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Sein Traum: Olympia in Australien

Der zehnjährige Finn aus Kamenz gehört zu den besten Schwimmern seiner Altersklasse. Jetzt steht er vor dem nächsten großen Schritt.

Finn Schoop trainiert seit seinem fünften Lebensjahr beim Ostsächsischen Schwimmverein Kamenz. Seit Schuljahresbeginn besucht er das Sport-Gymnasium in Dresden.
Finn Schoop trainiert seit seinem fünften Lebensjahr beim Ostsächsischen Schwimmverein Kamenz. Seit Schuljahresbeginn besucht er das Sport-Gymnasium in Dresden. © René Plaul

Kamenz/Dresden. Noch vor fünf Tagen zog Finn seine Bahnen durch das Wasser der Kamenzer Schwimmhalle. Trainer Theo Schnappauf stand stolz am Beckenrand und nickte einmal mehr bestätigend. Seit Montag besucht Finn nun das Dresdner Sport-Gymnasium. Ein großer Schritt für einen kleinen Jungen. Doch Finn hat sich darauf gefreut.

Dass er ein riesiges Schwimmtalent ist, weiß man beim Ostsächsischen Schwimmverein Kamenz (OSSV) schon lange. Etwa 70 Medaillen hängen mittlerweile in Finns Kinderzimmer. Er hat irgendwann aufgehört, sie zu zählen. 2019 war er Sachsenmeister. Und in der Altersklasse 8 hält er den sächsischen Rekord über 50 Meter Rücken-Beine. Mit 49,9 Sekunden Bestleistung macht er manch anderem Schwimmtalent etwas vor. "Seit er ihn aufgestellt hat, ist der Rekord ungebrochen", sagt Sandro Schoop stolz.

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Er ist nicht nur sein Trainer, sondern auch sein Papa. "Eigenartigerweise lernte Finn das Schwimmen mit vier Jahren aber nicht von uns. Das ging gründlich daneben", schmunzeln die Eltern heute. Auch Mama Antje ist aktive Schwimmerin und Trainerin beim OSSV. Diese Anekdote erzählen die beiden dennoch gern. Dass ihr Sohn sich nichts von ihnen hatte zeigen lassen. Erst die erfahrene Trainerin Kerstin Pötschke konnte ihm das Schwimmen beibringen.

Hier ist Finn Schoop noch beim Training in der heimatlichen Schwimmhalle in Kamenz zu sehen.
Hier ist Finn Schoop noch beim Training in der heimatlichen Schwimmhalle in Kamenz zu sehen. © René Plaul

Sieben Jahre später lernt Finn in Dresden. Der Zehnjährige ist erst das dritte Kind seit Bestehen des OSSV, das es an die Sportschule geschafft hat. Dass er seit Montag nun im Internat in Dresden lebt, hat die gesamte Familie emotional aufgewühlt. Stolz und leise Angst mischen sich. "Aber wenn er das alles nicht selber gewollt hätte, hätten wir ihn nicht in seinem Wunsch unterstützt", sagt Antje Schoop. Natürlich mache man sich Gedanken darüber, wie der erst Zehnjährige es die Woche über schaffen wird. Aktuell sei er der einzige Junge in seiner Altersklasse im Internat.

Finn selbst ahnte wahrscheinlich bis zum Schulstart gar nicht, was ihn erwartet. "Ich nehme mein Kuschel-Schaf mit. Da wird's schon gehen", sagte er verschmitzt vor seiner Abfahrt. "Außerdem sehen wir uns ja am Wochenende."

Über Nacht kam das Heimweh

Die ersten Tage sind gelaufen. Und ja - auch das Heimweh kam über Nacht. Doch viel Zeit zum Nachdenken bleibt Finn nicht. Neben täglichem intensiven Schwimm- und Athletik-Training, besucht er die fünfte Klasse des Sport-Gymnasiums. Und muss dort auch alles andere fürs Leben lernen. Am Wochenende geht es außerdem schon ins erste Trainingslager. An Heimkommen ist nicht zu denken.

Die meisten Mädchen und Jungen werden erst mit 13 oder 14 Jahren auf die Sportschule delegiert, die Schwimmtalente schon mit zehn. Wie kommt man eigentlich soweit? "Man bewirbt sich mit seinen Leistungen", erklärt Papa Sandro Schoop. Sichtungskader seien regelmäßig unterwegs. Und wenn einer ständig die Medaillen abfasst bei größeren Wettkämpfen, falle das positiv auf. Einmal pro Woche trainierte Finn zudem schon beim Dresdner SC.

Sandro Schoop kennt sich in der Materie bestens aus, denn er besuchte früher selbst die Sportschule Potsdam. Der DDR-Meister von 1986 weiß also genau, was Finn erwartet. Auch wenn sich die Zeiten geändert haben. Dass sein Sohn Talent hat, merkte der 46-Jährige früh. Neben dem entsprechenden Ehrgeiz muss man weitere Voraussetzungen mitbringen - zum Beispiel die richtige Körpergröße, die Länge von Armen und Beinen. Auch, wie jemand im Wasser liegt, sei bezeichnend. "Und man sollte das alles mit Freude tun", sagt Sandro Schoop.

Fußball wegen Verletzungsgefahr aufgegeben

Das alles bringt der junge Kamenzer mit. Mithilfe intensiver und auch anderer Trainingsmethoden als im Verein, wird er am Sportgymnasium weiter voran kommen. Einiges kannte er schon in Dresden, vor allem auch andere Sportler. Elf in seiner Klasse sind Schwimmer, der Rest Fechter und Turmspringer. Die meisten wohnen aber in der Stadt und gehen nach der Schule nach Hause.

Das Sportgymnasium im Herzen der Landeshauptstadt ist seit 2007 Zentrum des Sports und eine gute Möglichkeit, gymnasiale Bildung mit sportlicher Entwicklung zu vereinbaren. Es befindet sich im Ostra-Gehege. Talente aus 17 Sportarten werden hier gefördert. Darunter nun auch Finn. "Das Schönste ist, dass ich jetzt in der Dynamo-Stadt lebe", sagt er. Er ist großer Fan und spielte bis vor Kurzem auch selbst erfolgreich Fußball daheim. Doch die Verletzungsgefahr wurde zu groß.

Theo Schnappauf hat maßgeblichen Anteil an Finn Schoops sportlicher Entwicklung und ist megastolz, dass der OSSV Kamenz ein Kind mit zehn Jahren an eine Sportschule delegieren kann.
Theo Schnappauf hat maßgeblichen Anteil an Finn Schoops sportlicher Entwicklung und ist megastolz, dass der OSSV Kamenz ein Kind mit zehn Jahren an eine Sportschule delegieren kann. © privat/Schoop

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Die Daheimgebliebenen werden nun alles genau mitverfolgen. Und ab und zu kommt Finn zurück. "Bei Wettkämpfen tritt er auch immer für den OSSV an", sagt Antje Schoop. Theo Schnappauf hat maßgeblichen Anteil an der sportlichen Entwicklung des Jungen und er ist megastolz. "Wir geben ihn aber auch ungern ab, weil er so ein toller Junge ist - aufmerksam, wissbegierig, immer freundlich", so das Urgestein vom Kamenzer Schwimmverein. Für ihn ist es ein emotionales Dé­jà-vu, denn er trainierte in den Achtzigern schon Sandro Schoop, bevor der später auf die Sportschule ging.

Finn hat Ziele. Und das ist großartig. "2032 bin ich bei Olympia in Australien dabei", verspricht er. Davor muss aber unbedingt erst einmal ein Deutscher Meister-Titel her.

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