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Warum bedeckt schwarzer Asphalt den Pulsnitzer Markt?

Teile des historischen Pflasters sind unter einem Teerbelag verschwunden. Das sorgt für Verwunderung. Sächsische.de sagt, was es damit auf sich hat.

Schwarzer Asphalt bedeckt den Marktplatz von Pulsnitz. Er soll das Pflaster während der Bauarbeiten am Rathaus zu schützen.
Schwarzer Asphalt bedeckt den Marktplatz von Pulsnitz. Er soll das Pflaster während der Bauarbeiten am Rathaus zu schützen. © René Plaul

Pulsnitz. Eigentlich hätte die Sanierung des Rathauses in Pulsnitz Ende Oktober beginnen sollen. Die Aufstellung des Gerüstes war geplant, die Baustellenausstattung mit der entsprechenden Logistik sollte vor dem Rathaus aufgestellt werden, und auch erste Abbruchmaßnahmen im Inneren des historischen Gebäudes standen an. Doch es herrschte lange Ruhe im und vor dem Rathaus. Ende vergangener Woche schien sich etwas zu bewegen. Auf dem Markplatz vor dem Rathaus überzieht nun schwarzer Asphalt das Pflaster. Knapp ein Viertel des Platzes ist davon betroffen.

Das sorgte sofort für Diskussionen in den sozialen Netzwerken. Von einem Schwarzmarkt ist da ironischerweise die Rede. Ein anderer User freut sich, dass es endlich losgeht. Wieder andere sprechen von Steuergeldverschwendung und fragen nach Alternativen. Der Pulsnitzer Bauamtsleiter Kay Kühne klärt auf: "Der Asphalt wurde zum Schutz des Pflaster aufgebracht. Zwischen Asphalt und Pflaster befinden sich noch ein Flies und eine Sandschicht, damit nach Beendigung der Arbeiter der Asphalt leicht wieder zu entfernen ist." Inzwischen stehen auch der Bauzaun und das WC. Das Gerüst kommt in dieser Woche.

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Sanierungsstart verschoben

Warum hat es aber so lange gedauert, ehe die Rathaussanierung starten konnte? Diese Frage stellen sich viele Pulsnitzer. Bürgermeisterin Barbara Lüke (parteilos) ist mächtig verärgert, dass es erst so spät losgeht. Und sie nennt auch gleich den Grund dafür: "Das beauftragte Planungsbüro hat es versäumt, behördliche Genehmigungen vom Landratsamt für das Aufstellen von Schildern und für notwendige Sperrungen einzuholen. Es geht um die verkehrsrechtlichen Anordnungen. Das wurde zwar jetzt nachgeholt, aber der Sanierungsstart musste nach hinten geschoben werden", so die Bürgermeisterin. Sie hofft, dass Ende November alles geklärt ist.

Doch nicht nur in diesem Fall merkt die Rathauschefin, dass sie und ihr Team es nicht leisten können, die gesamte Sanierung des Gebäudes professionell zu begleiten, dass heißt, alles so zu überwachen, wie es notwendig wäre. Das fängt an bei der Einhaltung von Terminen, geht über die Überwachung der Kosten bis hin zur Überprüfung bestimmter Bauleistungen.Deshalb holt die Stadt sich jetzt Hilfe. Zur jüngsten Stadtratssitzung sollten die Räte darüber entscheiden, eine externe Firma zur Projektsteuerung speziell für die Rathaussanierung einzusetzen. "Im Zuge der bisherigen Vorbereitung der Baumaßnahme in Zusammenarbeit mit dem Planungsbüro ist festzustellen, dass mit dem bestehenden Personal der Stadtverwaltung quantitativ die Gesamtsteuerung dieses Projektes nicht mehr möglich erscheint", heißt es in der Beschlussvorlage.

Leipziger Firma soll helfen

Ein Unternehmen wurde von Seiten der Verwaltung und nach mehreren Gesprächen in den Ausschüssen favorisiert: die WEP Projektentwicklung aus Leipzig. Geschäftsführer Gregor Bogen stellte zur Stadtratssitzung seine Firma vor. Die WEP-Gruppe ist seit 1991 am Markt und agiert deutschlandweit. Sie ist für private wie auch öffentliche Auftraggeber tätig.

Im Landkreis Bautzen ist die WEP keine Unbekannte. So steuerte sie die Umgestaltung der Energiefabrik in Knappenrode und war auch in mehreren Gemeinden im Rahmen der Hochwasserschadenbeseitigung tätig, zum Beispiel in Schirgiswalde-Kirschau. Als weitere Projekte nannte Gregor Boden die Alte Messe in Leipzig oder die Wisag-Unternehmenszentrale in Frankfurt/Main. Auch bei der Entwicklung von Gewerbegebieten sei man aktiv.

Die Sanierung des Pulsnitzer Rathauses sieht Gregor Bogen als ein sehr ehrgeiziges Projekt. "Der Stadt gebührt mein Respekt, weil sie versucht, über verschiedene Töpfe eine etwa 90-prozentige Förderung zu erreichen", so Bogen. Und genau da sieht er eine Aufgabe seines Unternehmens. "Man muss Termine einhalten, Nachfinanzierungen sind nicht möglich, um das alles ordnungsgemäß über die Bühne zu bringen", erklärt er. Und auch die Qualität müsse stimmen.

Bauablaufplan eingefordert

Die Projektsteuerung ersetzt nicht das Planungsbüro, aber die WEP wird genau schauen, dass alles so über die Bühne geht, wie es vorgesehen ist. "Und wir haben einen enormen Zeitdruck", so Bogen. Als nächstes will sich die WEP mit dem Planungsteam auseinandersetzen, damit alles reibungslos vonstatten geht. "Das bedeutet auch, wir bekommen die Zuarbeiten von den Planern, und unsere Arbeit setzt darauf auf", erklärt der Geschäftsführer. Den Stadträten liegen zum Beispiel bis jetzt noch kein aktualisierter Bauablaufplan und kein Kostenplan vor. Das fordert Stadtrat Frank Hannawald (AfD) ein. Er erhofft sich auch, dass nach Einsparpotenzial gesucht wird. Bürgermeisterin Barbara Lüke verspricht, dass das alles Thema einer Haushaltsklausur sein werde.

Jetzt muss die Sanierung aber erst einmal starten. Die Stadträte haben mit ihrer Zustimmung für einen Auftrag an die Projektsteuerungsfirma ihren Part erfüllt. Die Zukunft muss dann zeigen, ob bei der Rathaussanierung alles rund läuft und ob das gemeinsame Ziel in puncto Zeit- und Kostenplan eingehalten werden kann. Schließlich will die Verwaltung auch irgendwann mal wieder aus ihrem jetzigen Domizil an der Goethestraße zurück an den Markplatz ziehen.

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