merken
PLUS Kamenz

Mit dem Trabi auf den Großglockner

Gleich nach der Wende fuhr Andreas Kroker mit seiner Pappe auf den höchsten Berg Österreichs. Nach 30 Jahren wagt der Sachse das Abenteuer erneut.

Andreas Kroker (l.) und Rainer Vogel aus Kleindittmannsdorf kurz vor ihrer Abenteuertour zum Großglockner in Österreich.
Andreas Kroker (l.) und Rainer Vogel aus Kleindittmannsdorf kurz vor ihrer Abenteuertour zum Großglockner in Österreich. © Steffen Unger

Lichtenberg. Noch schnell eine Schraube am Außenspiegel festdrehen, schauen, ob die Schneeketten im Kofferraum verstaut sind. Andreas Kroker aus dem Lichtenberger Ortsteil Kleindittmannsdorf läuft aufgeregt um seinen Trabi herum. Es ist Sonnabendmittag. Am nächsten Tag soll sie losgehen - die Fahrt auf eine ungewöhnliche wie auch abenteuerliche Reise. Der 68-jährige Andreas Kroker will gemeinsam mit seinem Freund, dem 61-jährigen Rainer Vogel, mit dem Trabi zum höchsten Berg von Österreich, dem Großglockner.

Die Abenteuertour kommt nicht von ungefähr. Bereits einmal - vor genau 30 Jahren - hat der Kleindittmannsdorfer mit seiner Familie die Großglockner Hochalpenstraße bezwungen.  „Als die Mauer fiel, wollte ich endlich die Alpen kennenlernen“, sagt der  Bergfreund. „In der DDR durften wir ja nur in die Hohe Tatra. Auch ein sehr schönes Gebirge, aber die Alpen haben mich gereizt.“ Da die Familie kurz nach der Wende nur einen Trabi besaß, ging die Fahrt kurzerhand damit los. „Damals haben wir uns überhaupt nicht so viele Gedanken gemacht wie heute“, sagt Kroker. „Wir sind einfach losgefahren, denn wir hatten nichts anderes.“

ELBEPARK Dresden
Der ELBEPARK bietet mehr
Der ELBEPARK bietet mehr

180 Läden, 5.000 kostenlose Parkplätze und zahlreiche Freizeitangebote sorgen für stressfreies und vergnügtes Einkaufen im ELBEPARK. Jetzt Angebote entdecken.

Vor 30 Jahren stand Familie Kroker schon einmal am Großglockner. Ihr Trabi ist auf dem Parkplatz in der Mitte zu erkennen.
Vor 30 Jahren stand Familie Kroker schon einmal am Großglockner. Ihr Trabi ist auf dem Parkplatz in der Mitte zu erkennen. © privat

Noch gut in Erinnerung hat auch Ehefrau Silvia den damaligen Ausflug auf die Großglockner Hochalpenstraße. „Ich habe Höhenangst. Jedes Mal, wenn die Bremsen zu heiß wurden und wir in eine Parkbucht rausfahren mussten, habe ich Blut und Wasser geschwitzt. Rechts die Leitplanke, dahinter teilweise steiler Abgrund. Kilometerlanger Stau hinter uns. Und nicht jeder fand das damals witzig.“ Doch sie sind angekommen mit ihrer Pappe und konnten das wunderschöne Bergpanorama genießen. 

An eine Wiederholung des Abenteuers hat Andreas Kroker schon eine ganze Weile gedacht. Immer wieder wurde im Freundeskreis davon gesprochen, „dass man ja nochmal mit dem Trabi zum Großglockner fahren könnte“.  Neben der Wiederholung der Tour spielt noch ein ganz anderer Gedanke mit in die Überlegungen hinein. Was kaum jemand weiß, aber in Kleindittmannsdorf gibt es auch einen Großglockner. Er ist zwar nur 295 Meter hoch, hat aber eben den gleichen Namen wie der berühmte Berg in Österreich. „Wir Kleindittmannsdorfer können ganz schnell mal auf den Großglockner“, sagt Andreas Kroker schmunzelnd. 

Auch in Kleindittmannsdorf gibt es einen Berg mit dem Namen Großglockner, was diese Karte belegt.
Auch in Kleindittmannsdorf gibt es einen Berg mit dem Namen Großglockner, was diese Karte belegt. © Steffen Unger

Im November vergangenen Jahres haben Andreas Kroker und Rainer Vogel den Entschluss gefasst: „Jetzt geht es los.“ Nicht ganz unschuldig daran ist der nahende Geburtstag des Rentners und ein turbulentes Corona-Jahr, das vieles auf den Kopf stellt und zum Nachdenken anregt. 

