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Managerin in Sachsens größtem Naturschutzgebiet

Einst rollten Panzer durch die Königsbrücker Heide, jetzt können Besucher eine einzigartige Natur erleben - auch ein Verdienst von Cornelia Schlegel.

Das Herz von Cornelia Schlegel schlägt für das Naturschutzgebiet Königsbrücker Heide. Im April geht die Projektmanagerin in den Ruhestand.
Das Herz von Cornelia Schlegel schlägt für das Naturschutzgebiet Königsbrücker Heide. Im April geht die Projektmanagerin in den Ruhestand. © René Plaul

Königsbrück. Als Kind konnte Cornelia Schlegel vom Scheibischen Berg aus auf den Truppenübungsplatz in Königsbrück schauen. Damals - das war vor 55 Jahren - dachte sie: "Da kommst du nie hin." Der Truppenübungsplatz war Sperrgebiet. Russische Streitkräfte hatte das rund 7.000 Hektar große Areal zu DDR-Zeiten als Manövergelände und Schießplatz in Anspruch genommen. Nach dem Abzug der Truppen wurde alles anders. Aus dem Truppenübungsplatz wurde Sachsens größtes Naturschutzgebiet. Eine, die wesentlich zur Entwicklung beigetragen hat, ist die Königsbrückerin Cornelia Schlegel. Ihr Satz aus der Kindheit hat sich nicht bewahrheitet.

Die heute 65-jährige Frau hat ihr ganzes Leben dem Naturschutz und vor allem der Königsbrücker Heide verschrieben. Anfang April geht sie in den Ruhestand und weiß, dass in dem Riesengebiet viel passiert ist, aber auch, dass immer noch Aufgaben warten. Sie wirkt ein klein wenig stolz beim Erzählen über das, was alles geschafft wurde. Manchmal kommen auch Wut oder Enttäuschung hoch, weil ihr Hürden in den Weg gelegt wurden oder Wünsche nicht umgesetzt werden konnten. Doch der Stolz überwiegt.

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Durch die Heirat zurück nach Königsbrück

Cornelia Schlegel ist studierte Geografin, arbeitete anfangs am Geografischen Institut der Akademie der Wissenschaften in Leipzig. Durch die Heirat kehrte sie in ihre Heimat zurück, wo sie bis 1998 im Museum der Westlausitz in Kamenz arbeitete. Das alles fiel in die Zeit der Wende, und damit in die Zeit des Abzuges der russischen Truppen aus Königsbrück. Bis 1992 hatten alle Armeeangehörigen den Standort in Königsbrück verlassen.

Noch im Museum in Kamenz beschäftigte sich Cornelia Schlegel auch mit dem ehemaligen Truppenübungsplatz. "Schon gleich nach der Wende stellte sich die Frage, was aus dem Gebiet wird", blickt die Naturschützerin zurück. Als sie sich selbst das erste Mal im ehemaligen Sperrgebiet aufhält, ist sie fasziniert und denkt: "So eine Landschaft hast du noch nie gesehen. Man glaubt nicht, dass man in Deutschland ist." Das war Anfang der 1990er-Jahre. Sie ist damals mit ihrem Vater Heinz Kubasch mit dem Jeep reingefahren. Sandflächen wechselten sich mit Heide- und Moorgebieten ab. Es gab eine riesige Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten.

Anfangs lag überall Munition

Für Cornelia Schlegel war von Anfang an klar, dass diese Natur erhaltenswert ist und dass sie den Menschen zugänglich gemacht werden muss. 1996 wurde der ehemalige Truppenübungsplatz vom Freistaat Sachsen offiziell zum Naturschutzgebiet erklärt. Anfang 1998 wurde Cornelia Schlegel Projektmanagerin für die naturschutzfachliche Betreuung.

Damit begann die eigentliche Arbeit, zum Beispiel die Erstellung des Pflege- und Entwicklungsplanes. "Wichtig war es - bei den vielen vorhandenen Wegen - ein Wegenetz zu finden, das unterschiedlichsten Ansprüchen gerecht werden kann", erklärt Cornelia Schlegel. Schließlich konnte nicht jeder einfach so durch das Gebiet laufen, weil ja noch überall Munition lag. Diese zu finden und zu beseitigen, war eine langwierige Aufgabe. 1997 wurden erste touristische Touren in einem Robur-Bus durch das Naturschutzgebiet angeboten. Später kamen Radrundwege dazu, und Besucherpfade wurde entwickelt.

Einer dieser Pfade ist der sogenannte Biberpfad. Biber waren und sind schon lange in dem Gebiet ansässig, sie bauen ihre Burgen, und Besucher können deutlich an den abgenagten Baumstämmen sehen, wie sie ihre Arbeit verrichten. Dieser Pfad ist einer der Verdienste von Cornelia Schlegel und ihren Mitstreitern. Ein Zweiter ist der 34 Meter hohe Aussichtsturm, von dem aus man das gesamte Gebiet überschauen kann. "Der Turm war meine Idee, damit Besucher mal einen Eindruck von der Größe bekommen", sagt sie.

Selbstversorgung mit dem eigenen Garten

Seit 2007 gehört die Fläche des Naturschutzgebietes Königsbrücker Heide dem Freistaat. Es wurde in Königsbrück eine Verwaltung aufgebaut, die sich um die Königsbrücker und die Gohrischer Heide kümmert. Cornelia Schlegel arbeitete von Anfang an dort mit und war an vielen Aufgaben intensiv beteiligt: zum Beispiel an einer Dokumentation der Tier- und Pflanzenwelt, am Aufbau touristischer Konzepte. Auch die Idee für den Turm wurde in dieser Zeit umgesetzt.

Ein Thema rückte vor allem in den letzten Jahren in den Fokus der Öffentlichkeit: der Wolf. 2011 kam das erste Wolfsrudel in die Königsbrücker Heide, auch gab es einen ersten Wurf. Ein Nachkomme hat dann das Rudel in der Laußnitzer Heide gegründet. Das es wieder Wölfe gibt, findet die Naturschützerin gut, aber natürlich gehören andere Tiere des Gebietes zum Beuteschema - auch der Biber. Derzeit leben etwa zehn Wölfe in der Königsbrücker Heide. "Mir ist selbst schon ein Wolf begegnet, der sich dann aber schnell wieder abgewendet hat", sagt Cornelia Schlegel.

Im April beendet sie ihre berufliche Tätigkeit in der Verwaltung des Naturschutzgebietes. "Ich werde der Verwaltung aber noch ehrenamtlich zur Verfügung stehen", sagt sie. Und dann ist ja noch der eigene große Garten. Cornelia Schlegel will auf Selbstversorgung mit Lebensmitteln umstellen - eine der vielen Ideen, die sie für den Ruhestand hat.

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