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Kranker Wolf wurde eingeschläfert

Bei Nebelschütz entdeckten Spaziergänger einen Wolf, der sich nicht mehr bewegte. Was der Grund dafür war und warum das Tier nicht gerettet werden konnte.

Von Heike Garten
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In der Oberlausitz gibt es besonders viele Wolfsrudel. Bei Nebelschütz wurde jetzt ein kranker Rüde gefunden, er musste eingeschläfert werden.
In der Oberlausitz gibt es besonders viele Wolfsrudel. Bei Nebelschütz wurde jetzt ein kranker Rüde gefunden, er musste eingeschläfert werden. © Symbolfoto: dpa/Soeren Stache

Nebelschütz. Damit hatten die Spaziergänger nicht gerechnet: Als sie Mitte Dezember bei Piskowitz in der Gemeinde Nebelschütz unterwegs waren, fanden sie einen Wolf. Das Raubtier habe auf einer Wiese gelegen und keinen Versuch unternommen zu fliehen, berichten sie.

Den Fund bestätigt Karin Bernhardt, Pressesprecherin des sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG), auf Nachfrage von Sächsische.de. “Der Wolf lebte noch, konnte sich jedoch nicht mehr fortbewegen.“ Die Spaziergänger hatten die Leitstelle der Polizei informiert, die wiederum die Nachricht an die Fachstelle Wolf weitergab. Mitarbeiter vom Lupus-Institut fuhren dann zum geschilderten Fundort.

Dort warteten in unmittelbarer Nähe des Wolfes bereits die Polizei und die Spaziergänger, die das Tier gefunden hatten. „Den Wildbiologen bot sich ein trauriges Bild. Der Wolf war von der Wiese an den Waldrand gekrochen und lag dort mit erhobenem Kopf“, erklärt Karin Bernhardt. Der etwa fünf bis sieben Jahre alte Wolf sei extrem abgemagert und nicht mehr in der Lage gewesen, seinem natürlichen Fluchtreflex zu folgen.

Tierarzt stellte fest: Wolf war stark unterernährt

Aufgrund des hilflosen Zustandes sei das Tier narkotisiert und zu einem Tierarzt gebracht worden. Der habe nach eingehender Untersuchung keine lebensbedrohlichen Verletzungen feststellen können. Er diagnostizierte aber eine beidseitige eitrige Ohrenentzündung, Unterernährung sowie Fett- und Muskelabbau.

Zum Vergleich: Ein ausgewachsener Wolfsrüde wiegt je nach Größe zwischen 30 und 40 Kilogramm. Der gefundene Wolf wog nur noch 22,5 Kilogramm. „Das lässt darauf schließen, dass das Raubtier schon über längere Zeit keine Nahrung mehr aufgenommen haben muss“, erklärt Karin Bernhardt.

Es seien alle Möglichkeiten geprüft worden, ob dem Tier noch geholfen werden kann. Im Beisein des Tierarztes sei der Fall mit dem Direktor sowie dem Tierarzt des Naturschutztierparkes Görlitz diskutiert worden. Die Beteiligten hätten jedoch keine Chance gesehen, den Wolf innerhalb weniger Tage wieder so aufzupäppeln, dass er mit guten Überlebenschancen in die freie Wildbahn hätte entlassen werden können. Aus diesem Grund sei nach Rücksprache mit der Fachstelle Wolf beschlossen worden, das Tier einzuschläfern und es so von seinem Leid zu erlösen.

Gründe für die starke Abmagerung und die Tatsache, dass sich der Wolf nicht mehr selbstständig fortbewegen konnte, seien weder bei der Untersuchung durch den Tierarzt noch bei der anschließenden Obduktion im Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung gefunden worden. Ein abschließendes Obduktionsergebnis stehe noch aus.

Woher das Tier stammte, wird noch untersucht

Der gefundene Wolf könnte aus dem Rosenthaler Rudel stammen. Der Fundort liegt in dessen Territorium. „Aufgrund des Alters des Tieres könnte es sich um den Rüden des Rosenthaler Rudels handeln“, erklärt die Pressesprecherin. Klarheit darüber gebe jedoch nur das Ergebnis der genetischen Untersuchung am Senckenberg-Zentrum für Wildtiergenetik. Diese Untersuchung nehme einige Zeit in Anspruch.

Tot aufgefunden wurden 2020/21 in Sachsen laut LfULG 23 Wölfe: 14 sind bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen, bei sieben Fällen handelte es sich um natürliche Todesursachen, bei einem Fall um eine illegale Tötung, bei einem weiteren Fall bleibt die Todesursache unklar. Der Schwerpunkt der Totfunde liegt in den Gebieten mit hohen Wolfsvorkommen in Ostsachsen. Das geht aus dem Monitoringbericht 2020/2021 des Landesumweltamtes hervor.