017.

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20 Namen stehen auf dem Denkmal

Viel Zeit ist seit dem ins Land gegangen, doch die Bemühungen waren erfolgreich. Ende vergangenen Jahres konnte der Auftrag für die Restaurierung des Denkmals vergeben werden. Das war auch dringend notwendig. "Nicht nur, dass die Namen unleserlich waren. Wir haben auch festgestellt, dass die zwei Standsteinplatten schon leichte Risse aufwiesen, verursacht durch rostende Eisenklammern, die das Denkmal zusammenhalten", erklärt Ralf Granzow.

Am 17. März wurde das Denkmal vom Steinmetzbetrieb Dünnbier aus Großschönau abmontiert und zur Restaurierung in dessen Werkstatt gebracht. Dort wurden die Platten gereinigt, die Schriftzüge der Namen nachgehauen und denkmalgerecht mit brauner Farbe ausgemalt. Außerdem wurden die für den Zusammenhalt der Platten notwendigen Eisenklammern durch Edelstahlklammern ersetzt.

Zum Glück hatte der inzwischen verstorbene Kleinröhrsdorfer Bernd Schöne als Jugendlicher alle Namen der auf dem Denkmal verzeichneten Kriegstoten aufgeschrieben, sodass man jetzt alle Inschriften genau nachvollziehen konnte. Insgesamt sind es 20 Namen ausschließlich ehemaliger Kleinröhrsdorfer, die im Krieg gefallen, an den Folgen des Krieges in der Heimat verstorben oder für immer vermisst sind.

5.200 Euro Spendengelder kamen zusammen

Das Geld für die Restaurierung kam ausschließlich aus Spenden. Rund 5.200 Euro sind zusammengekommen, und so viel haben auch die Arbeiten gekostet. Am kommenden Sonnabend wird das Denkmal für die Opfer des Krieges wieder eingeweiht - genau 100 Jahre nach der Aufstellung. Begleitet wird die Zeremonie von einem Gedenkgottesdienst in der Dorfkirche, den der ehemalige Pfarrer Norbert Littig leitet. Künftig wollen sich Frauen der Kirchgemeinde wieder ehrenamtlich um die Pflege rund um das Denkmal kümmern.

Doch noch eine Neuerung gibt es auf dem Kirchgelände in Kleinröhrsdorf. Parallel zum Abschluss der Restaurierungsarbeiten wird in der Totenhalle eine kleine Ausstellung eröffnet. Sie zeigt Postkarten, die vor, während und nach dem Ende des 1. Weltkrieges zu Hunderttausenden verschickt wurden. Diese Postkarten spiegeln den (Un)Geist der damaligen Zeit wieder.

"Ein Krieg wird nicht nur materiell vorbereitet, sondern Menschen werden ideologisch motiviert. Es beginnt damit, dass man bereits den Kindern andere Menschen zu Feinden erklärt und sie mit Kriegsspielen für das Militär begeistert," sagt Norbert Littig, aus dessen großer Sammlung die Karten stammen. Besonders nachdenklich und traurig macht es ihn, wenn ein Krieg religiös begründet wird. Auf den Koppelschlössern der Soldaten stand einst "Gott mit uns". "Diesem Geist müssen wir uns als Christen entschieden widersetzen", sagt er.

Der ehemalige Pfarrer Norbert Littig hat für den Andachtsraum an der Kleinröhrsdorfer Kirche eine Ausstellung mit Postkarten aus der Zeit des ersten Weltkrieges zusammengestellt.
Der ehemalige Pfarrer Norbert Littig hat für den Andachtsraum an der Kleinröhrsdorfer Kirche eine Ausstellung mit Postkarten aus der Zeit des ersten Weltkrieges zusammengestellt. © René Plaul

Die an die Kirche angebaute Totenhalle ist rund um die Uhr geöffnet und lädt jeden Besucher zum Innehalten ein. Ein Blickfang ist ein buntes Bleiglasfenster, das der Künstler Werner Juza 1961 geschaffen hat. "Gerade am Nachmittag, wenn die Sonne hereinscheint, leuchten die Farben", sagt Norbert Littig. Für ihn wie auch die Mitglieder des Fördervereins ist es wichtig, dass Geschichte im positiven Sinn fort geführt wird - sei es durch ein Denkmal, durch eine kleine Ausstellung, aber vor allem durch das Leben.

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