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Pulsnitzer Klinik setzt auf Pflegekräfte aus Brasilien

Nicht erst die Corona-Pandemie hat es gezeigt: Im Pflegebereich fehlen Fachkräfte. Mit einem Pilot-Projekt steuert die Pulsnitzer Vamed-Klinik dagegen.

Von Heike Garten
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Ticiane Maurerin (vorn), Karla Lordello Bastos und Barbara Christie de Souza - hier mit Patient Lutz Säring - gehören zu den Pflegefachkräften, die jetzt an der Vamed-Klinik in Pulsnitz ihre Ausbildung beendet haben.
Ticiane Maurerin (vorn), Karla Lordello Bastos und Barbara Christie de Souza - hier mit Patient Lutz Säring - gehören zu den Pflegefachkräften, die jetzt an der Vamed-Klinik in Pulsnitz ihre Ausbildung beendet haben. © Matthias Schumann

Pulsnitz. Sie sprechen die deutsche Sprache mit Akzent, sind aber bestens zu verstehen. Lara Tereza, Ederson Vicente oder Danielle betreuten Patienten der Vamed Klinik Schloss Pulsnitz, arbeiten als Fachkräfte im normalen Stationsbetrieb und leben in der Region. Ihren Lebensmittelpunkt haben sie und weitere fünf Pfleger von Brasilien nach Deutschland verlegt, helfen somit, den aktuellen Fachkräftemangel ein wenig abzumildern. Jetzt erhielten acht Frauen und Männer ihre Zertifikate, die sie als Pflegefachkraft ausweisen.

Dass die Brasilianer jetzt in Pulsnitz arbeiten, ist kein Zufall. Die Klinik hatte im Jahr 2019 selbst die Initiative gestartet, um Fachpersonal zu finden. „Mitarbeiter unseres Hauses sind in die brasilianische Stadt Sao Paulo gereist, um dort mit interessierten Pflegern Bewerbungsgespräche zu führen“, blickt der Chef der Pulsnitzer Klinik Carsten Tietze zurück. Man habe motiviertes Fachpersonal vorgefunden, das bereit war, nach Deutschland zu kommen. Fakt ist, dass die Ausbildung zum Pfleger in Brasilien einem Studium gleicht, das heißt, Fachwissen ist auf jeden Fall vorhanden.

Trotzdem galt es für die acht ausgewählten Pfleger, einige Hürden zu nehmen. Zuerst mussten sie die deutsche Sprache lernen. Die Sprachausbildung absolvierten sie über mehrere Monate am Goethe-Institut in Sao Paulo. Einige der Teilnehmer sind dafür extra für diese Zeit in diese Stadt gezogen. Der Kontakt zur Vamed-Klinik, dem künftigen Arbeitgeber, ist auch in dieser Zeit nicht abgerissen. Über Skype-Konferenzen wurden aktuelle Probleme, Hinweise oder noch zu erledigende Aufgaben abgestimmt.

Mehrere brasilianische Pflegefachkräfte erhielten diese Woche in der Vamed-Klinik Pulsnitz ihre Ausbildungszertifikate.
Mehrere brasilianische Pflegefachkräfte erhielten diese Woche in der Vamed-Klinik Pulsnitz ihre Ausbildungszertifikate. © Matthias Schumann

Für die Betreuung der ausländischen Arbeitskräfte gibt es an der Vamed-Klinik eine Integrationsbeauftragte. Paula Jacob ist die erste Ansprechpartnerin für die Brasilianer. Sie kümmert sich um viele Belange. Dazu gehören die Wohnungssuche in Pulsnitz, die Herstellung von Kontakten zu Vereinen, alltägliche Dinge, die in Deutschland einfach anders sind, als in einem südamerikanischen Land. „Mir ging es vor allem darum, den Brasilianern die Ängste zu nehmen vor einem fremden Land“, sagt sie.

Paula Jacob eröffnete zuerst eine WhatsApp-Gruppe, um schnell und unkompliziert über alles reden zu können. „Als die Brasilianer dann in Deutschland waren, habe ich sie an meinem privaten Leben teilnehmen lassen“, erzählt sie. Das reichte vom Alltag zu Hause über die Mülltrennung, die richtige Kleidung, das Pfandsystem bis zum sparsamen Umgang mit Wasser. Paula Jakob ist mit den neuen Pflegekräften mit dem Zug nach Dresden gefahren, hat ihnen Pulsnitz und Berlin gezeigt, hat sozusagen mit ihnen gelebt. “Die Brasilianer sind nicht nur Kollegen für mich, sondern wir sind Freunde geworden“, schätzt sie heute ein.

Kein leichter Weg für die Brasilianer

Ederson Vincente Rodrigues ist einer der Brasilianer, die jetzt in Pulsnitz arbeiten. Er ist froh, jetzt hier zu sein, auch wenn der Weg dahin für ihn nicht einfach war. „Hier wird ein komplizierter Dialekt gesprochen, es war keine leichte Aufgabe. Heute bin ich dankbar, Teil das Klinik-Teams zu sein“, sagt er. Er hat hier Freunde gefunden und fühlt sich inzwischen richtig wohl.

Auch wenn alle Brasilianer in ihrem Heimatland einen Abschluss gemacht haben, mussten sie auch eine in Deutschland anerkannte Ausbildung nachweisen. Das erfolgte in der Vamed-Klinik. Alle Mitarbeiter des Hauses haben sich dabei engagiert. „Bei uns Deutschen ist die Emotionalität oft ein wenig versteckt, bei den brasilianischen Pflegekräften war das ganz anders. Sie haben uns damit begeistert, aber auch mit ihrer fachlichen Kompetenz“, erzählt Pflegedirektor Gunar Scheibe. Er ist stolz darauf, dass alle ihre Ausbildung hier in Pulsnitz erfolgreich beendet haben und jetzt ganz normal auf den Stationen arbeiten können.

Angehörige sollen nach Deutschland ziehen

Der nächste Schritt für alle Beteiligten des Projektes ist ein rein privater. „Die nächsten Angehörigen - Ehepartner und Kinder - unserer brasilianischen Mitarbeiter leben noch in ihrem Heimatort. Die Trennung ist für viele belastend“, weiß Paula Jacob. Jetzt will man sich um einen Nachzug nach Deutschland bemühen, eventuell Arbeitsplätze für die Angehörigen finden, den Kita- oder Schulbesuch ermöglichen.

Mit dem erfolgreichen Ausbildungsabschluss der ausländischen Pflegekräfte ist das Projekt für die Pulsnitzer Klinik aber nicht beendet. Im Oktober sind weitere Brasilianer angereist, haben jetzt ihre Ausbildung begonnen, noch diesen Monat gibt es ein weiteres Auswahlverfahren. Wie wichtig das ist, weiß der Klinikchef. „Wir müssen das Projekt weiter forcieren und um jeden einzelnen Mitarbeiter ringen“, sagt Carsten Tietze. Es brauche innovative Ideen, um die aktuellen Probleme zu lösen. Und das nicht nur in der Corona-Krise, sondern in der Pflege insgesamt.