Mit dem Entschluss war es aber noch lange nicht getan. Wochen der Vorbereitung liegen hinter Andreas Kroker und seinem Freund. In der Garage in Kleindittmannsdorf wurde getüftelt, geschraubt, poliert und geplant. Der Trabi musste einer Generaldurchsicht unterzogen werden. Alles wurde gecheckt, Verschleißteile wurden geölt und vieles mehr. „Drei Tage vor dem Tour-Start habe ich noch eine neue Feder eingebaut“, erzählt Andreas Kroker. 

Der Trabi am Sonntag auf dem Weg in Richtung Großglockner.
Der Trabi am Sonntag auf dem Weg in Richtung Großglockner. © privat/Sandra Brestrich

Dazu kam die Planung der Tour. Rund 640 Kilometer lang ist die Strecke. Von Kleindittmannsdorf aus geht es in Pulsnitz auf die Autobahn, weiter Richtung Hof und dann auf die Regensburger Autobahn, an München vorbei und in Reit im Winkl über die deutsch-österreichische Grenze. Von da an wird in Richtung Kitzbühl Landstraße gefahren. Ziel ist Stuhlfelden, eine Gemeinde im Oberpinzgau, die zum Nationalpark Hohe Tauern gehört.

Die beiden abenteuerlustigen Männer wollen die Strecke an einem Tag bewältigen. Geplant sind vier Tankstopps. Und da gibt es schon das nächste Problem. Ein Trabant fährt mit einem Benzingemisch, das heutzutage an Tankstellen kaum noch erhältlich ist. Also wird Superbenzin getankt und dann im Verhältnis 1:50 mit Öl gemischt. Ein eingefleischter Trabifahrer weiß, wie so etwas geht.   

Unterwegs muss Benzingemisch nachgefüllt werden.
Unterwegs muss Benzingemisch nachgefüllt werden. © privat/Sandra Brestrich

Andreas Kroker und Co-Pilot Rainer Vogel sind nicht allein unterwegs. Die Tochter von Andreas Kroker, Sandra Brestrich, begleitet die beiden Männer - allerdings nicht im Trabi. Sie fährt mit ihrem VW Touran hinterher. Ihm Kofferraum des VW befinden sich die Kanister mit 2-Takt-Gemisch und eine Menge Ersatzteile. Außerdem kommt das Gepäck der Trabifahrer mit in den Touran. „Im Kofferraum der Pappe ist nicht soviel Platz“, begründet Sandra Brestrich die Verteilung. Außerdem bleibt sie während der Tour hinter den beiden Männern, hat sozusagen alles im Blick.

Und noch eine Besonderheit zeichnet den hellblauen Trabi aus. „Wir wollen zeigen, woher wir kommen“, sagt Rainer Vogel. Entsprechend haben sie die Hutablage im Auto präpariert. Neben einer Flasche Radeberger Bier steht ein Eimer Bautzener Senf. Dazu kommen mehrere Pullis Wilthener Weinbrand. Das Ganze wird umrahmt von einer Würstelkette mit Miniknackern der Dürrröhrsdorfer Fleischerei. „Alles Ostprodukte“, erklärt Andreas Kroker. Dass davon nach der Reise noch etwas übrig ist, glaubt er nicht. 

Mit an Bord des Trabis: Radeberger Bier, Bautzener Senf, Wilthener Weinbrand und Dürrröhrsdorfer Würstchen.
Mit an Bord des Trabis: Radeberger Bier, Bautzener Senf, Wilthener Weinbrand und Dürrröhrsdorfer Würstchen. © Steffen Unger

Am Sonntagmorgen 6 Uhr sind der Trabi und das Begleitfahrzeug Richtung Süden gestartet. Und sie kamen zügig voran. Nach zehneinhalb Stunden hat die Truppe ihr Ziel in Stuhlfelden erreicht. Drei Pausen mussten eingelegt werden - zum Essen und natürlich zum Tanknachfüllen. „Wir sind überglücklich und zufrieden. Auf der Tour gab es keine Probleme, alles lief bestens“, berichtet Andreas Kroker am Sonntagabend per Telefon. Drei Tage bleiben sie in Österreich, wollen mit dem Trabi die Hochalpstraße noch ein Stück fahren. Sandra Brestrich will den Großglockner besteigen, und alle freuen sich auf eine österreichische Mahlzeit in einem Berggasthof.      

Mit dem kostenlosen Newsletter „Kamenz kompakt“ starten Sie immer gut informiert in den Tag. Hier können Sie sich anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Kamenz