Partner im RedaktionsNetzwerk Deutschland
Kamenz
Merken

Graue Internetkästen werden zu bunten Kunstwerken

130 bedruckte Hussen verschönern künftig die Breitband-Verteiler im Kreis Bautzen, unter anderem in Kamenz. Was es mit dem Projekt auf sich hat.

Von Ina Förster
 3 Min.
Teilen
Folgen
NEU!
Bunte Stoffüberzüge zieren künftig 130 Verteilerkästen für die Internetversorgung im Kreis Bautzen. Steffen Hilbrich von der Telekom, Vize-Landrätin Birgit Weber und der Bautzener OB Alexander Ahrens (v.l.) präsentierten kürzlich die Motive.
Bunte Stoffüberzüge zieren künftig 130 Verteilerkästen für die Internetversorgung im Kreis Bautzen. Steffen Hilbrich von der Telekom, Vize-Landrätin Birgit Weber und der Bautzener OB Alexander Ahrens (v.l.) präsentierten kürzlich die Motive. © SZ/Uwe Soeder

Kamenz. Aufmerksame Kamenzer können in ihrer Stadt seit dem 17. März besondere Kunst auf besonderem Terrain entdecken. Auf ein paar der eher grau und schmucklos wirkenden Verteilerkästen für die Versorgung mit schnellem Internet im Stadtgebiet leuchten ab sofort farbige Kunstwerke. Die Stadt erhielt zwei von insgesamt 130 bedruckten Hussen zur eigenen Verwendung. Eine davon wurde von der noch amtierenden Vize-Landrätin Birgit Weber installiert; Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos) assistierte ihr dabei.

Hintergrund bildet das Breitband-Projekt, welches in den letzten Jahren im Landkreis umgesetzt wurde. Dieses ist inzwischen abgeschlossen. Doch was bleibt, wenn alle Kabel in der Erde liegen? Diese Frage ließ sich der Landkreis Bautzen noch einmal intensiv durch den Kopf gehen. Am Ende entstand die Idee, ähnlich der Initiative „Kunst am Bau“ und Kunstbus, den Kunstkasten ins Leben zu rufen. Bereits am 3. März wurde das Projekt in Bautzen gestartet. Nach und nach werden die 130 Hussen bis zum 4. April nun in den Städten und Gemeinden des Landkreises verteilt. Auch Lichtenberg und Schwepnitz in er Kamenzer Region, zum Beispiel, erhalten noch jeweils zwei Exemplare.

Vize-Landrätin Birgit Weber verhüllte in dieser Woche zusammen mit dem Kamenzer OB Roland Dantz einen Breitband-Netzverteilerkasten an der Macherstraße in Kamenz. Zu sehen ist darauf ein Kunstwerk von Thomas Reimann.
Vize-Landrätin Birgit Weber verhüllte in dieser Woche zusammen mit dem Kamenzer OB Roland Dantz einen Breitband-Netzverteilerkasten an der Macherstraße in Kamenz. Zu sehen ist darauf ein Kunstwerk von Thomas Reimann. © Anne Hasselbach

Im Oktober 2021 endete nach reichlich zweieinhalb Jahren Bauzeit das größte Breitband-Projekt in ganz Europa. Rund 60.000 Haushalte, Firmen und Schulen im gesamten Landkreis Bautzen zwischen Ottendorf-Okrilla, Spreetal, Kamenz und Sohland haben seitdem schnelles Internet. Auch 179 Schulen und Bildungseinrichtungen sowie Krankenhäuser im Landkreis profitieren davon.

Vor dem Baustart galten besagte Haushalte und etwa 8.800 Unternehmen als unterversorgt. Zur baulichen Umsetzung gehörten am Ende 2.200 Kilometer Tiefbau und etwa 12.500 Kilometer Glasfaserkabel. Innerhalb von zweieinhalb Jahren wurde das Mega-Projekt realisiert. "Ich möchte im Namen der Stadt Kamenz noch einmal Birgit Weber, aber auch Andreas Heinrich von der Landkreisverwaltung explizit lobend erwähnen. Ohne diese beiden wäre vieles in all den Jahren nicht umsetzbar gewesen", so Roland Dantz am Donnerstag dieser Woche. Bereits 2015 war das Projekt auf den Weg gebracht worden. "Maßgeblich auch durch die beiden Protagonisten", so Dantz

Motive stammen von regionalen Kunstschaffenden

Die neu errichteten Netzverteiler stachen jedoch vielen als triste graue Kästen negativ ins Auge. Sie künstlerisch in Szene zu setzen, wurde schnell als Idee begrüßt. Durch die damit geschaffene Aufmerksamkeit soll der Kunstkasten auch in Zukunft weiter an das Breitbandprojekt erinnern.

Die Motive der Hussen stammen von den Künstlern Kathrin Christoph, Anett Münnich, Thomas Reimann und Oskar Staudinger. Seitlich ist jeweils in deutscher und sorbischer Sprache eine kurze Information zum Projekt zu lesen. Bei ihren Motiven ließen sie Kreativen vom Thema Breitbandversorgung inspirieren.

"Wir hoffen nun, dass das Ganze ein langes Leben hat", sagt Birgit Weber zur Verhüllung eines Kastens an der Macherstraße in Kamenz am Donnerstag. Die Hussen sind aus Fahnenstoff gefertigt und liegen millimetergenau am Kasten an, damit sie wenig Spielraum bei Wind oder Sturm haben.

Und alle 130 Stück wurden im Kamenzer Unternehmen "Sachsenfahnen" gefertigt. Was freilich Roland Dantz wieder mit Stolz erfüllte. "Das Kunst-Projekt kostete den Landkreis 6.000 Euro und wurde schnell und unkompliziert umgesetzt", so Birgit Weber.

Oberbürgermeister Roland Dantz entschied sich übrigens bei seiner Auswahl für Kamenz für die Motive "Netzspinne" und "Telefon". Für die zweite Husse wird nun noch ein passender Kasten im Stadtgebiet gesucht.