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In Laußnitz hat sogar schon Dynamo gekickt

Seit 100 Jahren gibt es den Laußnitzer Sportverein. Fast genauso alt ist das älteste Mitglied. Warum die Gemeinschaft so erfolgreich ist.

Sie ist das älteste Mitglied im Sportverein Laußnitz: Adelheid Barthel (l. ); Joe Jähnig eines der jüngsten. Roland Daunke (r.) hat 1964 bei der Männer-Fußballmannschaft begonnen und spielt jetzt bei den Alten Herren.
Sie ist das älteste Mitglied im Sportverein Laußnitz: Adelheid Barthel (l. ); Joe Jähnig eines der jüngsten. Roland Daunke (r.) hat 1964 bei der Männer-Fußballmannschaft begonnen und spielt jetzt bei den Alten Herren. © Matthias Schumann

Laußnitz. Adelheid Barthel ist mit ihrem Rollator zum Sportplatz in Laußnitz gekommen. Sie ist gern mittendrin, wenn die anderen Vereinsmitglieder Sport treiben. Ihr hohes Alter von 94 Jahren lässt es nicht mehr zu, selbst aktiv zu werden. Aber bei Veranstaltungen im Verein ist sie dabei – als ältestes Mitglied.

Seit 100 Jahren gibt es den SV Laußnitz, seit 1950 ist Adelheid Barthel dabei. „Ich war immer bei den Turnerinnen, habe auch mal gekegelt“, blickt sie zurück. Ihr Mann war Fußballer, sie selbst auch Übungsleiterin. Stolz zeigt die 94-Jährige das erste Mitgliedsbuch, auf dem groß „Demokratische Sportbewegung“ steht.

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Das ist das Mitgliedsbuch von Adelheid Barthel, damals noch Vetter. Sie ist im Jahr 1950 dem Verein beigetreten.
Das ist das Mitgliedsbuch von Adelheid Barthel, damals noch Vetter. Sie ist im Jahr 1950 dem Verein beigetreten. © privat, Repro Matthias Schumann

Joe Jähnig ist mit seinen acht Jahren einer der jüngsten beim SV Königsbrück/Laußnitz. Der Gräfenhainer spielt bei der F-Jugend Fußball, ist schon seit seinem sechsten Lebensjahr dabei. So zieht sich eine große Spanne von jungen Sportlern bis zu den älteren durch den Verein.

Dessen 100. Jubiläum sollte eigentlich vom 9. bis 11. Juli ganz groß gefeiert werden. „Doch wir haben alles auf das nächste Jahr verschoben“, sagt Tino Wannack, der Chef der Abteilung Fußball. Es sollen ja mehrere Turniere stattfinden – mit Gästen von anderen Vereinen. „Aufgrund der Corona-Situation können wir das in diesem Jahr nicht stemmen“, so Tino Wannack.

Fußball und Turnen bildeten den Anfang

Im Jahr 1921 wurde die erste Sportgruppe, die „Heidegruppe“ in Laußnitz, gebildet. Damals standen vor allem Fußball und das Turnen im Vordergrund. Später kamen dann Kegeln, Nordic Walking, Tischtennis, Volleyball und Badminton hinzu.

Unzählige Laußnitzer und Bewohner der umliegenden Orte waren im Laufe der 100 Jahre im Sportverein dabei, und auch zahlreich Erfolge gehen auf deren Konto. So erreichte zum Beispiel die 1. Männermannschaft im Fußball 1992 das Viertelfinale im Bezirkspokal oder die C-Jugend spielte drei Jahre lang in der Bezirksklasse.

In Laußnitz kickten auch schon berühmte Mannschaften. Dynamo Dresden war schon zweimal zu Gast. „Zur Begegnung Dynamo gegen Budissa Bautzen kamen sogar mal 1.500 Zuschauer – für einen kleinen Ort ist das schon eine beachtliche Größe“, blickt Roland Daunke, Spieler bei den Alten Herren, zurück. Und anlässlich der 700-Jahr-Feier von Laußnitz spielte ein Team aus DDR-Oberliga-Schiedsrichtern gegen die einheimische Mannschaft.

Die Fußballmannschaft von Laußnitz aus dem Jahr 1921.
Die Fußballmannschaft von Laußnitz aus dem Jahr 1921. © privat, Repro Matthias Schumann

Doch nicht nur sportlich kann der Verein auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken. „In den 100 Jahren gab es vier verschiedene Sportplätze, die zum großen Teil in vielen ehrenamtlichen Stunden durch die Vereinsmitglieder selbst entstanden sind“, sagt Tino Wannack. Gerade auf den jetzigen Rasenplatz und die Turnhalle sei man stolz.

Eigene Fußballmannschaften hat der SV Laußnitz nur noch im Freizeitbereich bei den Alten Herren. Seit 2010 gibt es eine Spielgemeinschaft mit Königsbrück, weil der Nachwuchs in der eigenen Gemeinde einfach nicht mehr ausreicht, um Teams zu bilden. Wöchentlich treffen sich die Turnfrauen in der Halle, um sich mit Gymnastik fit zu halten, berichtet Christa Schlegel, die seit 40 Jahren die Gruppe leitet. Insgesamt hat der Verein noch 60 Mitglieder.

„Doch es gibt auch viele andere Aktivitäten, die uns zusammenhalten“, erzählt Gisela Pofandt, die seit Jahren die Chronik der Abteilung Turnen führt. Fünf dicke Ordner sind da schon zusammengekommen. In ihnen sind auch die Busfahrten, Fahrradtouren und geselligen Nachmittage und Abende aufgenommen. Denn auch diese tragen zum Erfolg des Vereines bei. „Wir sind eine verschworene Gemeinschaft“, so die Chronistin. Sie wie auch alle anderen hoffen, dass noch viel Ordner dazukommen.

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