merken
PLUS Kamenz

Künftige Altenpfleger haben Prüfungssorgen

An einer privaten Schule in Großröhrsdorf läuft die Ausbildung wegen Corona anders als üblich. Besonders schwer ist es für die Schüler, die bald ihren Abschluss machen.

Anke Wilhelm (an der Tafel rechts), Schulleiterin am Institut für Gesundheit und Soziales in Großröhrsdorf, bereitet mit ihrem Team die Schüler auf die Prüfungen vor. Jessica Wiesner (l.), angehende Physiotherapeutin, lernt in Großröhrsdorf.
Anke Wilhelm (an der Tafel rechts), Schulleiterin am Institut für Gesundheit und Soziales in Großröhrsdorf, bereitet mit ihrem Team die Schüler auf die Prüfungen vor. Jessica Wiesner (l.), angehende Physiotherapeutin, lernt in Großröhrsdorf. © Matthias Schumann

Großröhrsdorf. Ein Blick in die Gesichter der Schüler der Altenpflege-Klasse zeigt wenig Optimismus. Sie bereiten sich auf ihre Abschlussprüfungen im Sommer vor. Fast alle blicken auf schwierige Wochen und Monate zurück, in denen aufgrund der Corona-Regeln vieles anders war, als bei vorherigen Auszubildenden am Institut für Gesundheit und Soziales in Großröhrsdorf. Die jungen Frauen und Männer hoffen, dass sie trotzdem ihren Abschluss schaffen, um dann in dem so wichtigen Bereich der Altenpflege zu arbeiten. Ähnliche Sorgen haben auch die Auszubildenden in den Berufen Physiotherapeut und Ergotherapeut.

Der 23-jährige Florian Murke aus Großröhrsdorf ist einer der angehenden Altenpfleger. "Wir hatten lange Homeschooling, und das ist komplett demotivierend", sagt er. Man bekomme zwar die Aufgaben von Lehrern übers Netz, fühle sich aber bei vielen Sachen unsicher. Jetzt wieder in der Schule, sei die Zeit bis zu den Prüfungen zu knapp, um alles nachzuholen. "Man schwebt in einer gewissen Unsicherheit", sagt er.

Anzeige
Die Sachsen-Edition von Mühle Glashütte
Die Sachsen-Edition von Mühle Glashütte

Ab sofort gibt es den sportlich-eleganten Teutonia II Chronographen exklusiv bei DDV Lokal zu erwerben. Die Edition ist auf nur 100 Stück limitiert.

Einer 33-Jährigen aus Pulsnitz, die auch ihren Abschluss machen will, geht es ähnlich. "Als alleinstehende Mutter von drei Kindern war ich mit eigenem Homeschooling und dem eines Kindes zu Hause völlig überfordert", sagt sie. Sie hatte zwischenzeitlich sogar daran gedacht, die Ausbildung abzubrechen und weiß nicht, ob sie die Prüfungen schaffen wird.

Fürs Homeschooling einen genauen Plan gemacht

Etwas optimistischer sehen Schüler der Physiotherapie-Ausbildung ihre Situation. Sie haben erst im nächsten Jahr ihre Prüfungen. So sagt eine 22-Jährige im zweiten Ausbildungsjahr, dass sie mit den Corona-Regeln und dem Testen gut zurechtkomme. Allerdings habe das Homeschooling auch sie geschlaucht. "Ich gehe lieber in die Schule", sagt sie.

Eine 20-jährige Auszubildende aus Bautzen schätzt ein, dass die Motivation für sie kein Problem gewesen sei. Allerdings war die Situation zu Hause mit zwei Geschwistern nicht einfach. "Ich habe mir aber einen genauen Plan gemacht, der dem Unterricht angepasst war", sagt sie und glaubt, dass sie den Stoff gut geschafft habe. Allerdings räumt auch sie ein, dass sie nicht wisse, ob sie bei erneutem Homeschooling alles schafft.

Nicht einfach für die Schüler ist die praktische Ausbildung in den jeweiligen Alten- und Seniorenheimen. Der 21-jährige Kevin Albrecht aus Arnsdorf absolviert sein Praktikum im Seniorenhäusl in Großharthau. "Für mich und auch die Mitarbeiter im Haus hat sich seit Corona viel verändert. Durch den erhöhten Hygieneaufwand bleibt weniger Zeit. Darunter leiden am Ende die Bewohner", sagt er. Das sei für alle Seiten sehr schwierig.

Physiotherapeuten können nicht nur theoretisch lernen

Schulleiterin Anke Wilhelm kennt die Situation. "In den vergangenen Wochen und Monaten erlebten und erleben wir noch jetzt alle einen besonderen Alltag", sagt sie. Im Dezember kam mit der Schließung der Bildungseinrichtung Homeschooling. "Da mussten alle dazulernen, Lehrer wie Schüler", sagt sie. Gerade in Berufen wie Altenpfleger, Physio- oder Ergotherapeuten kann man aber nicht alles nur theoretisch erklären. Da muss mit den Händen gearbeitet, müssen bestimmte Griffe gezeigt werden. "Wir haben in der Zeit des Homeschoolings vor allem den theoretischen Teil der Ausbildung durchgezogen. Jetzt kommt der praktische an die Reihe."

Am Anfang des Jahres konnten die Abschlussklassen wieder an die Schule kommen, seit Ostern gilt für alle Präsenzunterricht - natürlich mit den entsprechenden hygienischen Regeln. Nach der Notbremse seit dem 26. April gilt wieder die Regel wie vor Ostern. Alle, die an der Schule sind, tragen eine Maske, auch im Unterricht. Überall gibt es Desinfektionsspender. Außerdem werden Lehrer wie Schüler zweimal wöchentlich auf Corona getestet. In der Schule gibt es einen extra dafür eingerichteten Raum.

Bildungsinstitut fühlt sich vergessen

Die Bestimmungen sind also eingehalten, trotzdem fühlt sich das Bildungsinstitut ein wenig vergessen. "Immer ist nur von Grund- und Oberschulen sowie Gymnasien die Rede. Die Berufsausbildung spielt scheinbar keine Rolle", sagt Anke Wilhelm. Als Beispiel nennt sie auch die Beschaffung der Corona-Tests. In den meisten Schulen wurden sie durch das Landesschulamt vorbeigebracht, wir mussten sie uns selbst abholen", so Anke Wilhelm. Dabei liege ihr Haus auf der gleichen Straße wie die Oberschule und das Gymnasium von Großröhrsdorf.

Trotz dieser Widrigkeiten ist es Ziel aller Mitarbeiter des Gesundheitsinstitutes, dass alle Schüler ihrer Ausbildung bestmöglich fortsetzen und die Schüler des letzten Jahrganges ihren Abschluss schaffen. "Gerade in den Pflegeberufen werden Beschäftigte gesucht. Wir wollen unseren Anteil leisten, damit es ausgebildete Fachkräfte gibt", so die Schulleiterin. Derzeit bereiten sich 24 künftige Altenpfleger, zehn Ergotherapeuten und zehn Physiotherapeuten auf die Prüfungen vor. Insgesamt lernen am Institut 150 Schüler, dazu kommen Weiterbildungskurse für Fachkräfte. Betreut werden die Auszubildenden von 13 fest angestellten Lehrern und einigen Honorarkräften.

Jetzt gilt die Konzentration erst einmal den Prüfungen, ohne die anderen Schüler dabei zu vernachlässigen. Pflege- und Therapieberufe sind gefragter denn je.

Was ist heute im Landkreis Bautzen wichtig? Das erfahren sie täglich mit unserem kostenlosen Newsletter. Jetzt anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Kamenz