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Pulsnitz: So schwierig ist die Einstellung ausländischer Fachkräfte

Die Vamed-Klinik in Pulsnitz beschäftigt 22 Mitarbeiter aus anderen Ländern. Als Sachsens Sozialministerin jetzt vor Ort war, erfuhr sie: Nicht alles läuft perfekt.

Von Heike Garten
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Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (l.) unterhält sich mit brasilianischen Fachkräften, die in der Vamed-Klinik Pulsnitz arbeiten.
Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (l.) unterhält sich mit brasilianischen Fachkräften, die in der Vamed-Klinik Pulsnitz arbeiten. © Anne Hasselbach

Pulsnitz. Sie sind angekommen und fühlen sich wohl in Pulsnitz. In der Vamed-Klinik Schloss Pulsnitz sind aktuell 22 ausländische Arbeitskräfte beschäftigt, die meisten von ihnen kommen aus Brasilien. Mit einem Pilotprojekt hat es die Klinik geschafft, diese Beschäftigten über eine Fachkräfteakquise aus ihrem Heimatland nach Deutschland zu holen.

Der Weg dahin war und ist für alle Beteiligten nicht leicht. Ein Grund dafür ist die deutsche Bürokratie, die hohe Hürden für ausländische Fachkräfte aufbaut, und wo die Auslegung der Regeln nicht immer einheitlich ist. Die Mitarbeiter der Vamed-Klinik haben im Laufe der Jahre einige Erfahrungen gesammelt. Diese teilten sie am Montag Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) mit und wollten Antworten, wie die Politik helfen kann, die Hürden abzubauen.

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Prozedere dauert bis zu einem Jahr

Heike Rentsch, Personalleiterin von Vamed, erläuterte anschaulich, was alles notwendig ist, damit ausländische Arbeitskräfte in Deutschland arbeiten können. Schon vor der Einreise müssen drei Anträge bewilligt werden, nach der Einreise dann noch mal zwei und zur fachlichen Prüfung wieder fünf. „Das Prozedere kann sich bis zu einem Jahr ziehen“, sagt sie. Einfacher wäre es, wenn alle involvierten Behörden digitalisiert arbeiten würden und auf die einzelnen Vorgänge der anderen zurückgreifen könnten. Das würde manches erleichtern.

Ähnlich schwierig gestaltet sich der Nachzug von Familienangehörigen der ausländischen Fachkräfte. „Gerade um sich hier in Deutschland wohlzufühlen, gehört es dazu, dass Ehepartner oder Kinder mit hier leben. Auch für sie muss es eine Perspektive geben“, so der Geschäftsführer der Vamed-Klinik Carsten Tietze. Doch auch dieser Prozess sei schwierig und zeitaufwendig. Für die Integration der Fachkräfte wie auch den Familiennachzug müsse es einen einheitlichen Leitfaden geben, auf den nicht nur die Pulsnitzer Klinik zurückgreifen kann, sondern auch andere medizinische und Pflegeeinrichtungen. Gleiches gelte sicherlich auch für andere Branche, denn der Fachkräftemangel in Deutschland sei groß.

Verbesserungspotenzial in den Behörden

Ministerin Petra Köpping erklärte ihrerseits, dass der Freistaat hinsichtlich der Optimierung von Rahmenbedingungen für den qualifizierten Zuzug auf einem insgesamt guten Weg sei. Es gebe aber sowohl seitens der Politik als auch seitens der Wirtschaft und in den Behörden noch Verbesserungspotenzial. Die Projekte der Vamed-Klinik bezeichnete sie als beispielhaft für andere Unternehmen. Konkrete Lösungsvorschläge konnte auch sie nicht machen, allerdings sprach sie sich für einen einheitlichen Leitfaden aus.

Lara Tereza Sekef Santos Simao ist im Oktober 2020 in Pulsnitz angekommen, mitten in der Corona-Pandemie. „Es war für uns alle eine riesige Herausforderung und nicht einfach. Aber die Mitarbeiter in der Klinik haben uns sehr geholfen“, schildert sie ihre Situation. Darüber unterhielten sie und andere brasilianische Fachkräfte sich mit der Ministerin und betonten, dass sie sich jetzt in Pulsnitz, in der Klinik und der Region sehr wohlfühlen. Erst am Wochenende seien einige der Brasilianer im Freibad gewesen.

Für die Vamed-Klinik ist die Akquise ausländischer Fachkräfte nicht beendet. Im Spätsommer dieses Jahres wird bereits die dritte Gruppe aus Brasilien in Pulsnitz erwartet. Im September reist eine Delegation der Klinik nach Recife in Brasilien, um Vorstellungsgespräche mit Bewerbern zu führen, die 2023 die Anpassungsqualifikation in Pulsnitz beginnen möchten.

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