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Kamenz: Ärger um defekte Züge

Fahrgäste kritisieren den Zustand der Regionalbahnen. Bahnunternehmen und Verkehrsverbund schieben sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu.

Nach der Pleite der Städtebahn im Vorjahr fährt jetzt die Mitteldeutsche Regiobahn auf den Strecken Dresden-Kamenz und Dresden-Königsbrück. Doch am Zustand der Züge gibt es Kritik.
Nach der Pleite der Städtebahn im Vorjahr fährt jetzt die Mitteldeutsche Regiobahn auf den Strecken Dresden-Kamenz und Dresden-Königsbrück. Doch am Zustand der Züge gibt es Kritik. © René Plaul

Kamenz. Der öffentliche Nahverkehr steht immer wieder im Fokus der Kritik. Von der hat Mike Unteutsch aus Großröhrsdorf einige auf Lager: „Ein Jahr nach der Städtebahn-Pleite sind wieder Zustände, die nicht akzeptiert werden dürfen“, schreibt der Bahnkunde. Inzwischen ist ja die Mitteldeutsche Regiobahn (MRB) auf den Gleisen unterwegs, aber auch nicht mehr lange. Ende 2021 läuft der Vertrag aus.

Mike Unteutsch schreibt nun: „Defekte Züge täglich (Klimaanlagen, Türen).“ Auf der RB 33 (Dresden-Königsbrück) sei am 23. August nahezu komplett Schienenersatzverkehr unterwegs gewesen. Auf der RB 71 (Sebnitz-Neustadt) gebe es ebenfalls schon lange Ersatzverkehr. „Den täglichen Pendlern reicht es“ , so Unteutsch. Beim Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) tue sich nichts. 

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Große Probleme mit den Bremsscheiben

Der versichert, mit dem Kunden wie auch weiteren Fahrgästen der Mitteldeutschen Regiobahn im Gespräch zu sein. „Wir können den Ärger der Kunden nachvollziehen – der Transdev-Konzern, der hier unter dem Namen MRB auftritt, zeigt im VVO-Dieselnetz eine Leistung, die wir von dem Unternehmen so nicht gewohnt sind“, erklärt Sprecher Christian Schlemper, „Wir erwarten trotz der schwierigen Rahmenbedingungen der Notvergabe eine vernünftige und auch für die Fahrgäste planbare Erbringung der Verkehrsleistungen“, stellt er klar. Der VVO stehe im engen Austausch mit dem Unternehmen.

Das klagt über massive Probleme mit den Bremsscheiben. Die hätten insbesondere auf der Sebnitzer Strecke versagt, aber nicht nur dort. Von „Ausbröselungen“ am Material  ist die Rede, die Ursache sei noch unbekannt. Es sei extremer Abrieb zu verzeichnen, erklärt ein MRB-Sprecher. Zig Radsätze hätten in den vergangenen Wochen repariert  werden müssen, doch Werkstatt-Termine seien nicht ad hoc zu bekommen. Auf der Sebnitzer Strecke rolle der Zugverkehr aber inzwischen auch wieder.

Havarien an Türen und der Klimaanlage kämen immer mal wieder vor, räumt der MRB-Sprecher ein. Für Temperaturen bis zu 40°C, wie sie doch immer öfter vorkämen, seien die Anlagen gar nicht ausgelegt. Defekte Türen würden erst einmal stillgelegt und am Abend überprüft. Die Klimaanlagen seien nicht sicherheitsrelevant, da könne es schon ein paar Tage bis zur Reparatur dauern. Es handele sich eben um alte Technik. 

Ab 2022 fährt wieder die Deutsche Bahn

Warum aber nutzt die MRB keine bessere? Das Unternehmen fahre auf  der Grundlage  der Notausschreibung nach der Städtebahn-Pleite im Vorjahr, erklärt die MRB. Sie habe keine eigenen Züge, sondern diese „vom Aufgabenträger übernommen“, erklärt ein Sprecher. Und damit auch die Anfälligkeit der Technik. 

Der VVO als Aufgabenträger gibt den Ball zurück und kontert. Er selbst habe keine eigenen Züge. Und der Transdev-Konzern hätte die Städtebahntechnik nicht übernehmen müssen, sondern auch andere Züge leasen können. Der Sprecher räumt aber selbst ein, dass es in der Situation wohl nicht viel Auswahl gab. Er spricht von den schwierigen Bedingungen der Notvergabe. Die MRB verfüge zudem über keine eigene Werkstatt.

Und letztlich hat Transdev mit der MRB auf den Strecken auch keine große Perspektive. Denn in einem reichlichen Jahr, Anfang 2022, kehrt die Deutsche Bahn AG wieder auf die früheren Städtebahn-Trassen, also auch Dresden-Kamenz und Dresden-Königsbrück, zurück. Die Deutsche Bahn hatte im Sommer die turnusmäßige Ausschreibung der Strecken gewonnen.

Der Leidtragende der Situation ist letztlich der Fahrgast. Den Kunden bleibt wohl nur die Hoffnung, dass das Material noch bis Ende 2021 durchhält. 

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