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Mehr Frust als Lust im Biergarten

Viele Wirte im Kreis Bautzen hoffen auf die baldige Öffnung der Außengastronomie, sehen aber auch große Probleme, zum Beispiel bei der Testpflicht. Zwei Beispiele.

Wirtin Ulrike Ehlert und ihr Mann Kevin freuen sich nur verhalten auf die Wiedereröffnung des Biergartens ihrer Altertumsschänke in Kamenz. Unter den geltenden Corona-Regelungen ist vieles schwierig.
Wirtin Ulrike Ehlert und ihr Mann Kevin freuen sich nur verhalten auf die Wiedereröffnung des Biergartens ihrer Altertumsschänke in Kamenz. Unter den geltenden Corona-Regelungen ist vieles schwierig. © René Plaul

Kamenz. Es wird auf jeden Fall nicht einfach! So viel weiß Wirtin Ulrike Ehlert jetzt schon. Dass ihre Kamenzer Altertumsschänke vielleicht in ein paar Tagen wieder öffnen dürfte, bereitet ihr mehr Kopfzerbrechen als Freude. Zumindest Biergärten könnten ab kommenden Dienstag wieder belebt werden, sollte die Inzidenz auch am Donnerstag, Freitag und Sonnabend im Landkreis Bautzen weiter unter 100 liegen. Zurzeit tut sie das den zweiten Tag in Folge.

Doch wird das so bleiben? "Keiner weiß das. Eine Planung ist für uns momentan nicht möglich. Es ist eine riesige Zwickmühle: Wir müssten heute schon Getränke bestellen, damit wir beliefert werden. Und dann springt die Zahl in den nächsten drei Tagen vielleicht wieder über 100. Und wir sitzen auf den Bestellungen", sagt Ulrike Ehlert. Vor allem bei frischer Ware wie Fleisch und verderblichem Gemüse sei die jetzige Situation nicht tragbar für Gastronomen. Doch das scheine in der Politik keinen zu beeindrucken...

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Gäste müssen viele Bedingungen erfüllen

Auch die Zugangsbestimmungen für die Kundschaft zu den Biergarten bereitet Gastronomen Magendrücken. Denn die Lockerungen sind an Bedingungen geknüpft. Wer etwa im Biergarten mit Freunden am Tisch sitzen möchte, braucht ein tagesaktuelles negatives Testergebnis. Für vollständig Geimpfte und kürzlich Genese entfällt die Testpflicht dagegen.

"Aber wie sollen wir das alles kontrollieren", fragt Ulrike Ehlert genervt. "Das hat überhaupt nichts mehr mit Datenschutz zu tun. Die Kundschaft muss sich schon ganz schön offenbaren, finden wir. Außerdem ist es viel zusätzliche Arbeit", sagt auch ihr Mann Kevin Ehlert, der im Gasthaus seit Jahrzehnten kellnert. Er ist nah dran an den Gästen und weiß schon jetzt, dass es kompliziert werden könnte.

Corona-Tests gleich in der Gaststätte?

Die Überlegung, am Eingang Test-Kits anzubieten, haben die beiden auch schon angestellt. Für eine Servicepauschale von 3,49 Euro wäre das vielleicht sogar vertretbar, doch wie dann weiter? Seit Kurzem sind Tests nicht mehr gestattet, die man allein vorher im stillen Kämmerlein gemacht hat. Es bedarf einer Kontrollperson. "Wer bitte soll das aber sein? Der Nachbar? Der Arbeitgeber? Wir als Wirte? Das wird nirgendwo richtig erklärt", so Ulrike Ehlert.

Am besten wäre das beglaubigte Testen vorher in einem Testzentrum der Region. An einem Sonnabend könnte das aber schwierig werden mit den Öffnungszeiten. Vor allem in der Kleinstadt. Das Testergebnis darf nicht älter als 24 Stunden sein. Will man Sonnabendabend in den Biergarten, müsste man spätestens Freitagabend noch einen Testtermin ergattern.

Abstandsregeln sind schwer umzusetzen

"Die Bereitstellung von Test-Kits in der Gaststätte wäre eine Möglichkeit, aber wer zapft, schenkt aus und bedient die anderen Gäste inzwischen", fragt Kevin Ehlert. So ein Selbsttest unter Aufsicht müsste zudem stattfinden, bevor man die Gaststätte betritt. "Wo soll das sein? Auf der Pulsnitzer Straße draußen? Stelle ich dafür Extra-Personal vor die Tür?"

Die neuen Test-Regeln seien von praxisfernen Menschen gemacht worden. Man würde von der Gesetzeslage regelrecht gezwungen, erst einmal in jedem Gast einen Verbrecher zu sehen, den man kontrollieren muss. "Das widerstrebt unserem Credo von Gastlichkeit und geht fast ins Peinliche", so Kevin Ehlert.

Öffnen werden Ehlerts ihren Biergarten aber dennoch. Wenn auch voraussichtlich mit nicht mehr als drei Tischen. Anders sind Abstandsregeln nicht haltbar. Öffnet man nicht, wären die Kunden auch unzufrieden. Aber werden sie alles mittragen? Ein Besuch ist bei einer Inzidenz unter 100 vorerst nur mit Reservierung, Test, Impfpass oder Genesungsnachweis möglich.

"Und dann muss zu allem auch noch das Wetter mitspielen", so die Wirtin. Es könne ja immer noch sein, dass man alle Tische reserviert hat, wegen schlechtem Wetter aber doch keiner kommt. In einer Großstadt sei das alles kein Problem. Hier schon.

Eingeschränktes Angebot im Großmarkt

Auch Claudia Winter von der "Villa Weiße" in Kamenz kämpft mit ähnlichen Problemen. "Natürlich freuen sich alle Kunden auf die Öffnung. Das können wir verstehen und werden mit einer kleinen Karte starten, sobald es die Inzidenzzahlen zulassen. Aber so einfach ist es eben nicht, einen Gaststättenbetrieb von null auf hundert hochzufahren. Vor allem nach so langer Zeit nicht", sagt sie.

Eine Vorlaufzeit von mindestens einer Woche müsse man zugestehen. Doch die Unsicherheit hemmt die Planung. "Das fängt beim Einkauf im Großmarkt an. Das Warenangebot lässt aktuell zu wünschen übrig. Monatelang gab es dort kaum Absatz", weiß die Wirtin. Der tägliche Blick geht also weiter auf die Inzidenz. Und aufs Wetter. Auch das spielt in den nächsten Wochen so gar nicht mit. "Es wird schwer, unseren Betrieb halbwegs hochzufahren", so Claudia Winter. Die Wirtin hat zumindest schon einmal einen großen Schwung Test-Kits für die Gäste geordert.

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