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Familienzirkus trotzt der Kälte

Tiefe Minustemperaturen, jede Menge Schnee - für das Mondial-Team ist die Situation im Winterquartier bei Kamenz nicht leicht. Aber es gibt auch Lichtblicke.

Es ist ja Faschingszeit! Zirkuschefin Carola Spindler hat sich deshalb das Kostüm übergezogen, obwohl sie im Winterquartier derzeit eigentlich andere Sorgen hat.
Es ist ja Faschingszeit! Zirkuschefin Carola Spindler hat sich deshalb das Kostüm übergezogen, obwohl sie im Winterquartier derzeit eigentlich andere Sorgen hat. © René Plaul

Nebelschütz. Es ist klirrend kalt an diesem Vormittag. Minus acht Grad zeigt das Thermometer. Kleine Schneeflocken rieseln vom Himmel. Das Gelände im Nebelschützer Ortsteil Piskowitz, auf dem der kleine Familienzirkus Mondial sein Winterquartier aufgeschlagen hat, ist tief verschneit. Auf der Straße zum Zirkus fährt man über Schnee, überall liegen hohe Haufen. Doch auf dem Gelände hat der Vermieter Schnee geschoben. Auf den Dächern der Wohnwagen von Familie Spindler liegt ebenfalls die weiße Pracht. Kaum vorstellbar, dass dort jemand wohnt.

Und doch herrscht Leben auf dem Platz. Katzen laufen über das Gelände, Hunde bellen jeden Neuankömmling an. Ein Mitarbeiter des Zirkusses mistet gerade den Stall aus, schiebt das alte Stroh zur Tür hinaus. Nur einen kleinen Spalt ist sie geöffnet, damit nicht zu viel Kälte hineinzieht.

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Im Wohnwagen von Carola Spindler ist es mollig warm. Es duftet nach Kaffee, und auf dem Tisch stehen frische Brötchen. "Nach dem Füttern wird erst einmal gefrühstückt", erklärt die Chefin vom Circus Mondial. Ein Freund der Familie, ein Piskowitzer, hat mit am Tisch Platz genommen. "Ja, es ist derzeit nicht gerade einfach für uns", sagt Carola Spindler. "Aber mit den frostigen Temperaturen und dem Schnee kommen wir so einigermaßen klar."

Wasserleitung zum Wohnwagen ist eingefroren

In den sechs Wohnwagen der Familie, zu der vier Erwachsene und vier Kinder gehören, gibt es eine Heizung, die über eine Elf-Kilogramm-Gasflasche versorgt wird. So ist das mit den Temperaturen im Innern kein Problem. Nur die Wasserleitung ist eingefroren. "Sie verläuft nicht in der Erde, so dass der Frost Schaden gemacht hat", erklärt die Zirkus-Chefin. Jetzt muss die Familie das Wasser aus dem Stall holen. Dort kommt das Wasserrohr direkt aus der Erde ins Gebäude. Im Inneren haben es die Mitarbeiter extra nochmal eingepackt, damit es nicht zufriert. "Doch bis jetzt hatten wir trotz des strengen Frostes im Stall noch kein Problem", sagt Carola Spindler.

Wohnwagen im Winter. Die Mitglieder der Zirkusfamilie Spindler leben auch im Winter in diesen Unterkünften im Quartier in Piskowitz.
Wohnwagen im Winter. Die Mitglieder der Zirkusfamilie Spindler leben auch im Winter in diesen Unterkünften im Quartier in Piskowitz. © René Plaul

Auch das Wasser in den Schalen für die Tiere schwappt vor sich hin. Nichts ist eingefroren. Im Stall herrscht also kein Frost. Trotzdem ist es recht kalt. "Die Tiere kommen mit den Temperaturen gut klar", sagt Carola Spindler. Nur die beiden Hängebauchschweine graben sich förmlich in das frische Stroh ein und fressen gleichzeitig daran. "Wir haben gutes Stroh, das wärmt und schmeckt." Zum Zirkus gehören noch Ponys, Ziegen, Hunde, Tauben, Hühner mit Hahn sowie Lamas. Der Stall war mal für Kühe gedacht, ist also auch entsprechend stabil gebaut.

Alle Tiere bleiben derzeit im Stall - bis auf eins

Aber ein Tier hält sich auch bei diesen Temperaturen nicht im Stall auf: Das Kamel steht unter einem großen Zelt, das vorn offen ist. Gerade streckt es den Kopf nach draußen, lässt die Schneeflocken auf seinen Kopf fallen. Es wirkt zufrieden. "Kamele vertragen keinen Wind oder Zugluft. Außerdem sollte das Fell nicht allzu nass werden", erklärt Carola Spindler. Aus diesem Grund sei das Zelt geeignet.

Derzeit bleibt die Stalltür immer geschlossen, nur ein kleiner Spalt für die Katzen ist offen. Das heißt auch, dass sich die Tiere die ganze Zeit in ihrer Box aufhalten. Spaziergänge mit ihnen oder gar das Üben von Zirkusnummern seien aktuell nicht möglich. "Früher erlaubte uns der Vermieter, in einer benachbarten großen Halle die Tiere zu bewegen. Doch dort werden derzeit andere Sachen gelagert", erklärt die Chefin. Also müsse man warten, bis es wieder etwas wärmer wird, um mit den Vierbeinern nach draußen zu gehen.

Eine Sorge bleibt trotz allem bestehen: Wie lange wird das Futter reichen? Die letzten Spenden hat der Zirkus kurz nach dem Jahreswechsel gebracht bekommen. Es war Stroh und Heu. Carola Spindler erzählt, dass eine Familie aus Königsbrück immer für den Zirkus bei einem Baumarkt in Kamenz einkauft - Zuckerrüben oder Salzsteine. Sie hole das Ganze dann dort ab. "Die Familie meldet sich aller drei Wochen, und wir sind dankbar dafür." Auch ein Bäcker aus Großdubrau habe schon mehrere Säcke getrocknetes Brot gespendet. Auch das helfe. Im Grund brauche der Zirkus vieles, um die Tiere zu versorgen: Zucker- und Mohrrüben, Kraftfutter, Brot, Heu und Stroh, Salzsteine.

Spenden helfen, über den Winter zu kommen

Schon im November hatte der Zirkus einen Spendenaufruf gestartet. Viele Leute hätten darauf reagiert. "Uns haben Menschen aus der gesamten Region geholfen", erzählt Carola Spindler. Spenden kamen sogar aus Dresden, Görlitz und Hoyerswerda. Manche brachten das Futter selbst vorbei, schauten sich gleich bei den Tieren und im ganzen Zirkus um. Das wäre auch jetzt möglich, doch Carola Spindler glaubt, dass sich viele Leute bei den derzeitigen Witterungsverhältnissen gar nicht zum Winterquartier trauen. "Doch sie sind jederzeit herzlich willkommen", sagt die Zirkuschefin.

Noch am selben Tag macht sie sich auf den Weg in einen kleinen Ort bei Oßling. Eine Familie, die selbst Tiere hält, hat Futter angeboten. Also besorgt sich Carola Spindler einen kleinen Transporter und holt die Spenden. Das hilft den Tieren und letztlich dem Zirkus, um über den Winter zu kommen.

Wer helfen möchte: Circus Mondial, derzeit im Winterquartier am Eichelberg 12 in Piskowitz, Telefon 0174 7140141,

Spendenkonto: DE21 1001 0010 0789 6011 26

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