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Elstra: Aufregung um Pläne für die Feuerwehr

In der Stadt wird darüber diskutiert, den Standort Kriepitz einzusparen. Seine Streichung hätte Auswirkungen auf die Einsatzbereitschaft - und das Leben im Ort.

Tim Fanselow (l.) und Leon Schmidt haben das Strahlrohr fest im Griff. Sie wollen auch in Zukunft gern bei der Feuerwehr Kriepitz mitmachen. Doch deren Zukunft steht zur Debatte.
Tim Fanselow (l.) und Leon Schmidt haben das Strahlrohr fest im Griff. Sie wollen auch in Zukunft gern bei der Feuerwehr Kriepitz mitmachen. Doch deren Zukunft steht zur Debatte. © René Plaul

Elstra. Die Kameraden der Ortsfeuerwehr von Kriepitz machen sich große Sorgen. Derzeit wird in der Stadt Elstra, zu der Kriepitz gehört, über den Brandschutzbedarfsplan diskutiert. Und darin taucht auf, dass man die Kriepitzer Wehr, als sehr kleine, streichen könne. „Da gibt es im Ort und vor allem unter uns Kameraden derzeit heftige Diskussionen und Ängste“, erklärt Stephan Schnitz, der Wehrleiter von Kriepitz.

Hintergrund der aktuellen Diskussionen ist eine Studie, die für die Erarbeitung des neuen Brandschutzbedarfsplanes durch die Stadt Elstra in Auftrag gegeben wurde. Die Emragis Sicherheitsingenieure GmbH aus Dresden sollte herausfinden, wie der aktuelle Stand der Feuerwehr ist und was die Stadt benötigt, um im Bedarfsfall einsatzbereit zu sein. Diese Untersuchung bezieht sich unter anderem auf das Personal, die technische und räumliche Ausstattung sowie die Einhaltung der vorgeschriebenen Zeiten, um den Einsatzort zu erreichen. Anhand des Ist-Zustandes entwickelte die Gesellschaft dann einen Bedarfsplan.

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Laut Planung würden drei Standorte reichen

Diesen stellte Christoph Gurath von der Gesellschaft zur jüngsten Stadtratssitzung vor. Und der Plan besagt, dass für Elstra drei Feuerstandorte reichen. Neben Kriepitz gibt es noch die Standorte in Elstra, Rauschwitz und Prietitz. In der Studie wurde auch bewertet, wie viele Kameraden bei Einsätzen tatsächlich zur Verfügung stehen.

Die Praxis zeigt, dass gerade bei Bränden oder Unfällen tagsüber viele der Freiwilligen auswärts arbeiten und gar nicht ausrücken können. Immerhin sollte eine Feuerwehr mit der nötigen Besatzung innerhalb von neun Minuten am Einsatzort sein. „In Elstra ist das bei 88 Prozent aller Fälle so. Ein gutes Ergebnis“, sagt Christoph Gurath. Würde man einen Standort schließen, wären immer noch über 80 Prozent möglich.

Einsparungen in Millionen-Höhe

An dieser Stelle kommt ein wichtiger Grund für die Beauftragung des Konzeptes durch die Stadt ins Spiel. Elstra muss - wie viele Kommunen in der Region - sparen. „Das darf aber auf keinen Fall auf Kosten der Sicherheit geschehen“, erklärt Elstras Bürgermeister Frank Wachholz (Runder Tisch). "Feuerwehr ist eine Pflichtaufgabe, die wir zu erfüllen haben.“ Und so sei es keineswegs das Ziel der Studie, explizit nach Einspareffekten zu suchen, sondern den Ist-Zustand sowie Möglichkeiten für die Zukunft darzustellen.

Und genau das hat die Ingenieurgesellschaft gemacht und dazu den notwendigen Investitionsbedarf für Fahrzeuge, an Gebäuden oder technischen Ausrüstungen ermittelt. Das Ergebnis: Würde Elstra alle vier Standorte erhalten, wäre eine Investition von knapp 3,7 Millionen Euro notwendig. Bei drei Standorten könnten 1,4 Millionen Euro weniger eingeplant werden. Das alles ist gerechnet auf sieben Jahre.

Erst in diesem Jahr haben die Kameraden aus Kriepitz mitgeholfen, den Löschteich im Ortszentrum in Ordnung zu bringen. Dann wurde gleichmal die Wasserentnahme geprobt.
Erst in diesem Jahr haben die Kameraden aus Kriepitz mitgeholfen, den Löschteich im Ortszentrum in Ordnung zu bringen. Dann wurde gleichmal die Wasserentnahme geprobt. © René Plaul

Die Entscheidung, Kriepitz dichtmachen oder nicht, muss letztlich der Stadtrat fällen. Genau an diesem Punkt entbrannte eine intensive Diskussion, die sich vor allem um einen Aspekt drehte: Jede freiwillige Feuerwehr hat auch eine soziokulturelle Bedeutung im Ort. Das ist nicht nur in Elstra so, sondern überall. Die Kameraden unterstützen den Ort bei Veranstaltungen, organisieren selbst welche, sind Treffpunkt für Kinder und Jugendliche und bei fast allen Aktivitäten dabei.

Frank-Herrmann Göpfert (CDU) sagt zum Beispiel, dass die kulturelle Seite ein wesentlicher Punkt sei. „Wir können nicht immer nur die Zahlen sehen“, ist seine Meinung. Dem schließt sich auch Matthias Schniebel (FDP) an. „Vielleicht gibt es einen finanziellen Mittelweg, um alle Standorte zu erhalten“, sagt er. Zu diesem Thema wurde auch der Kreisbrandmeister von den Planer gefragt. Er plädiert übrigens für drei Standorte. Auch das Angebot der Stadt, das jetzige Feuerwehrgebäude in Kriepitz künftig durch einen neu zu gründenden Feuerwehrverein als Ortsteilzentrum zu nutzen, steht nach wie vor im Raum.

Die Kameraden der Ortswehr Kriepitz. Sie wollen, dass ihr Standort erhalten bleibt.
Die Kameraden der Ortswehr Kriepitz. Sie wollen, dass ihr Standort erhalten bleibt. © René Plaul

Fakt ist: Sollte Kriepitz wegfallen, könnten die dortigen Kameraden zu einer der anderen Ortswehren wechseln. „Das wollen die wenigstens“, so Stephan Schnietz. Dann würden einige wohl ganz aus der Feuerwehr austreten. Derzeit gibt es in Kriepitz zehn aktive Mitglieder, zwei weitere wollen künftig mitmachen. Pro Jahr kommen die Kameraden auf sieben bis zehn Einsätze. „Wir hoffen, dass die Entscheidung für den Erhalt der Kriepitzer Wehr fällt“, fasst der stellvertretende Wehrleiter Marko Liebsch die Gedanken der Kameraden zusammen.

Bis zur nächsten Zusammenkunft sind die Stadträte aufgefordert, sich eine Meinung zu bilden. „Letztlich ist es eine politische Entscheidung – für oder gegen den Feuerwehrstandort Kriepitz“, so der Bürgermeister. Zur nächsten Stadtratssitzung am 19. Juli soll das Thema dann noch einmal auf der Tagesordnung stehen.

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