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Bäume in Pulsnitz illegal gefällt

Auf der Fläche der einstigen Gaststätte Waldschlößchen liegen dicke Stämme. Das sorgt für Gesprächsstoff in der Stadt - und wohl auch für rechtliche Konsequenzen.

Die gefällten Bäume liegen gut sichtbar an der Kamenzer Straße auf dem Platz, wo einst die Gaststätte Waldschlößchen in Pulsnitz stand.
Die gefällten Bäume liegen gut sichtbar an der Kamenzer Straße auf dem Platz, wo einst die Gaststätte Waldschlößchen in Pulsnitz stand. © Matthias Schumann

Pulsnitz. Am Ortseingang von Pulsnitz aus Richtung Kamenz fallen sie sofort auf: gefällte Baumstämme und viele größere und kleine Äste. Sie liegen auf einer freien Fläche an der Kamenzer Straße, gut sichtbar für alle, die vorbeifahren. Bei der Fläche handelt es sich um ein Privatgrundstück, und doch fragt sich so mancher, warum die Bäume dort liegen. Durften sie überhaupt gefällt werden?

Die Frage stellt sich auch der Grünen-Kreistagsabgeordnete Frank Sühnel. Die gefällten Bäume sind ihm schon im November aufgefallen, und er war keineswegs begeistert von dem Anblick. Er schreibt dazu an Sächsische.de: "Es ist eine unglaubliche Respektlosigkeit vor der Natur, solche Bäume aus reinem Eigennutz zu fällen, ein Frevel". Er wandte sich an das Landratsamt und auch an die Pulsnitzer Bürgermeisterin Barbara Lüke (parteilos), schilderte seine Beobachtungen und stellte die Frage, ob denn die Fällung rechtens sei.

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Nach Aussage von Frank Sühnel wurden auf dem Grundstück eine riesige Buche mit einem Stammdurchmesser von etwa anderthalb Metern und zwei Linden mit Stammdurchmessern von mindestens einem Meter gefällt. "Die Bäume wiesen keinerlei augenscheinschliche Schäden, keine Kernfäule und auch keinen Pilzbefall auf", so Sühnel. Der Grünen-Politiker sagt, dass die Buche mehrere Hundert Jahre alt gewesen sei.

Fällung im September beantragt

Das Landratsamt bestätigt die Fällung, spricht allerdings von mehreren Rotbuchen und einer Winterlinde. Nach Aussage von Pressesprecherin Cynthia Thor hatte der Eigentümer des Grundstückes am 24. September die Fällung der Bäume bei der Stadtverwaltung Pulsnitz beantragt. "Diese leitete wegen fehlender Zuständigkeit den Antrag an die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes Bautzen weiter", so die Pressesprecherin. Der Grundstückseigentümer habe die Fällung der Bäume mit dem Gefahrenpotential für Nachbarn und die Nutzung des eigenen Grundstückes begründet. Weitere Gründe waren die Einschränkung der Nutzung einer Garage und die fehlende Baufreiheit für eine künftige Bebauung des Grundstückes.

Ende Juli wurde die ehemalige Gaststätte Waldschlößchen auf dem Grundstück abgerissen. Damals gehörte sie noch zum Eigentum der Städtischen Wohnungsgesellschaft (SWG) Pulsnitz. Seit 2011 wurde die Gaststätte nicht mehr betrieben. Eine Sanierung hätte sich nach Aussagen von SWG-Geschäftsführer Matthias Mietzsch nicht gelohnt, und es habe auch keinen Gastwirt gegeben, der den Enthusiasmus aufgebracht hätte, das Waldschlößchen wieder zu betreiben.

Interessenten habe es eine ganze Menge gegeben, letztlich sei von allen jedoch eine Absage gekommen, weil der Sanierungsbedarf einfach zu hoch sei. "Wir sind mit dem Preis runtergegangen, aber Verschenken kam nicht infrage", so Mietzsch. Bis 2019 scheiterten alle Verkaufsbemühungen. Die SWG musste sich etwas überlegen. "Wir haben versucht, das Grundstück als Bauland zu veräußern, was natürlich den Abriss des Waldschlösschen bedeutete." Die SWG habe schließlich sogar angeboten, bei einem Verkauf den Abriss zu übernehmen.

Landratsamt prüft strafrechtliche Schritte

So kam es letztlich auch - und in diesem Jahr ging alles ganz schnell. Die SWG fand einen Käufer. Es handelt sich um eine Privatperson, die auf dem Grundstück ein Einfamilienhaus errichten will. Der Verkauf ging im Juni notariell über die Bühne mit der Auflage, dass die SWG den Abriss der ehemaligen Gaststätte übernimmt. Das passierte auch.

Und jetzt erfolgte die Fällung der Bäume, obwohl die Naturschutzbehörde am 3. November dem Eigentümer mitgeteilt hat, dass "die Genehmigung der Fällung der Winterlinde aufgrund ihres Schutzstatus nicht in Aussicht gestellt wird". Bereits am 6. Oktober war eine Mitarbeiterin der Naturschutzbehörde auf dem Grundstück und hatte festgestellt, dass es sich bei den Rotbuchen um vitale Altbäume handelt, die ortsbild- und landschaftsbildprägend und somit aus naturschutzfachlicher Sicht erhaltenswertwert waren. Eine Gefährdung der Verkehrssicherheit konnte nicht festgestellt werden.

"Bei der Winterlinde handelte es sich außerdem um einen höhlenreichen Einzelbaum und somit um ein gesetzlich geschütztes Biotop", heißt es aus der Naturschutzbehörde. Außerdem wies das Amt darauf hin, dass die Bäume Lebensstätten geschützter Arten sein können, und dass eine Fällung verboten sei. Es lag also keine Genehmigung für die Fällung vor. Das Landratsamt prüft jetzt ordnungs- und strafrechtliche Schritte.

Pulsnitz hat keine Bauschutzsatzung

Auch die Pulsnitzer Bürgermeisterin ist entsetzt über die Fällung der Bäume. "Jeder - egal ob privat oder öffentlich - muss sich an geltendes Recht halten. Einfach so dürfen Bäume nicht gefällt werden", sagt sie auf Anfrage von Sächsische.de. Ein direktes Mitspracherecht der Stadt gibt es in diesem Fall aber nicht. Pulsnitz hat keine Baumschutzsatzung. Aber selbst wenn es diese gäbe, wäre die Naturschutzbehörde des Kreises die Genehmigungsbehörde.

Den Eigentümer selbst konnte Sächsische.de zum Vorfall nicht befragen. Bei einem Verkauf eines Grundstückes an eine Privatperson muss der Name des Käufers nicht öffentlich genannt werden. So war einen Kontaktaufnahme nicht möglich.

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