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Gräfenhain: Weihnachten in der Wohngruppe

Weg von der Familie, leben in einem anderen Umfeld - für einige Kinder im Landkreis Bautzen ist das Realität. So verbringen sie den Advent.

Bescherung in der Kinderwohngruppe des Vereins Bürgerhilfe Sachsen in Gräfenhain. Die Mädchen und Jungen freuen sich schon auf das Auspacken der Geschenke.
Bescherung in der Kinderwohngruppe des Vereins Bürgerhilfe Sachsen in Gräfenhain. Die Mädchen und Jungen freuen sich schon auf das Auspacken der Geschenke. © Matthias Schumann

Gräfenhain. Es duftet lecker nach frisch gebackenen Keksen, aus den Zimmer dringen Kinderstimmern, zwei Mädchen stehen im Flur und quatschen - eine ganz normale Situation, wie sie in vielen Familien zu erleben ist. Gerade jetzt in der Weihnachtszeit. Dazu kommt die Spannung, dass heute etwas Besonderes passiert. Wenige Tage vor Weihnachten ist Bescherung angesagt, etwas früher als in den meisten Familien. Sächsische.de ist zu Gast in den beiden Kinderwohngruppen des Vereines Bürgerhilfe Sachsen in Gräfenhain.

Im Haus "Eva-Maria" leben Kinder, oft zeitlich befristet, die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht in ihren Familien bleiben konnten. Das Jugendamt sieht in vielen Fällen das Kindeswohl gefährdet, trennt die Kinder von ihren Eltern und bringt sie in einem Kinderheim oder, wie in Gräfenhain, in einer Wohngruppe unter. Oder die Mutter eines Kindes gibt ihr Neugeborenes zur Adoption frei, aber es haben sich noch keine neuen Eltern gefunden. Hauptziel der Einrichtungen ist die Rückführung ins Elternhaus. Möglich ist aber auch die Aufnahme in einer Pflegefamilie oder eine Adoption.

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Mit den Erziehern über alles reden

Max (Name geändert) ist zwölf Jahre alt und gehört zu den Älteren. "Ich bin seit diesem Sommer in der Wohngruppe. Bei uns zu Hause gab es oft Streit", sagt er. Ihm gefallen die klaren Regeln im Haus, an die man sich halten sollte. "Da weiß man, woran man ist", meint er. Er findet es toll, dass man mit den Erziehern offen über alles reden kann, "man muss sich nur trauen". Ähnlich sieht es auch die fast 13-jährige Nadja (Name geändert), die seit April dieses Jahres in Gräfenhain lebt. "Am Anfang war das ganz schön schwer, aber jetzt gefällt es mir hier", sagt sie. Am meisten ärgert sie sich über ihre eigenen Wutanfälle und die anderer, wenn mal was nicht nach dem eigenen Kopf geht.

Den Mitarbeitern sind solche Situationen nicht fremd, sie wissen, wie man reagiert. "Es ist, wie in jeder anderen Familie auch. Es gibt Streit, und den muss man gemeinsam beilegen", weiß die Leiterin der Einrichtung Kerstin Schute. Sie und ihre Kollegen kennen die einzelnen Kinder genau, sie wissen, wo ihre Probleme liegen, wissen, wie man mit ihnen umgehen muss. "Das ist nicht immer einfach, hat doch jedes Kind seine eigene Vergangenheit, die oft nicht leicht war", sagt Kerstin Schute. Umso wichtiger sei es, dass man ihnen das Gefühl einer Familie mit klaren Strukturen im Alltag, mit festen Aufgaben aber auch mit dem notwendigen Freiraum gibt.

Ein geregelter Tagesablauf

In Gräfenhain gibt es zwei Wohngruppen: die Kinderwohngruppen mit sechs Mädchen und Jungen im Alter von null bis sechs Jahre und die familienorientierte Gruppe mit zehn Kindern und Jugendlichen von sechs bis 18 Jahre. Alle Plätze sind derzeit belegt. Sieben Mitarbeiter betreuen die Kindergruppe, fünf sind es für die Großen. Gelebt wird wie in jeder normalen Familie - mit einem klaren Tagesrhythmus. Gemeinsames Frühstück, dann für die Größeren Schule, später in der Wohngruppe Hausaufgaben und Freizeit. Die Mahlzeiten werden alle zusammen eingenommen. Bei den Großen hat jedes Kind sein eigenes Zimmer, das es ganz individuell gestalten kann. Bei der achtjährigen Josi (Name geändert) ist es ganz in rosa gehalten. Das Mädchen kam schon mit vier Jahren in das Haus. "Es ist schön hier, ich habe Freunde, und meine ältere Schwester wohnt auch hier", sagt sie.

Fast alle Kinder verbringen Weihnachten zu Hause. "Der Kontakt zur Familie ist wichtig, geht es doch vor allem darum, dass die Kinder irgendwann wieder zu ihrer Herkunftsfamilie zurückkehren", erklärt Kerstin Schute. Die Zeit, die die Kinder in der Wohngruppe leben, soll befristet sein. Manchmal bleiben sie ein Jahr, manchmal auch länger. In einigen Fällen sind die betreuten Jugendlichen 18 und gehen von der Wohngruppe aus direkt in ihr eigenes Leben.

Eltern aus Leppersdorf packen Geschenke

Am Tag unseres Besuches sind viele der Kinder ganz aufgeregt. Es gibt Geschenke. Schon zu Beginn der Adventszeit haben die Mädchen und Jungen den großen Weihnachtsbaum im Saal geschmückt. Jetzt liegen ganz viele Pakete darunter, große und kleine. Die Geschenke stammen von Eltern der Kita Sonnenschein in Leppersdorf und die Idee für diese besondere Aktion von Frank Heiduschka. Er hat selbst vier Kinder und hat auch bisher gebrauchte Sachen an die Wohngruppe gespendet. Jetzt wollte er die anderen Eltern mit einbeziehen.

Die Kinder aus Gräfenhain konnten ihre Wunschzettel schreiben, malen, kleben. Diese wurden dann an einen Weihnachtsbaum in der Leppersdorfer Kita gehängt. Die Eltern haben sich einen Zettel ausgesucht, das entsprechende Geschenk besorgt und verpackt - mit Namensschild versehen. Und das sind keineswegs Kleinigkeiten. Da ist eine Kinderküche dabei, Fußballschuhe, Spiele, Puzzle oder Sportsachen. "Bei teureren Dingen haben sich Eltern zusammengetan", weiß Frank Heiduschka. Jetzt liegen die Pakete unter dem Weihnachtsbaum der Wohngruppen.

Kerstin Schute weiß schon jetzt, dass es strahlende Augen geben wird. "Ich habe mir Bettwäsche von Olaf aus der Eiskönigin gewünscht", verrät Josi. Die Leiterin, die Mitarbeiter und die Kinder schicken ein ganz großes Dankeschön an die Eltern der Kita-Kinder von Leppersdorf, besonders an Frank Heiduschka. Er wünscht sich, dass der Kontakt zur Wohngruppe auch im nächsten Jahr erhalten bleibt.

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