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"Die Situation von Oßling war nicht rosig"

Die Finanzen stellten Johannes Nitzsche gleich nach der Wahl zum neuen Bürgermeister vor Probleme. Was er trotzdem erreichte und wie es weitergeht.

Von Heike Garten
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Stolz ist Oßlings Bürgermeister Johannes Nitzsche darauf, dass der Rasen des Sportplatzes saniert werden konnte und es jetzt eine vollautomatische Bewässerungsanlage gibt.
Stolz ist Oßlings Bürgermeister Johannes Nitzsche darauf, dass der Rasen des Sportplatzes saniert werden konnte und es jetzt eine vollautomatische Bewässerungsanlage gibt. © SZ/Heike Garten

Oßling. Seit einem reichlichen Jahr ist Johannes Nitzsche, der für die Wählervereinigung „Bündnis Zukunft gestalten“ angetreten war, neuer Bürgermeister von Oßling. In seinem Wahlprogramm hatte er sich eine Menge vorgenommen. Was ist daraus geworden, was hat er erreicht, und wo gibt es noch Entwicklungspotenzial? Sächsische.de sprach mit dem 32-Jährigen.

Herr Nitzsche, voriges Jahr sind Sie den Schritt vom ehrenamtlichen Gemeinderat zum hauptamtlichen Bürgermeister gegangen. Wie haben Sie den Einstieg in die neue Tätigkeit geschafft?

Gerade die Anfangszeit war nicht einfach. Ich musste für mich ein System der Zeit- und Arbeitseinteilung finden. Auch ging es darum, alle Bereiche und Aufgaben der Verwaltung genau kennenzulernen, mit den Gemeinde- und Ortschaftsräten sowie den Bürgern ein vertrauensvolles Verhältnis zu schaffen und einen Überblick darüber zu bekommen, was am dringlichsten ist.

Und was war am dringlichsten?

Das waren und bleiben die Finanzen. Die Situation der Gemeinde war nicht rosig. Dazu kam, dass wir in diesem Jahr rund 500.000 Euro an Gewerbesteuer zurückzahlen mussten. Wir haben mit dem Gemeinderat ein dreistufiges Maßnahmepaket beschlossen, um Kosten zu senken und Einnahmen zu erhöhen, ohne den Bürgern in die Tasche zu greifen. Ein Beispiel: Wir verwalten die kommunalen Wohnungen seit Juli wieder selbst, haben aber die Stelle, die dafür vorgesehen ist, bis Jahresende nicht besetzt. Derzeit erledigt ein erfahrener Mitarbeiter auf Minijob-Basis die Arbeiten.

Außerdem haben wir, soweit möglich, kommunale Grundstücke verkauft, um mehr Einnahmen zu erzielen. Es wurden auch Kredite umgeschuldet und Betriebskosten bei gemeindeeigenen Gebäuden optimiert. Derzeit befinden wir uns zwar noch in einer Haushaltssperre, aber die Planungen für den Haushalt im nächsten Jahr sehen sehr gut aus und bestätigen die Wirksamkeit der Maßnahmen.

In den Wahlzielen war auch formuliert, dass der Sportplatz in Oßling saniert wird. Ist dies gelungen?

Ja, wir konnten den Rasen und die Umzäunung erneuern. Außerdem wurde auf eine vollautomatische Bewässerung des Platzes umgestellt und ein Rasenroboter angeschafft. Das alles hat rund 160.000 Euro gekostet. 70 Prozent davon haben wir gefördert bekommen, vor allem deshalb, weil die beiden Grundschulen im Ort den Platz für den Schulsport nutzen. Offen ist jetzt noch die Sanierung der Außenanlagen.

Jahrelang haben die Oßlinger für mehr Sicherheit auf der Wittichenauer Straße gekämpft. Ist da etwas passiert?

Da konnten wir zwei Maßnahmen umsetzen. Zum einen gilt jetzt auf dem größten Teil der Wittichenauer Straße ein Tempolimit von 30 km/h, zum anderen haben wir ein Geschwindigkeits-Smiley aufgestellt, das auch in anderen Ortsteilen eingesetzt werden kann. Das kommt gut an, und wir überlegen, noch ein weiteres zu beschaffen.

In Ihrem Wahlprogramm war die Rede von einer Verbesserung der Situation für die Feuerwehr in Milstrich. Wie sieht es damit aus?

Wir haben jetzt Fördermittel für einen Anbau an die Begegnungsstätte in Modulbauweise beantragt. Den Standort fand zwar der Heimatverein kritisch, letztlich hat sich aber der Gemeinderat durchgesetzt.

Oßling hat auch um Geld aus den Braunkohle-Strukturfördermitteln gekämpft. Ist was angekommen?

Ja, wir gehören zu den wenigen Gemeinden, die bisher eine positive Projektbestätigung aus Berlin erhalten haben. Geplant ist die Verbesserung der Kinderbetreuung durch eine neue Kita mit einem speziellen Waldangebot im Ortsteil Weißig. Im jetzigen Vereinshaus gab es bis 2003 schon einmal eine Kita, die jetzt wiederbelebt werden soll. Rund 740.000 Euro soll der Umbau kosten, wir könnten eine 90-prozentige Förderung erhalten. Der Bedarf dafür ist auf jeden Fall da. Außerdem soll das Dachgeschoss für Vereine des Ortes ausgebaut werden und so eine Art Mehrgenerationenhaus entstehen. Geht alles nach Plan, könnte das Projekt in den nächsten zwei Jahren umgesetzt werden.

Im Sommer gab es heftige Diskussionen und Elternproteste, weil die Gemeinde Räume in der Grundschule vermieten wollte. Wurde das Problem gelöst?

Die Diskussionen gab es, doch wir als Gemeinde müssen auch wirtschaftlich denken und sehen, wo zusätzliche Einnahmen herkommen. Letztlich gab es eine Lösung: Das Untergeschoss wurde komplett vermietet, der Grundschule bleiben acht und dem Hort vier Klassenräume. Gerade dieses Beispiel hat mir gezeigt, dass man immer miteinander reden muss, dann findet sich auch ein Kompromiss.

Wie zufrieden sind Sie selbst mit Ihrer Arbeit als Bürgermeister?

Vor meiner Wahl hatte ich kaum konkrete Vorstellungen von dieser Arbeit, und es war anfangs nicht leicht, alle Verpflichtungen unter einen Hut zu bringen. Ein kürzlich erlittener Bandscheibenvorfall hat mir auch meine Grenzen aufgezeigt und mich zu der Überzeugung gebracht, besser mit der vorhandenen Zeit umzugehen. Alles in allem bin ich aber mit meiner Arbeit zufrieden.

Der Beitrag wurde am 20. Oktober 2021, um 19 Uhr, korrigiert. In einer früheren Fassung hieß es aufgrund eines Missverständnisses: "Die Situation von Oßling ist nicht rosig".