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Pulsnitz: Wasserwacht hilft bei Corona-Tests im Pflegeheim

Jeder Heim-Besucher muss getestet werden. Die Mitarbeiter schaffen das nicht - und bekommen jetzt Hilfe von unerwarteter Seite.

So wie hier werden die Besucher der Pflegeheime in Pulsnitz und Bischheim von Mitgliedern der Wasserwacht Elstra getestet.
So wie hier werden die Besucher der Pflegeheime in Pulsnitz und Bischheim von Mitgliedern der Wasserwacht Elstra getestet. © Symbolfoto: dpa

Pulsnitz/Elstra. Weihnachten steht vor der Tür, und viele Angehörige wollen ihre Lieben in dieser Zeit im Pflegeheim besuchen. Nach der aktuellen Corona-Verordnung ist dies auch möglich - vorausgesetzt, die Besuchenden werden negativ auf das Virus getestet. In den Pflegeheimen wurden in den zurückliegenden Wochen die Vorbereitungen für diese Schnelltests getroffen: Die Materialien sind vorhanden, Mitarbeiter geschult, um die Tests durchzuführen. Doch in vielen Heimen stößt man an Grenzen, wenn es darum geht, genügend Personal zu finden, das die Tests durchführt.

Der ASB Dresden/Königsbrück hat zum Beispiel dafür extra einen Aufruf in den sozialen Netzwerken gestartet, um Tester zu finden und verspricht ihnen eine Aufwandsentschädigung. Für die Pflegeheime und Betreuungseinrichtungen der Pflegeheim Pulsnitz Gesellschaft konnte jetzt eine schnelle und unbürokratische Lösung für das Problem gefunden werden, mit der niemand von den Betreibern gerechnet hätte.

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Zur Gesellschaft gehören die Pflegeheime in Pulsnitz und Bischheim. "Wir sind dazu verpflichtet, allen, die unsere Häuser besuchen wollen, einen entsprechenden Antigen-Schnelltest anzubieten. Das war und ist uns derzeit personell nicht möglich", beschreibt Geschäftsführer Henry Mülder die Situation. Selbst die Testungen der eigenen Mitarbeiter und der Bewohner habe die Heime vor eine Herkulesaufgabe gestellt. "Uns wurden zwar die Tests, auch für die Besucher, zur Verfügung gestellt, aber die Verantwortlichen haben leider verdrängt, dass jeder Test etwa 20 Minuten Arbeitszeit ohne Vor- und Nachbereitung verschlingt", so der Geschäftsführer.

Schulungen am Sonntagnachmittag absolviert

Dieses Dilemma kam bei Gesprächen zwischen der Pulsnitzer Einrichtungsleiterin Katrin Hermann und den beiden Pulsnitzer Ärzten Dr. Janet Roth und Dr. Michael Frenzel zur Sprache. "Es gab Diskussionen und Vorschläge, und es folgte gemeinsam eine Suche nach Möglichkeiten durch das Praxisteam und das Pflegeheim, um das Problem zu lösen und eine Teststrategie zu entwickeln", erklärt Henry Mülder.

Janet Roth ist Mitglied der Wasserwacht Elstra, und von ihr kam die Idee, die Rettungsschwimmer in die Bewältigung der Aufgabe mit einzubeziehen. Vonseiten der Pflegegesellschaft wurde der Kontakt zum Chef der Elstraer Wasserwacht Thomas Dreier hergestellt. Die Wasserwacht Elstra gehört zum Deutschen Roten Kreuz, Kreisverband Bautzen.

Dann ging alles ganz schnell. "Ich habe am Sonnabend den Anruf von Janet Roth bekommen mit der Frage, ob wir helfen können", erzählt Thomas Dreier. Noch am gleichen Tag hat er eine E-Mail an alle Mitglieder der Elstraer Wasserwacht herausgeschickt. Jeder, der bei der Testung mitmachen will, sollte sich melden. Noch am gleichen Tag hatten sich fast alle Wasserwachtler gemeldet. Gleich danach begannen die Schulungen und praktischen Anleitungen für das Testpersonal. Diese fanden in den Arztpraxen von Dr. Roth und Dr. Frenzel statt. Das war dann am Sonntagnachmittag. Und ebenfalls am Sonntag standen die ersten sechs Rettungsschwimmer für die Testungen bereit. "Alles innerhalb von 20 Stunden." Henry Mülder ist begeistert.

Paula gehört zu den Elstraer Wasserwachtlern, die bei den Tests in Pulsnitz mithelfen werden.
Paula gehört zu den Elstraer Wasserwachtlern, die bei den Tests in Pulsnitz mithelfen werden. © Wasserwacht Elstra

Parallel dazu erstellte Thomas Dreier einen Dienstplan für die Rettungsschwimmer für die Testungen. Insgesamt machen 15 Wasserwachtler mit. Zwei bis drei von ihnen werden täglich für zwei Stunden eingesetzt, um die Besucher zu testen. Der Dienstplan hat es in sich, denn nicht nur vor Weihnachten oder zwischen den Jahren werden die Helfer eingesetzt. Auch am Heiligabend, zu den Feiertagen, Silvester und am Neujahrstag testen sie Besucher. Geplant ist die Hilfe vorerst bis in den Januar hinein.

Getestet wird in den Räumen der Tagespflege in Pulsnitz, da diese derzeit geschlossen ist. "Die Bedingungen sind optimal, es gibt separate Ein- und Ausgänge, genügend Platz mit dem entsprechenden Abstand für die Wartenden und ordentliche hygienische Bedingungen", schätzt die Kinderärztin Dr. Roth ein. Sie weiß auch, dass zu den Aufgaben nicht nur der reine Test gehört, sondern dass auch jede Menge Schreibkram zu erledigen ist. "Bei einem positiven Befund dürfen die Betroffenen natürlich nicht ins Heim, sie werden in Quarantäne geschickt und außerdem das Gesundheitsamt informiert", weiß Dr. Roth.

Für Henry Mülder ist die schnelle Hilfe der Wasserwacht Elstra sein persönliches Weihnachts-Corona-Hilfe-Unterstützungs-Engagement-Märchen. So beschreibt er es selbst. Für ihn und die Mitarbeiter ist es wichtig, dass durch die Hilfe Heimbewohner die Möglichkeit erhalten, ihre Angehörigen in dieser besonderen Zeit zu sehen und zu sprechen.

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