merken
PLUS Kamenz

Duell um Bürgermeisteramt in Ohorn

Zwei Frauen stellen sich am Sonntag zur Wahl. Warum treten sie an, und was sind ihre Ziele.

Zwei Frauen bewerben sich um die nächsten sieben Jahre im Ohorner Bürgermeisteramt. Rechtsanwältin Heike Lotze (AfD, l.) fordert die amtierende Rathauschefin Sonja Kunze (parteilos) heraus.
Zwei Frauen bewerben sich um die nächsten sieben Jahre im Ohorner Bürgermeisteramt. Rechtsanwältin Heike Lotze (AfD, l.) fordert die amtierende Rathauschefin Sonja Kunze (parteilos) heraus. © Fotos (Montage): Matthias Schumann, René Plaul

Ohorn. Rund 1.980 wahlberechtigte Ohorner haben am Sonntag, dem 13. September, die Chance mitzubestimmen, wer das Ehrenamt des Bürgermeisters in den kommenden sieben Jahren ausüben soll. Gewählt wird von 8 bis 18 Uhr. Dabei sind auch die Hygieneregeln zu beachten, dazu gehört der Mundschutz. Außerdem sollten die Bürger  einen eigenen Stift dabei haben.

Amtsinhaberin Sonja Kunze will weitere Straßen auf Vordermann bringen

Sonja Kunze (parteilos) tritt zum zweiten Mal zur Bürgermeisterwahl in Ohorn an. Hier lebt die 63-Jährige seit ihrer Geburt und hat zwei erwachsene Kinder. Bisher arbeitete sie im Pulsnitzer Bauamt und ist jetzt im Ruhestand.

Anzeige
Jetzt ein neues Lebensgefühl entdecken
Jetzt ein neues Lebensgefühl entdecken

schaffer-mobil feiert 30. Jubiläum. Es warten Workshops, Top-Neuheiten und jede Menge Angebote. Vor allem Gebrauchte werden zum Schnäppchen.

Sonja Kunze (parteilos) tritt als Einzelbewerberin für eine zweite Amtsperiode an. Sie lenkte in den vergangenen sieben Jahren die Ohorner Geschicke als ehrenamtliche Bürgermeisterin.
Sonja Kunze (parteilos) tritt als Einzelbewerberin für eine zweite Amtsperiode an. Sie lenkte in den vergangenen sieben Jahren die Ohorner Geschicke als ehrenamtliche Bürgermeisterin. © René Plaul

Warum kandidieren Sie erneut fürs Bürgermeisteramt?

Weil ich seit Juli im Ruhestand bin und jetzt die nötige Zeit habe, vollumfänglich und ohne Abstriche für die Gemeinde da zu sein. Weil ich noch Maßnahmen begonnen habe, die ich gern zu Ende bringen möchte. Und auch, weil die Bürger am 13. September eine Wahl haben sollen, also dass nicht nur ein Kandidat auf dem Stimmzettel steht.

Heißt das vielleicht auch, Sie sind noch nicht so recht zufrieden mit der zurückliegenden Legislaturperiode?

Zufrieden kann man als Bürgermeister wohl nie sein. Mich drückt es am meisten, dass sehr viele freiwillige Aufgaben immer wieder hinten angestellt werden müssen, weil das Geld dafür nicht reicht. Ich denke da zum Beispiel an Straßenbenennungs-Schilder, die rosten. Aber die Finanzen reichen ja oft nicht mal für die Pflichtaufgaben.

Warum treten Sie als Einzelbewerberin an, nicht zum Beispiel für eine Partei?

Ich bin schon vor sieben Jahren als Einzelbewerber angetreten, um unabhängig zu sein und nun wieder.

Wo sehen Sie die Schwerpunkte in den kommenden Jahren? 

Ich möchte Ohorn möglichst attraktiv für unsere Einwohner und Gäste gestalten. Um das zu erreichen ist für mich eines wichtig: Ich werde mich dafür einsetzen, dass die Gemeinde so lange wie möglich selbstständig bleibt. Denn mit dem Verschwinden der eigenständigen Dörfer verschwinden Ansprechpartner für die Bürger vor Ort, die Identität geht verloren. Eine Eingemeindung würde bedeuten, dass wir für Ohorn keine eigenen Entscheidungen mehr treffen könnten. Nur so konnten viele Vorhaben aus der ersten Legislatur realisiert werden. Neun Straßen konnten mit Hilfe von Fördermitteln befestigt, ausgebaut oder saniert werden.

