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Königsbrücker Töpfer-Tradition gerettet

Jens Frommhold hatte sich schon damit abgefunden, nach fünf Generationen der letzte Töpfermeister der Familie zu sein. Doch nun kommt alles anders.

Drei Töpfer-Generationen aus Königsbrück: Tobias, Johannes und Jens Frommhold (v.l:). Fürs Hoffest am 11. und 12. September hat man eine limitierte Auflage Becher entworfen - für Whiskey und Wein.
Drei Töpfer-Generationen aus Königsbrück: Tobias, Johannes und Jens Frommhold (v.l:). Fürs Hoffest am 11. und 12. September hat man eine limitierte Auflage Becher entworfen - für Whiskey und Wein. © René Plaul

Königsbrück. Nicht zum ersten Mal hat Tobias Frommhold an einem Mittwochmorgen die Töpferei seines Vaters betreten. Aber er tat es zum ersten Mal als sein Azubi. Der 23-Jährige aus Königsbrück startete am 1. September seine Lehre in der Töpferei Frommhold. Bislang arbeitete er als Industriemechaniker. "Es war seine persönliche Entscheidung, dass er nun doch in unsere Fußstapfen tritt", so Vater Jens Frommhold.

Der führt die Traditionstöpferei in fünfter Generation. "Ich hatte mich schon damit abgefunden, dass ich der Letzte meines Faches sei", sagt Frommhold. Dass sein Junior nun aber doch noch Ambitionen gezeigt hat, und damit die sechste Generation sichert, freut alle sehr. Vor allem Opa Johannes Frommhold. Der 92-jährige kann es kaum fassen, dass es so gute Nachrichten gibt. Er lebt mit im Haus. Sicherlich wird er das ein oder andere Mal vorbei schauen, wie sich Enkel Tobias macht.

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Anderen zehn Jahre im Onlinehandel voraus

"Ein bisschen aufgeregt bin ich schon, weil ich die Töpferei meiner Vorfahren natürlich kenne, hier schon viel ausgeholfen habe. Aber trotzdem war mein Vater bislang noch nicht mein Chef," sagt der 23-Jährige und lacht. Den Beruf des Keramikers hatte er bis vor Monaten nicht auf dem Schirm. Doch wie das Leben so spielt - da wird manchmal umgedacht. Bestimmt hat sein rühriger Vater Jens einen großen Anteil daran. Der Königsbrücker ist ein Mann voller Ideen. Und hatte schon öfter den richtigen Riecher - vor allem, was seine Töpferei angeht.

"Wir waren eine der Ersten, die den Onlinehandel aufgebaut haben", sagt der 57-jährige. Bereits 1998 verschickte er die ersten Produkte per Post. Damals hat man ihn vielleicht ausgelacht. Doch Jens Frommhold erkannte den Zeitgeist früh. "Heute sind wir den Kollegen zehn Jahre voraus. Und das Online-Geschäft hat uns über die Corona-Zeiten gerettet", sagt er. Zeitweise musste Frommhold extra Postzustellautos ordern, damit die Ware pünktlich bei den Kunden ankam. Die bestellen bundesweit, aber auch aus der Schweiz, Österreich und Amerika.

Trotzdem mussten die vier Mitarbeitern zwischenzeitlich in Kurzarbeit. Denn das eigene Geschäft und der Shop in Moritzburg konnten monatelang Corona-bedingt nicht öffnen. Doch nun ist alles angelaufen. Vor allem in Moritzburg ist die Nachfrage groß. Denn das Schloss, an dem der bekannte Aschenputtel-Film gedreht wurde, lockt Tausende Besucher an. Weil in diesem Jahr viele Menschen auf Urlaub verzichten, und lieber Ausflüge unternehmen, ist der Andrang sogar noch größer als sonst, weiß der Töpferei-Chef zu berichten. "Die Leute kaufen zwar nicht mehr, aber es kommen mehr."

Auf großen Märkten ist Jens Frommhold hingegen nur noch selten zu finden. Er beschränkt sich auf wenige feste Termine wie den Schlesischen Tippelmarkt in Görlitz, das Keramikmarkt am Goldenen Reiter in Dresden in der kommenden Woche oder das Töpferfest in Neukirch/Lausitz am Wochenende des 3. Oktober.

Das Reisen will er in den nächsten Jahren seinem Sohn überlassen. Tobias wird zwar zwei Jahre bei ihm lernen, doch der Meister findet wichtig, dass er auch bei Berufskollegen hineinschnuppert. Jens Frommhold hat schon mit verschiedenen Kollegen bundesweit gesprochen. Und so wird der Junior unter anderem im Fläming und im Vogtland Erfahrung sammeln.

Das sei wichtig, sagt der Altmeister. Denn beim einen kann man in technologische Abläufe hineinschauen, beim nächsten lernt man intensiv etwas zum Thema Glasur oder zur künstlerischen Gestaltung. Und auch das Finanzielle darf nicht vergessen werden. Die Berufsschule besucht Tobias Frommhold in Meißen. "Ich freue mich auf all die Herausforderungen und denke, dass es nicht langweilig werden wird", sagt er.

Tischofen ist der Renner - nicht erst seit Corona

Zum Überleben in der Branche gehöre etwas mehr, als nur das Pochen auf alte Traditionen, weiß die Familie mittlerweile. "Man muss sich immer wieder selbst neu erfinden", so der Chef. Und dafür ist Jens Frommhold bekannt. Mit seinem Tischofen hat er einen echten Renner entwickelt. Kochen, garen und sogar backen - all das ist mit dem Tischofen möglich, und das alles nur mit ein paar Teelichtern als Wärmequelle.

Das Produkt ist ein Beispiel dafür, wie sich die Nachfrage der Kundschaft wandelt. So steigt beispielsweise die Nachfrage für Bio-Teelichter. "Die sind aus Fritten-Öl gemacht", weiß Jens Frommhold. Er bietet aber auch Bienenwachs-Lichter an, die haben eine längere Brenndauer. "Vor 100 Jahren, da wollten die Kunden Karnickel-Fressnäpfe von uns . Heutzutage stehen sie halt auf Tischöfen, Essigfliegen-Fallen oder Töpfer-Feuer", sagt der Chef der Töpferei. Man müsse mit seinen Kunden immer wieder reden. "Die sagen einem schon, was richtig ist oder was verbessert werden muss."

Für den 11. und 12. September lädt die Töpferei Frommhold zum Hoffest ein.

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