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Vom Kfz-Mechatroniker zum Kita-Chef

Erik Höckendorff ist der neue Leiter der Kita-Spatzennest in Pulsnitz. Vorher arbeitete er in einer ganz anderen Branche. Was hat ihn zum Wechsel bewegt?

Von Heike Garten
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Der neue Chef der Kita Spatzennest in Pulsnitz Erik Höckendorff arbeitet trotz umfangreicher Leitungsaufgaben noch gern in den Gruppen. Hier baut er mit Lia Luisa und den Drillingen Mia, Maja und Marie.
Der neue Chef der Kita Spatzennest in Pulsnitz Erik Höckendorff arbeitet trotz umfangreicher Leitungsaufgaben noch gern in den Gruppen. Hier baut er mit Lia Luisa und den Drillingen Mia, Maja und Marie. © Matthias Schumann

Pulsnitz. Er ist aufgeschlossen und voller Energie. Wenn Erik Höckendorff durch die Zimmer der Kita Spatzennest in Pulsnitz geht, strahlen ihn die Mädchen und Jungen an. Und er kennt alle mit Namen, hat immer ein aufmunterndes Wort auf den Lippen. Genauso für seine Mitarbeiter, die sich in seinem Team wohlfühlen und mitziehen. Erik Höckendorff ist seit Kurzem der neue Leiter der Kindertagesstätte, sieht diese Aufgabe als eine Art Berufung, als seinen Traumberuf.

Dabei war die Arbeit mit Kindern gar nicht die erste Berufswahl des heute 33-Jährigen. Nach der Schule hat er Kfz-Mechatroniker gelernt, auch in einem Autohaus der Region gearbeitet. Dann kam der Zivildienst. "In der Zeit gab es nicht so viele freie Stellen, aber ich kannte die damalige Leiterin der Kita und habe mich dort beworben", erzählt er rückblickend.

Er bekam die Stelle, die der Grundstein und auch die Motivation für seine heutige Tätigkeit war. "Mir war schnell klar, dass mir die Arbeit mit Kindern riesigen Spaß macht. Es ist etwas Besonderes, das Strahlen in den Augen der Mädchen und Jungen zu sehen, wenn ich mit ihnen Fußball spiele, klettere oder ähnliches", sagt er. Zu der Zeit, das war im Jahr 2009, gab es noch nicht so viele männliche Beschäftigte in den Kindereinrichtungen. Auch von den Mitarbeitern habe er ein positives Feedback bekommen. Und so stellte sich Erik Höckendorff die Frage, ob er dies nicht zu seinem Beruf machen sollte.

Die beste Entscheidung seines Lebens

Er begann eine berufsbegleitende Ausbildung zum Erzieher an der Euroschule in Görlitz, hatte zweimal pro Woche nach der Arbeit und am Sonnabend Unterricht. Im Sommer 2014 beende er die Ausbildung erfolgreich. Heute sagt er: "Das war die beste Entscheidung meines Lebens."

Und auch mit der Arbeit in der Kita klappte es nahtlos. Es wurde eine Stelle frei, und Erik Höckendorff konnte seinen Job als fest angestellter Pädagoge im Spatzennest beginnen. Auch wenn er in allen Bereichen der Kita - also Krippe, Kindergarten oder Hort - eingesetzt werden kann, machte ihn die Arbeit mit den Hortkindern am meisten Spaß. "Der Reifegrad ist bei den Sechs- bis Zehnjährigen weiter, die Aktivität größer", erklärt Erik Höckendorff. Man könne viel mehr mit ihnen unternehmen.

So gab es Fahrten in die Sächsische Schweiz, in eine Kletterhalle - alles Sachen, bei denen die Kinder bereits eine gewisse Selbstständigkeit an den Tag legen müssen. Erik Höckendorff ist ein Mensch, der viel Wert auf Bewegung und Sport legt. So war er es auch, der damit begann, dass alle Kinder das Flitzi-Abzeichen, ein Sportabzeichen für kleinere Kinder, ablegen. "Selbst ein Purzelbaum oder rückwärts auf einer Bank zu balancieren ist nicht für jeden Kleinen eine Selbstverständlichkeit", weiß er.

Nach der Arbeit wird fürs Studium gelernt

Vor anderthalb Jahren folgte dann ein weiter Schritt im pädagogischen Berufsleben. Erik Höckendorff begann ein berufsbegleitendes Studium in der Fachrichtung Sozialpädagogik. Kein leichter Entschluss, aber ein folgerichtiger. Und so stehen jetzt neben der täglichen Arbeit in der Kita das Lernen und Seminare - wegen Corona derzeit online - auf seinem Programm.

Großen Rückhalt findet Erik Höckendorff, der in Großröhrsdorf lebt, bei seiner Familie, zu der neben seiner Frau auch drei Kinder im Alter von 16, sechs und anderthalb Jahren gehören. "Ich habe das Studium begonnen, als meine Frau in Elternzeit war", sagt der 33-Jährige. Das habe vieles erleichtert. Jetzt ist das vierte Kind unterwegs. "Wenn meine Frau nicht zu Hause gewesen wäre, hätte ich das Studium nicht gestartet", so Erik Höckendorff. Immerhin dauert dieses zweieinhalb Jahre. Stolz ist er, dass er gerade vor wenigen Tagen wieder eine Zwischenprüfung bestanden hat - online über Zoom.

In der Kita sind noch Plätze frei

Parallel zum Studium kam im Herbst die nächste Herausforderung: die Leitung der Kita Spatzennest. Erst im Sommer hatte die bisherige Chefin Sylke Horn-Heschel erklärt, dass sie sich selbstständig machen wolle. Zu Erik Höckendorff hat sie damals gesagt, dass sie sich vorstellen könne, dass er ihre Stelle übernimmt. Und auch die anderen Kollegen fanden es "cool", wenn er der Chef werden würde. Sie wollen ihn in seiner Arbeit unterstützen, nicht nur in der Zeit des Studiums, sondern generell. Mit Silke Horn-Heschel hat er immer noch einen guten Kontakt, kann mit Fragen immer zu ihr kommen.

Jetzt ist Erik Höckendorff also Chef der Volkssolidarität-Kita und einer der jüngsten im Team. 16 Mitarbeiter gehören dazu, die insgesamt 110 Kinder betreuen. Es könnten noch mehr sein, denn die Kita hat eine Kapazität von 155 Plätzen. Eine der nächsten Aufgaben soll es deshalb sein, wieder eine Krabbelgruppe ins Leben zu rufen, um so Muttis mit Babys die Kita näherzubringen. Vielleicht gelingt dies ja im nächsten Jahr.

Eigentlich sieht die Tätigkeit von Erik Höckendorff vor, dass er zu 100 Prozent mit Leitungsaufgaben beschäftigt ist. Doch auch jetzt noch ist der Chef als Betreuer in den Gruppen zu finden. "Ein gutes Zeitmanagement ermöglicht es mir, ein paar Stunden am Tag direkt mit den Kindern zu arbeiten", sagt er.

Das ist auch notwendig, denn aufgrund von Urlaub oder Krankheit fehlen immer wieder Mitarbeiter. Man müsse die Politik verstärkt darauf aufmerksam machen, dass zu wenig Personal ein echtes Problem sei, um eine qualitativ hohe Betreuung der Kinder zu gewährleisten, so Erik Höckendorff. Und natürlich will er auch das Zusammensein mit seinen Schützlingen nicht missen - ist es doch seine Berufung.