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Abwassertransport per Laster ist bald passé

Die Kläranlage in Straßgräbchen ist veraltet und zu klein. Jetzt investiert der Zweckverband kräftig. Was geplant ist und wer profitiert.

Mit Tankwagen muss derzeit noch der Autozulieferer TDDK in Straßgräbchen Abwässer nach Kamenz bringen. Durch eine Millionen-Investition soll sich das ändern.
Mit Tankwagen muss derzeit noch der Autozulieferer TDDK in Straßgräbchen Abwässer nach Kamenz bringen. Durch eine Millionen-Investition soll sich das ändern. © René Plaul

Kamenz. Symbolische Spatenstiche mit anwesender Prominenz passen nicht in Corona-Zeiten. So wird der Baustart für ein Mammutprojekt zwischen Kamenz und Straßgräbchen am Montag eher im Stillen passieren: „Wir planen derzeit einen feierlichen ersten Spatenstich im Frühjahr 2021“, lässt der Kamenzer Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos) wissen. Wenn die Corona-Infektionen hoffentlich rückläufig sind und eine Veranstaltung möglich wird.

Immerhin geht es um viel Geld, das der Abwasserzweckverband Obere Schwarze Elster verbauen will. Dessen Vorsitzender ist ebenfalls der Kamenzer OB. Es geht um 20,5 Millionen Euro, inklusive Fördermittel.

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Das Geld wird in eine zehn Kilometer lange Abwassertrasse von Straßgräbchen nach Kamenz fließen. Außerdem sollen ein neues Pumpwerk entstehen und die Kläranlage in Kamenz-Deutschbaselitz erweitert werden. Seit gut zehn Jahren beschäftigt sich der Abwasserzweckverband bereits mit diesem Projekt und prüfte unterschiedliche Varianten der Abwasserentsorgung im Raum Straßgräbchen.

Neue Abwasserleitung sichert Jobs

Die Kläranlage dort stammt noch aus den 1970er-Jahren, ist veraltet und kann die Abwassermengen der Industriebetriebe wie TD Deutsche Klimakompressoren (TDDK) nicht bewältigen. TDDK zum Beispiel muss seine in einer eigenen Anlage vorgeklärten Produktionsabwässer mit hohem Aufwand in Tanklastern nach Deutschbaselitz transportieren lassen.

Eine Erweiterung der Abwasseranlage am Standort Straßgräbchen selbst habe sich als schwierig erwiesen und hätte keine Lösung für die großen Mengen an Industrieabwässern gebracht. Eine Überleitung nach Bernsdorf sei technisch nicht möglich. So blieb letztlich die Trasse nach Kamenz als die wirtschaftlichste Lösung – trotz der Länge und obwohl es nach Kamenz leicht bergauf geht.

Mit der Leitung nach Kamenz werden zugleich Voraussetzungen geschaffen, dass die Industrie wachsen kann. Damit sei eine zukunftsorientierte Lösung im Raum Kamenz möglich, die die Industrie berücksichtige, so der OB. So will Straßgräbchen das Industrie- und Gewerbegebiet erweitern. In Bernbruch Nord ist auf 35 Hektar Fläche Potenzial für Ansiedlungen. Am Kamenzer Flugplatz will die Stadt Unternehmen ansiedeln und auch im Gebiet Macherstraße Nord. Dafür und für die Zukunft von bis zu 5.000 Jobs in der Region sei das Abwasserprojekt mit Kläranlagenerweiterung eine wichtige Voraussetzung.

TDDK-Vizepräsident Ronald Juhnke erinnert an die Standortentscheidung des japanischen Autozulieferers 1998 für Straßgräbchen. Das Versprechen, die Abwasserentsorgung zu lösen, sei damals eine Voraussetzung dafür gewesen. Noch geht geht mindestes ein Lkw täglich mit Abwasser auf Tour, etwa 20 Kubikmeter fallen an.

Aufträge sind an lokale Firmen vergeben

Für das Unternehmen sei das schon ein gravierendes Infrastrukturproblem und der Vizepräsident froh, dass nach über zehn Jahren der gemeinsamen Suche nach einer Lösung und Verhandlungen, der Durchbruch gelungen ist. Und noch eine gute Nachricht, so Juhnke: „Durch den großen Förderanteil können auch die Abwassergebühren stabil bleiben und brauchen nicht zur Refinanzierung dieser Millioneninvestition erhöht werden.“

Der Abwasserzweckverband hat inzwischen die Aufträge zum Bau vergeben. Davon profitieren letztlich auch aus ausführenden Unternehmen aus der Region wie DIW aus Kamenz oder Bistra Bau in Putzkau und der Landschaftsbau von Sandro Gebler aus dem Haselbachtal. Der kommt jetzt zuerst zum Zuge, um die Bautrasse bis Ende Februar vorzubereiten. Wenn alles nach Plan laufe, könne das Abwasser schon ab Mitte des kommenden Jahres zur Kläranlage in Kamenz-Deutschbaselitz fließen, schätzt der OB ein.

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