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Für diesen Radweg kämpft sogar der Pastor

Seit Jahren kommt der Lückenschluss auf einer Radtrasse bei Kamenz nicht voran. Das veranlasste einen Anlieger jetzt zu einer ungewöhnlichen Aktion.

Zwischen Kamenz und Gersdorf klafft noch immer eine Lücke im Radweg. Pastor Wilfried Krause mahnt mit einem Transparent, dass endlich etwas passiert.
Zwischen Kamenz und Gersdorf klafft noch immer eine Lücke im Radweg. Pastor Wilfried Krause mahnt mit einem Transparent, dass endlich etwas passiert. © René Plaul

Kamenz. Es wird kaum einen Autofahrer geben, dem das Transparent in Kamenz am Ortsausgang Richtung Gelenau entgangen ist. Dort, an der Staatsstraße 95, hat die evangelische Freikirche der Adventgemeinde ihr Haus. Und so sind dort in der Regel christliche Botschaften zu lesen. Derzeit nicht.

Mit „Komm, Radweg, komm“ ist es diesmal ein weltliches Statement, eines der Ungeduld - in großen Lettern, Schwarz auf Weiß. Es ist an das Landesamt für Straßenbau und Verkehr in Dresden gerichtet. Das ist für den Bau des Radweges an der S 95 zwischen Pulsnitz und Kamenz verantwortlich.

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An dem planen  unterschiedliche Behörden schon seit Mitte der 1990er-Jahre. Aber es fehlt immer noch gut die Hälfte der Strecke für den Lückenschluss zwischen Gersdorf, Gelenau und Kamenz. Trauriges Mahnmal des Unvermögens, die Trasse fertigzubauen, ist eine Bahnschranke im nicht vorhandenen Radweg. Die hebt und senkt sich zuverlässig, ohne das jemals ein Rad die Gleise querte. Die Bahn ging mit dem Bau des Überganges vor etlichen Jahren in Vorleistung.

Autofahrer überholen riskant

„Wir haben uns spontan in der Gemeinde  für den Spruch entschieden “, berichtet Wilfried Krause, Pastor im Ruhestand. Das habe viele Gründe. Natürlich, weil es nicht vorwärtsgeht. Durch das direkt an der Straße gelegene Gemeindehaus habe er das Geschehen stets im Blick. Außerdem sei er selbst passionierter Radler und fahre die sieben Kilometer zwischen  Prietitz und den Gemeindehaus in Kamenz oft mit dem Rad.

Im zurückliegenden Sommer sei ihm aufgefallen, dass viel mehr Radler unterwegs waren. Vor allem auch Familien mit Kindern und Touristen. Für deren Sicherheit müsse doch etwas getan werden, sagt Krause. Die Autos kämen zum Beispiel von oben über die Kuppe in die Stadt gedonnert, überholten bei Gegenverkehr meist scharf an den Radlern vorbei. Bergauf würden die Kraftfahrer nervös, wenn es sehr langsam geht und überholten dann riskant. Es sei immer wieder ein mulmiges Gefühl auf dem letzten Stück zum Gemeindehaus.

Transparent soll nicht provozieren

„Solche Autofahrer nehmen uns Radler nicht als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer wahr“, kritisiert der Pastor. Kinder seien hier unterwegs und Rentner, die nicht ganz so sicher auf dem Rad sind und damit besonders gefährdet. Er habe etliche Gemeindemitglieder, die gern mit dem Fahrrad zur Kapelle kommen würden, aber sich nicht trauen, wegen des gefährlichen Straßenverkehrs. Er selbst sei viel mit dem Rad unterwegs, berichtet der 73-Jährige, erst jüngst mehrere Hundert Kilometer auf dem Neißeradweg. 

Ebenso sei in der sorbischen Region das Netz gut ausgebaut: „Da fährt man entspannt und sicher, an der S 95 eben nicht. Ich bin immer froh, wenn ich wieder runter bin“, sagt Wilfried Krause. Diese Hängepartie sei unverständlich, vielleicht sei es für "die in Dresden" nicht so wichtig. „Aber der Radweg muss doch endlich fertig werden.“

Aus dieser Sehnsucht heraus sei das Transparent entstanden. Andere seien vielleicht schon verzweifelt. Er sehe das Transparent auch gar nicht provokativ oder sarkastisch, angesichts der langen Planungszeit, so Krause. Es solle vielmehr Mitstreiter mobilisieren, damit der Radweg im Gespräch bleibt. Der eigentlich schon lange fertig sein sollte, 2013 war mal im Gespräch. 

Keine Aussicht auf einen Baustart

Erst jüngst kritisierte Ehrenfried Techritz, viele Jahre in der Lokalpolitik tätig, dass sinnvolle Vorschläge in den Wind geschlagen und Planungsgelder letztlich verschwendet worden seien. Er bezweifelte zugleich, dass Anlieger das Vorhaben blockiert hätten, wie immer wieder erklärt wurde. Vielmehr sei das der Dresdner Amtsschimmel, der nun weiter wiehern könne. Techritz verweist auf den Vorschlag, erst einmal das Teilstück von Gersdorf nach Gelenau schnellstens fertigzustellen und das Problemstück quasi nach hinten zu schieben. Nun werde aber alles noch viel schlimmer.

Denn die jüngsten Erklärungen des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr machen nicht viel Hoffnung, dass in nächster Zeit Bagger anrücken. Innerhalb der Planung für den Lückenschluss habe sich herausgestellt, dass der Zustand des Abschnitts so schlecht ist, hieß es jüngst aus Dresden, dass nun die gesamte Straße neu gebaut werden soll, breiter und inklusive Radweg.

Immerhin seien die Vorentwürfe für die restlichen Kilometer fertig, aber der Genehmigungsmarathon wie bei solchen Vorhaben üblich längst nicht beendet. Ein Baustart könne in der Planungsphase nicht belastbar genannt werden, teilte das Amt zuletzt mit. Ehrenfried Techritz: „Der Wahnsinn geht weiter.“

So ist auch das Transparent an der Staatsstraße als Reaktion auf diese Entwicklung und Signal nach Dresden zu sehen, dass die Trasse gebraucht wird und mit Hochdruck daran gearbeitet werden sollte. Das hoffen der  Pastor und viele Radfreunde.  

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