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Braucht Kamenz ein Einheits-Denkmal?

Die Stadt will das historische Datum würdigen, aber ohne Pomp. Das ist gar nicht so leicht, wie die Debatte im Kulturausschuss zeigt.

In der Kamenzer Klosterkirche St. Annen spiegelt sich Geschichte. Der jüngeren soll jetzt möglicherweise mit einer Tafel gedacht werden, die an die Wendezeit 1989/90 erinnert.
In der Kamenzer Klosterkirche St. Annen spiegelt sich Geschichte. Der jüngeren soll jetzt möglicherweise mit einer Tafel gedacht werden, die an die Wendezeit 1989/90 erinnert. © Matthias Schumann

Kamenz. Einige neue Denkmale sind in Kamenz in den vergangenen 30 Jahren schon hinzu gekommen: die Gedenkstätte im Herrental an die KZ-Außenstelle oder der Gedenkstein für den Flugpionier Oswald Kahnt auf dem Garnisonsplatz. Aber braucht die Stadt Kamenz ein Denkmal für die deutsche Einheit? Dazu gibt es unterschiedliche Meinungen. Es hängt auch davon ab, wie der Ereignisse gedacht werden soll.

Diese Frage wird nicht zum ersten Mal in Kamenz diskutiert. Aktuell wieder. Hintergrund ist ein Antrag der AfD-Stadtratsfraktion. Zumal ja das Datum des 30-jährigen Jubiläums der Wiedervereinigung näher rückt. 

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In der Vergangenheit gab es mehrere Anläufe; vonseiten der evangelischen Kirchgemeinde und der CDU. Auch die AfD wagte bereits einen ersten Vorstoß.  Doch bisher verliefen all diese Vorhaben im Sande; inklusive einer Arbeitsgruppe, die sich mit der Frage beschäftigen sollte. Nun schlägt die AfD-Fraktion einen künstlerischen Ideenwettbewerb vor, um „dieses bedeutsame Ereignis der deutschen Geschichte entsprechend zu würdigen“. Damit befasste sich nun der Kulturausschuss.

An Ereignissen in Kamenz orientiert

Allerdings stand Kamenz nicht unbedingt im Zentrum des Geschehens wie Leipzig. Bei aller Anerkennung des damaligen Engagements sei das zu beachten; insbesondere bei der Größenordnung des Denkmals, gibt Dr. Sylke Kaufmann, die Leiterin der Städtischen Sammlungen, zu bedenken. Daher sollte „die Verhältnismäßigkeit bedacht werden“. 

Es müsse deshalb kein monumentales Werk in Bronze oder Stein sein, schlägt Sylke Kaufmann vor. Vielleicht sei eine Tafel oder Bodenplatte angemessen. Dabei spielen die finanziellen Ressourcen der Stadt ebenso eine Rolle. Zumal ein Künstler-Wettbewerb auch mit Preisgeldern verbunden sei. 

Bürgerschaft und Kirche sollten mit einbezogen werden. Entwürfe engagierter Laien empfiehlt Sylke Kaufmann jedoch nicht für so ein Denkmal. Das Werk müsse „zur der Zierde der Stadt gereichen“. Da könne keine Blamage riskiert werden. Deshalb sei bereits ein früherer Vorschlag abgelehnt worden, erinnert der Kamenzer Oberbürgermeister Roland Dantz. So ein politisches Statement sei hinterher auch schwer wieder zu entfernen, so Sylke Kaufmann.

Schüler sollen einbezogen werden

Die anhaltende Diskussion um das Leipziger Denkmal zeige , wie schwierig die Materie sei – selbst bei professionellen Entwürfen. Der Standort sei zu klären, eine Jury zu bilden und dabei möglichst auch dort Fachleute einzubeziehen. Auf drei A4-Seiten skizzierte Sylke Kaufmann das Prozedere, um einen Eindruck vom Aufwand zu vermitteln und gangbare Wege zu zeigen. Nicht zu pompös und zu teuer, da sind sich wohl alle einig, sollte das Gedenken in Szene gesetzt werden.

Stadtrat Jörg Stern (Grüne) äußerte seine Bedenken mit einem Denkmal und wirft Fragen auf: Was hebe die Stadt aus der Masse der Städte heraus, warum sollte gerade Kamenz ein solches Denkmal brauchen? Er könnte sich Podiumsdiskussionen oder Ausstellungen vorstellen, um die Zeit zu reflektieren. Wobei er ein Denkmal nicht grundsätzlich ablehne. Als Lehrer würde er Schüler mit einbeziehen.

Unterstützung bekommt er dabei von Lehrerkollege Jens Krüger (Wählerveieinmigung). Ein Denkmal zu diesem Thema müsse auf jeden Fall zum Nachdenken anregen, sagt er. Es brauche nicht teuer sein, aber müsse an die friedliche Revolution erinnern, die eine der Bürger gewesen sei. Sie seien es gewesen, die sich in der Masse für die Demokratie entschieden hätte. Da gehören die Kamenzer ebenso dazu.

Keine Monument aus Bronze und Stein

Ein Monument aus Stein oder Bronze kommt  bei der Linken nicht in Frage, das sei für Kamenz überdimensioniert, so Jens Fichte. Er schlägt ähnlich wie Stern vor, die Erinnerung mit  Ausstellungen oder Workshops wach zu halten: „Wir müssen Zeitzeugen mit ranziehen.“ Aber nicht irgendeine Säule aufstellen, die nicht zu Kamenz passe. 

Sylvia Horn (Stadt-Land-Frau) sei 15 gewesen, berichtet sie und erinnere sich noch genau an die Zeit. Es werde vielen so gehen: „Leute saßen bei Montagsgebeten und wussten nicht was passieren wird.“ Sie mahnt zur Bescheidenheit in Denkmalsfragen, findet aber zugleich wichtig zu erinnern. Dabei müsse es ja nicht groß und teuer sein, sagt auch die AfD. 

Zunächst sei zu klären, ob eher der 3. Oktober 1990, also der Einheitstag oder die Protestbewegung mit dem Mauerfall als Höhepunkt im Fokus stehen soll, so Oberbürgermeister Roland Dantz. Ein zentraler Platz des Protestes sei damals die Klosterkirche St. Annen gewesen. Dort könnte auch an die Bedeutung des Ortes in der Wendezeit erinnert werden. 

Der OB bringt eine Tafel ins Spiel. Zugleich unterstützt er die Idee, das Ganze in ein Schülerprojekt einzubetten und Zeitzeugen einzubeziehen. Ob die Tafel innen oder außen montiert werden sollte sowie die Gestaltung, sind noch offen. Der Vorschlag kam unter den Ausschussmitgliedern quer durch die Fraktionen an und gilt nun als Arbeitsgrundlage für eine angemessenes Gedenken.

Schreiben Sie an [email protected]: Braucht Kamenz ein Einheits-/Wende-Denkmal? Und wie könne der Ereignisse 1989/90 angemessen gedacht werden? 

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