Auf den Rabatten blüht es. Wir haben gemeindeeigene Wohnungen saniert und viele Fenster an Gebäuden der Gemeinde, aber es gibt immer noch genug zu tun in dem Bereich. So muss Dach des Mehrzweckgebäudes erneuert werden. Für das Wohnhaus Schleißbergstraße 51 sollen für 2021 Gelder für die Gestaltung der Außenanlagen und den Abriss eines größeren Nebengebäudes eingestellt werden, um Beispiele zu nennen. Vor sieben Jahren hatte mein Vorgänger den Kindergarten um 13 Plätze erweitert, bereits zwei Jahre später standen wir wieder vor der Frage. Die Plätze reichten wieder nicht aus, und somit mussten wir um 22 Plätze erneut erweitern. 

Für eine ausreichende Löschwasserversorgung haben wir die nicht mehr benötigte Kläranlage neben der Kita zur Feuerlöschzisterne umgerüstet. An der Schule konnten Defizite an den Außenanlagen beseitigt werden, wozu auch die Sanierung des ehemaligen Schulgartengebäudes gehört. Die Maßnahmen finden vorerst ihren Abschluss in den Herbstferien mit der Erneuerung der Treppenanlage zur Turnhalle hinunter. Ansonsten ist es mir wichtig zu schauen, wann es wofür Fördermittel gibt. Und ob wir diese unter der Voraussetzung gesicherter Eigenmittel in Anspruch nehmen können.

Ohorn hatte einen großen Schuldenberg - noch resultierend aus der Erschließung des Gewerbegebietes. Welchen Spielraum gibt es für Investitionen?

Den Schuldenberg haben wir nach wie vor. Die Pro Kopf Verschuldung konnte gering gesenkt werden. Mit 1.474,13 Euro pro Kopf liegen wir aber noch immer viel zu hoch. Immerhin ist die Vermarktung als Mischgebiet inzwischen gelungen. Das ging dann schneller als gedacht. Die noch nicht erschlossene Restfläche haben wir dann an einen Bauträger veräußert, der die Erschließung durchgeführt hat und sich jetzt um die Bebauung und Vermarktung der Grundstücke kümmert. Bei den Investitionen müssen wir uns auf das Notwendigste konzentrieren.

Was ist Ihr wichtigstes Investitionsvorhaben?

Die größte Investition sehe ich in der Sanierung der Turnhalle. Die Fördermittel stehen nach langem Ringen zur Verfügung, die ersten Aufträge wurden vergeben. Eine weitere Investition ist der Schulstraßenbau. Der läuft zwar unter der Regie des Landratsamtes, aber der Gehweg liegt bei uns. Ein Tanklöschfahrzeug muss beschafft werden. Zumindest eine Straße sollte in den nächsten Jahren neu ausgebaut, weitere befestigt werden. Der Bauhof muss zentralisiert werden.

Ohorn hat einige Industriebrachen, wie sind Sie damit vorangekommen?

Für das Bandtex-Werk an der Hauptstraße ist es mir gelungen, eine Lösung zu finden. Es war eine große Erleichterung, als das Gebäude endlich abgerissen war. Wir haben anschließend eine Grünfläche gestalten können, die zum Verweilen einlädt. Mit der Falas Landtechnik ist es entschieden schwieriger. Nach vielen Versuchen in alle Richtungen besteht jetzt ein Kontakt und die Hoffnung, dass auch dort Bewegung reinkommt.

Herausforderin Heike Lotze will die Sicherheit für Fußgänger verbessern

Heike Lotze (AfD) lebt seit 1993 mit ihrer Familie in Ohorn-Gickelsberg. Die Rechtsanwältin hat zwei erwachsene Kinder und eine eigene Kanzlei in Pulsnitz.

Heike Lotze (AfD) ist Rechtsanwältin mit Kanzlei in Pulsnitz. Sie kandidiert erstmals für das Amt der Bürgermeisterin in Ohorn.
Heike Lotze (AfD) ist Rechtsanwältin mit Kanzlei in Pulsnitz. Sie kandidiert erstmals für das Amt der Bürgermeisterin in Ohorn. © Matthias Schumann

Frau Lotze, warum wollen Sie in Ohorn für das Bürgermeisteramt kandidieren?

Ich möchte Ohorn gestalten und nicht nur verwalten. Überlange Amtszeiten sind mir zuwider, genauso wie Berufspolitikertum, weil in diesen Fällen meist der Enthusiasmus für die Aufgabe sinkt, eingefahrene Wege und Beziehungen und eingefahrene Entscheidungen die Folge sind. Der dringend notwendige „frische Wind“ muss von außen kommen. Ich bringe diesen Blick von außen mit und gleichzeitig die notwendigen Kenntnisse im Verwaltungsrecht.

Wie waren Sie bisher in der Gemeinde aktiv?

Ich bin derzeit für die Gemeinde im Kreistag aktiv. Die Entscheidungen im Kreistag haben erhebliche Auswirkungen auf Ohorn. Wir zahlen immerhin etwa 32 Prozent Kreisumlage. Unsere Fraktion hat im Kreistag bereits mehrmals die Entlastung der kleinen Gemeinden gefordert.

