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Schätzung: Wiederaufbau der Kirche Großröhrsdorf kostet 35 Millionen Euro

Vor knapp einem Jahr wurde die Kirche aus der Barockzeit durch Brandstiftung zerstört. Jetzt sammelt die Kirchgemeinde Spenden und Ideen für den Neubau.

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Bergung von zwei Kirchenglocken aus der ausgebrannten Barockkirche Großröhrsdorf im Herbst 2023.
Bergung von zwei Kirchenglocken aus der ausgebrannten Barockkirche Großröhrsdorf im Herbst 2023. © Matthias Schumann

Großröhrsdorf. Ungefähr 35 Millionen Euro wird der Wiederaufbau der Stadtkirche in Großröhrsdorf kosten. Diese Zahl nannte jetzt Pfarrer Stefan Schwarzenberg. Die Kirche aus dem Spätbarock war vor knapp einem Jahr durch Brandstiftung zerstört worden.

Bei dem Feuer in der Nacht vom 4. August 2023 stürzte ein Drittel des Kirchturms aus dem 18. Jahrhundert ein, die Flammen vernichteten die Ausstattung des Innenraums, vom Kirchenschiff blieben nur die Außenmauern übrig. Viele historische Kunstschätze sowie Teile der Architektur sind verloren sowie alle hölzernen, jahrhundertealten Kunstwerke.

Ende Februar hatte das Landgericht Görlitz einen 41-Jährigen wegen schwerer Brandstiftung zu neun Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Der Familienvater ging dagegen in Revision. Er war eine Woche nach dem Feuer gefasst worden. Die Strafkammer war überzeugt, dass er das Feuer in der Stadtkirche gelegt hat, aus Frust über seine familiäre Situation.

Pfarrer Stefan Schwarzenberg vor der zerstörten Kirche von Großröhrsdorf.
Pfarrer Stefan Schwarzenberg vor der zerstörten Kirche von Großröhrsdorf. © Foto: SZ/Veit Hengst

In Großröhrsdorf weicht der Schmerz über den Verlust unterdessen den Gedanken über den Wiederaufbau. Noch bis zum 1. August sammelt die Kirchgemeinde in einer Online-Umfrage Ideen zur Zukunft des Gotteshauses. "Ich bin zuversichtlich, dass wir im Laufe des Jahres zu einem Konzept für den Wiederaufbau kommen", sagt Pfarrer Schwarzenberg. Es werde ein Gemeinschaftswerk - von Kirchgemeinde, Stadt und vielen Unterstützern.

Inzwischen sind Trümmer und Schutt komplett aus der Brandruine und dem Turmstumpf geborgen, Turm und Kirchenschiff wurden mit Notdächern gesichert. Insgesamt wurden bis Februar mehr als 1.000 Tonnen Schutt und Asche aus der Ruine geschafft - das Material aus dem Altarbereich allerdings in Eimern herausgetragen. Eine Arbeitsgruppe suchte darin "akribisch" nach Überresten und Fragmenten von Kulturgut - vergeblich bis auf kleine Überbleibsel der versilberten oder vergoldeten Sakralgegenstände.

Klare Botschaft: Die abgebrannt Kirche Großröhrsdorf soll wieder aufgebaut werden.
Klare Botschaft: Die abgebrannt Kirche Großröhrsdorf soll wieder aufgebaut werden. © Matthias Schumann

Aktuell werden die letzten Sandsteinplatten des Fußbodens aus dem 18. Jahrhundert "behutsam entnommen und zwischengelagert", für eine spätere Rückkehr an ihren Platz, sagte Schwarzenberg. Sie sind nummeriert und in ihrer Lage dokumentiert. Bis Ende Juni werde noch die Standfestigkeit des verbliebenen Mauerwerks der Außenwände und des Turms geprüft. Das alte Geläut allerdings erklingt nie mehr: Die vier schwer gezeichneten und im Feuer gesprungenen Glocken stehen als stumme Zeugen der Katastrophe auf der Wiese vor dem Eingang zum Gotteshaus.

Noch im August 2023 hatte der Kirchenvorstand angekündigt, an selber Stelle ein neues Gotteshaus zu errichten, wenn möglich unter Einbeziehung der historischen Reste. Die Gemeinde sammelt für die Modernisierungen, die die Versicherung nicht abdeckt, seit der Brandnacht Spenden - mit Stand Ende Mai kamen 504.500 Euro zusammen. Interesse, Zuspruch und Unterstützung für das Projekt seien ungebrochen, auch ideell, wie Schwarzenberg berichtete.

So gab ein Mann unlängst 800 Euro im Pfarramt ab, die Gäste einer privaten Feier spendeten. Frauen aus Kamenz häkelten bunte Blumen und bildeten daraus je 1,80 Meter hohe Buchstaben für das Wort Hoffnung auf einem Banner, das nun am Absperrzaun um die Kirchruine prangt, und im April wurde beim zweiten privat organisierten Kindersachen-Spenden-Flohmarkt für den Wiederaufbau geshoppt. "Der macht auch junge Familien aufmerksam, dass wieder eine schöne Stadtkirche entsteht", benannte Schwarzenberg den willkommenen Nebeneffekt. (SZ/dpa)