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Pulsnitz: Ärger über Baumverschnitt

An der Kamenzer Straße kam jetzt die Kettensäge zum Einsatz. Ein Stadtrat kritisiert das. So begründet das Landratsamt die Arbeiten.

Am Trebeteich in Pulsnitz wurden jetzt Bäume stark verschnitten, darunter auch dieses Exemplar, das unter Naturschutz steht, wie das Schild mit der Eule zeigt.
Am Trebeteich in Pulsnitz wurden jetzt Bäume stark verschnitten, darunter auch dieses Exemplar, das unter Naturschutz steht, wie das Schild mit der Eule zeigt. © René Plaul

Pulsnitz. Wenn die Kettensäge an stattliche Bäume gesetzt wird, dann schrillen die Alarmglocken. So war es jetzt in Pulsnitz der Fall, als Männer mit dem entsprechenden Werkzeug gegenüber des Großen Trebeteiches an der Kamenzer Straße anrückten.

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Das brachte den Pulsnitzer Stadtrat Gerd Kirchhübel (Grüne), der auch Mitglied im Naturschutzbund Deutschland (Nabu) ist, auf die Palme, zumal erst kürzlich dicke Bäume nur unweit ebenfalls an der Kamenzer Straße gefällt wurden. In dem Fall illegal. Der Landkreis teilte mit, rechtliche Schritte zu prüfen.

Kirchhübel kritisiert nun die Pflegearbeiten gegenüber des Trebeteichs heftig. Diesmal waren allerdings der Landkreis Bautzen selbst am Werk; durch Mitarbeiter aus der Straßenmeisterei Königsbrück. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz sei es verboten, vom 1. März bis 30. September unter anderem an einzelnen Bäumen und Alleen am Straßenrand einen drastischen Kronenschnitt durchzuführen, erklärt der Kommunalpolitiker.

Zur jetzigen Zeit dürfe man das nur, wenn Gefahr im Verzug sei. Kirchhübel meint, das habe hier nicht zugetroffen. Die Arbeiter hätten sogar an einem Baum, der mit einem „Eulenschild“ (Naturschutz) gekennzeichnet war, einen drastischen Kronenschnitt durchgeführt. Warum man gerade jetzt in diesem Gebiet eine solche „Baumpflege durchführt, ist für mich nicht nachzuvollziehen", sagt der Pulsnitzer. Sächsische.de fragte in der Kreisbehörde nach, warum hier so drastisch gesägt wurde.

Akute Gefahr durch Astbruch

Offenbar drohte Gefahr von oben. Das stellte sich bei der regelmäßigen Überwachung der Bäume an der Staatsstraße heraus, die der Landkreis im Auftrag des Freistaates vornimmt. Pressesprecherin Cynthia Thor erklärt: „Im vorliegenden Fall erreichte uns am 5. März die Mitteilung, dass dringender Handlungsbedarf in den nächsten zwei bis vier Wochen vorliegt.“ Es ging um insgesamt fünf Bäume. Für diesen Schnitt und die Rodungen habe sich der Kreis auch mit der Nabu-Regionalgeschäftsstelle Kamenz abgestimmt.

Es habe eine akute Gefahr bestanden durch Totholz, abgestorbene Rinde, durch Risse in Astgabelungen und Astbruch in der Krone. Einige Kronen seien auch vollständig abgestorben gewesen, so Cynthia Thor. Äste oder ganze Bäume drohten aufgrund der Schäden auf die Straße zu fallen. Drei Bäume sollen deshalb gerodet werden und wurden vorerst wegen zur Sicherheit eingekürzt. Bei den anderen seien die Kronen so zurückgeschnitten worden, dass in der Regel der Baum nicht geschädigt werde, versichert die Kreisbehörde.

Wie ein Torso steht jetzt auch der stattliche Baum mit der Naturschutz-Eule an der Straße. Es bleibt zu hoffen, dass er wieder austreiben kann. (SZ/ha)

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