Warum treten Sie für die AfD an? Die Partei wird ja zum Teil vom Verfassungsschutz beobachtet, ein Teil der Mitglieder tritt offen rechtsextrem auf.

Die Bürgermeisterwahl ist eine Personenwahl. Ich stehe für Sacharbeit und nicht für Parteiengeplänkel. Als Mitglied der AfD stehe ich hinter unserem Grundsatzprogramm. Ein ehrenamtlicher Bürgermeister kann bei den zu lösenden Problemen im ländlichen Raum von fachlichen und personellen Verbindungen zu Bundes-, Land- und Kreistag nur profitieren.

Sie haben also mit Rechtsextremen in der AfD kein Problem?

Wie kommen Sie darauf? Extremisten gibt es links wie rechts. Aber was strafbar ist, normieren die Gesetze und sanktionieren die Gerichte, nicht eine Medienöffentlichkeit.

Wie wollen Sie Beruf und Ehrenamt unter einen Hut bringen?

Als Freiberufler mit eigener Anwaltskanzlei bin ich in der glücklichen Lage, mir meine Arbeitszeit selbst einteilen zu können. Das wird daher kein Problem sein.

Wo sehen Sie den Schwerpunkt für Ohorn?

Auch uns in Ohorn steht das Recht auf kommunale Selbstverwaltung zu, was leider in der Vergangenheit immer mehr abgegeben wurde. So müssen wir die von Pulsnitz (als erfüllender Gemeinde der Verwaltungsgemeinschaft) beschlossene Hauptamtsleiterstelle mitbezahlen, dürfen jedoch nicht mitentscheiden. Wir zahlen reichlich 300.000 Euro Umlage an Pulsnitz, haben aber kaum Entscheidungskompetenz. So wie ich als Anwältin allein die Interessen der Mandanten zu vertreten habe, so habe ich als Bürgermeister und damit Vertreter der Gemeinde auch einzig und allein die Interessen der Gemeinde zu vertreten.

Die dafür notwendige Unabhängigkeit wurde in den letzten Jahren verwässert, weil diese mit einer abhängigen Beschäftigung des Bürgermeisters in der Stadt Pulsnitz eben nicht gegeben war. Im Falle meiner Wahl werde ich halbjährlich eine offene Einwohnerversammlung durchführen, bei der alle Bürger über die Entwicklung der Vorhaben in Ohorn informiert werden und ihre eigenen Vorschläge, auch Beanstandungen und Kritik ansprechen sollen. Im Weiteren werde ich „alle Hebel“ in Bewegung setzen, damit Ohorn wieder eine Allgemeinarztpraxis erhält.

Ohorn hatte einen Schuldenberg - noch resultierend aus der Erschließung des Gewerbegebietes. Welchen Spielraum sehen Sie für Investitionen?

Den Schuldenberg schleppen wir immer noch mit. Mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 1.462,89 Euro liegen wir weit über dem Richtwert von 850 Euro. Wahrscheinlich werden die Einnahmen aus der Gewerbesteuer sogar zurückgehen. Einige unserer Gewerbetreibenden haben erhebliche Umsatzverluste durch die Corona-Verordnungen. Ein großer Arbeitgeber hat sich außerdem plötzlich von mehr als 40 Arbeitnehmern getrennt. Als Gemeinde werden wir daher auch in Zukunft nur die sprichwörtlichen „kleinen Brötchen backen“ können.

Was ist Ihr wichtigstes Investitionsvorhaben?

Die Sanierungen von Turnhalle und Schulstraße müssen zügig und ohne Überraschungen bei den Kosten durchgeführt werden. Die Schulwegsicherheit muss erhöht werden. Da brauchen wir Tempo 30, Fußwege und wo nötig auch Fußgängerampeln. Unsere Feuerwehr braucht bessere Ausstattung bei den Fahrzeugen. Hier werde ich auch über den Kreistag aktiv werden. Der Lärmschutz an der Autobahn muss verbessert und bei einer Erweiterung von vornherein gefordert und durchgesetzt werden. Es gibt von einigen jungen Leuten die Idee, einen Skaterpark zu errichten. Das begeistert mich. Auch wenn Ohorn selbst dazu nicht das Geld hat, werde ich als Bürgermeisterin durch Hilfe bei der Planung, Sponsoren- und Fördergeldsuche das Projekt mit Freude unterstützen.

Mit dem kostenlosen Newsletter „Bautzen kompakt“ starten Sie immer gut informiert in den Tag. Hier können Sie sich anmelden.

Für den kostenlosen Newsletter „Kamenz kompakt“ können Sie sich hier anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Kamenz