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Mehr Geld für Pflegekräfte in der Pulsnitzer Vamed-Klinik

Klinik und Gewerkschaft haben einen neuen Haustarifvertrag ausgehandelt. Das steht drin.

Auch Pflegedirektor Gunnar Scheibe war an den Verhandlungen über einen Haustarifvertrag zwischen der Vamed-Klinik Schloss Pulsnitz und der Gewerkschaft Verdi beteiligt. Er ist zufrieden mit dem Abschluss.
Auch Pflegedirektor Gunnar Scheibe war an den Verhandlungen über einen Haustarifvertrag zwischen der Vamed-Klinik Schloss Pulsnitz und der Gewerkschaft Verdi beteiligt. Er ist zufrieden mit dem Abschluss. © Matthias Schumann

Pulsnitz. Sie leisten eine wichtige Arbeit, und haben es nicht immer leicht. Die Rede ist von Mitarbeitern im Pflegebereich, die gerade in Corona-Zeiten vermehrt in den Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten. Einige geben auf, weil sie dem Druck nicht mehr standhalten. Fachkräftemangel im Bereich der Pflege ist aber nicht erst seit Corona ein Thema. Überall suchen Kliniken und Pflegeeinrichtungen nach Personal.

Die Vamed-Klinik in Pulsnitz hat jetzt auf die Situation reagiert - und mit der Gewerkschaft Verdi einen neuen Haustarifvertrag abgeschlossen, um die Bedingungen für die Mitarbeiter zu verbessern. „Der Vertrag steht im Kontext des Fachkräftemangels, dem wir durch verschiedenste Maßnahmen und Projekte versuchen, entgegenzuwirken“, erklärt Patrick Kallweit, bei der Vamed-Klinik verantwortlich für Unternehmenskommunikation und Marketing. „Wir wollten einen modernen, nachhaltigen Tarifvertrag“, ergänzt Geschäftsführer Carsten Tietze.

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Von langen und zähen Verhandlungen spricht André Urmann, der Verhandlungsführer der Gewerkschaft Verdi. Immerhin hätten die Gespräche bereits im Sommer 2019 begonnen.

Extra-Urlaub für Nichtraucher

Im neuen Tarifvertrag geht es um mehr Geld, veränderte Arbeits- und Zuschlagsregeln, Urlaub und Maßnahmen, um Gesundheit und Wohlbefinden der Mitarbeiter zu fördern. So seien Gehaltssteigerungen bis zu 7,25 Prozent vereinbart worden. Es bleibe bei der 39-Stunden-Arbeitswoche, wobei die Zeitarbeitskonten eine hohe Flexibilität zuließen.

„Dienstplanwünsche werden berücksichtigt, wir gehen individuell auf die Mitarbeiter ein“, erklärt Pflegedirektor Gunnar Scheibe. Es gebe im Jahr bis zu drei Tage Zusatzurlaub für Nachtdienste, außerdem einen Tag mehr frei für Mitarbeiter, die während ihrer Dienstzeit nicht rauchen – ein sogenannter Nichtraucherurlaub. Über den Tarifvertrag hinaus sei für die Mitarbeiter des Pflegedienstes noch ein spezifisches Prämienmodell mit dem Betriebsrat vereinbart worden.

Mitarbeiter können Sauna und Schwimmbad nutzen

Neben den finanziellen Aspekten spielen nach Ansicht des Geschäftsführers die sogenannten weichen Faktoren eine wichtige Rolle. „Wir müssen den Mitarbeitern Angebote unterbreiten, die über die Pflichtaufgaben hinausgehen“, sagt er. „Unsere Klinik bietet Arbeitszeitvereinbarungen, die über die Regelungen des Teilzeit- und Befristungsgesetzes hinausgehen. Außerdem können die Mitarbeiter die Gelegenheit nutzen, sich in herausfordernden familiären Situationen Hilfe von den Mitarbeiterinnen des Sozialdienstes zu holen.“

Gemeint sind mit den weichen Faktoren aber auch die interne Kommunikation vom Newsletter bis hin zu persönlichen Mitarbeitergesprächen, Kulturangebote, Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen sowie Möglichkeiten und Unterstützung bei der Freizeitgestaltung im Sinne der persönlichen Gesunderhaltung. „Es gibt zahlreiche Angebote von Seiten des Hauses. So können Beschäftigte das Schwimmbad oder die Sauna nutzen, es existieren Fußball- und Volleyballmannschaften. Für die Gesundheitsförderung seien im Etat der Klinik 80 Euro pro Mitarbeiter und Jahr eingeplant.

Gewerkschafter: Vamed spielt in der "oberen Liga"

Nach Aussage des Geschäftsführers verliefen die Verhandlungen mit der Gewerkschaft sehr konstruktiv. „Sicher gab es Faktoren, wo die Gewerkschaft andere Vorstellungen hatte, aber am Ende konnten wir uns einigen“, sagt Carsten Tietze. Knackpunkt sei unter anderem das Thema Leistungsprämien gewesen.

"An einigen Stellen war es nicht einfach, eine Lösung zu finden", sagt Verdi-Verhandlungsführer Urmann. Er nennt die Punkte Lohnerhöhungen und Krankengeldzuschuss nach sechs Wochen. Letztlich ist die Gewerkschaft aber mit dem Abschluss zufrieden. "Wir haben einen guten Tarifvertrag hinbekommen. Mehr ist immer drin", schätzt André Urmann ein.

Im Vergleich zu anderen Reha-Kliniken spiele Pulsnitz in der "oberen Liga". Noch besser stünden Kliniken in großen Städten da, weil sie sich am Tarif im öffentlichen Dienst orientierten. Dazu zähle zum Beispiel die Uni-Klinik.

Nachtzuschlag wird verdoppelt

Auch der Betriebsratsvorsitzende der Vamed-Klinik, Maik Vogel, bezeichnet die Verhandlungen als "sehr konstruktiv", auch mit Blick auf die Personalsituation in der gesamten Branche. "Besonders die Verdopplung des Nachtzuschlages und den Zusatzurlaub bei Nachtarbeit sehe ich positiv", sagt er.

Verhandelt wurde aufgrund der aktuellen Corona-Situation zum Teil digital. Der neue Tarifvertrag gilt ab 1. Mai. Bei der Vamed-Klinik Schloss Pulsnitz sind etwa 400 Mitarbeiter im nichtärztlichen Dienst beschäftigt, die nun in den Genuss der getroffenen Vereinbarungen kommen.

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