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Vierbeiniger Besuch für Heimbewohner

Regelmäßig sind zwei Frauen mit ihren Hunden im ASB Pflegeheim in Königsbrück zu Gast. Die Bewohner profitieren davon in vielerlei Hinsicht.

Aller 14 Tage bekommen die Bewohner des ASB-Pflegeheimes in Königsbrück Besuch von zwei Hunden. Dabei gibt es oft berührende Momente wie diesen.
Aller 14 Tage bekommen die Bewohner des ASB-Pflegeheimes in Königsbrück Besuch von zwei Hunden. Dabei gibt es oft berührende Momente wie diesen. © Matthias Schumann

Königsbrück. Auf diesen Besuch freuen sich die Senioren des ASB-Pflegeheimes in Königsbrück ganz besonders: Sie bekommen vierbeinige Gäste. Constanze Bardehle und ihre Tochter Katharina bringen die beiden Hunde Jule und Anton mit in die Einrichtung. Es ist eine Art Therapie für die älteren Menschen – und gleichzeitig Abwechslung vom Alltag.

14 Bewohner sitzen im Kreis in einem großen Aufenthaltsraum. Sie warten geduldig, dann kommen Jule und Anton hereingelaufen. Keine Spur von Aufregung. Da schnuppert Anton mal an einem Bein eines Bewohners, Jule dagegen legt sich ganz gemütlich an die Seite und wartet ab. Dafür fangen die Augen der Senioren an zu glänzen und Gespräche entwickeln sich. Manch einer erzählt vom eigenen Hund, den er mal besessen hat. Ein anderer streckt die Hand aus, um das Tier zu streicheln.

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Spezielle Ausbildung für Mensch und Hund

„Die Begegnung mit den Hunden weckt Erinnerungen an die Vergangenheit, auch bei Demenzkranken“, weiß Constanze Bardehle. Sie ist ausgebildete Hundeführerin, hatte früher einmal bei der Rettungshundestaffel des Arbeiter-Samariter-Bundes mitgemacht. „Vor drei Jahren habe ich mich dann entschlossen, zum Besuchshundedienst zu wechseln“, erzählt sie. Dafür gibt es eine spezielle Ausbildung – für die Menschen wie auch für die Hunde.

„Man kann nicht jedes Tier dafür nehmen“, so Constanze Bardehle. Auch bei Hunden spreche man von einer sozialen Eignung. „Das Tier muss es mögen, von fremden Leuten gestreichelt oder auch mal hochgenommen zu werden“, sagt die Hundeführerin.

Aller 14 Tage kommen Constanze Bardehle und ihre Tochter mit den Hunden ins Königsbrücker Pflegeheim. Etwa eine Stunde beschäftigen sie sich dann mit einem Teil der Bewohner. Es werden Spiele gemacht, bei denen die Hunde in der Mitte des Kreises nach Leckerlis suchen, unter einem großen Tuch hindurchlaufen, das die Senioren spannen, oder einen Plüschhasen jagen. Bei einem Gang in der Runde kann jeder Bewohner, der es möchte, ein Tier streicheln.

Der Effekt dabei: „Die Senioren können nicht nur die Tiere beobachten, sondern sie werden gleichzeitig mobilisiert“, erklärt Martina Kaiser, die Leiterin der Betreuung im Heim. Mobilisiert bedeutet Bewegung, so gut es noch möglich ist.

Schnauze auf der Bettkante schafft schöne Atmosphäre

Nach der Betreuungsstunde in größerer Runde besuchen die beiden Frauen mit ihren Hunden auch Bewohner, die sich nur noch im eigenen Zimmer aufhalten. Die Hunde gehen ohne Zögern ins Zimmer, manchmal legen sie die Schnauze auf die Bettkante, um so einen Kontakt mit dem älteren Menschen herzustellen. „Das schafft positive Gefühle“, weiß Constanze Bardehle. Und die Tiere verhalten sich ganz ruhig dabei, nie kommt Hektik auf.

Den ASB-Besuchshundedienst gibt es nicht nur für Seniorenheime. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig: in Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, bei psychisch erkrankten Menschen, in Hospizen und auf Palliativstationen, in Wohngruppen für Kinder, in Kitas, in Schulen, ja sogar in Justizvollzugsanstalten. „Die Tiere geben ein Gefühl von Geborgenheit und Selbstsicherheit“, weiß die Hundeführerin.

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Inzwischen ist der dreijährige Anton, ein Jack Russell, auf den Schoß einer Rentnerin gesprungen. Erst schaut sie etwas erstaunt, dann drückt sie das Tier ganz fest an sich und schließt die Augen. Anton hält still und lässt es sich gefallen. Für beide – Mensch wie Hund – ist es ein kleiner Glücksmoment.

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