merken
PLUS Kamenz

Training bei 900 Grad

In einem Brandübungscontainer bewältigen rund 300 Feuerwehrleute des Landkreises Bautzen dieser Tage Einsatzszenarien - auch ein sehr heftiges.

Einsatz im Brandübungscontainer: Felix Dehn und Sandro Funke von der Ortsfeuerwehr Uhyst testen hier das Löschen von brennenden technischen Geräten und spielen weitere Einsatzszenarien durch.
Einsatz im Brandübungscontainer: Felix Dehn und Sandro Funke von der Ortsfeuerwehr Uhyst testen hier das Löschen von brennenden technischen Geräten und spielen weitere Einsatzszenarien durch. © René Plaul

Kamenz. Heiß, heißer, Brandübungscontainer. Die Männer der Ortsfeuerwehr Neschwitz sind schon durch und können ihre Helme und Atemschutzmasken abnehmen. Schweiß tropft von den Haaren. Ihre Gesichter sind feuerrot. Schnell ein Schluck Wasser, etwas durchschnaufen auf der Bank im Depot. Es ist Donnerstagabend. Eigentlich Zeit, nach Hause zu fahren.

Doch das Adrenalin peitscht noch durch die Adern. Der berühmt-berüchtigte Flashover im Brandübungscontainer wirkt nach. Wenn die Feuerwalze einem entgegenschlägt, wird es heftig. Das wissen sie jetzt. Nach der Arbeit sind sie schnell nach Kamenz gedüst. Haben sich eingereiht in die Warteschlange der anderen Kameraden. Noch bis 20 Uhr wird hier an diesem Tag der Ernstfall geprobt - im Halbstundentakt.

Anzeige
Wer kennt diesen Ort?
Wer kennt diesen Ort?

Jetzt an unserer Umfrage teilnehmen, 4 kurze Fragen beantworten und mit etwas Glück exklusive Preise gewinnen.

Etwa 300 Feuerwehrleute aus dem gesamten Landkreis Bautzen haben aktuell wieder die Möglichkeit, in einem Brandübungscontainer das Verhalten im Ernstfall zu trainieren. Bereitgestellt vom Unternehmen SachsenNetze, steht die Anlage aus dem Hause Dräger für eine ganze Woche auf dem Gelände des Feuerwehrtechnischen Zentrums in Kamenz. Der Landkreis Bautzen unterstützt das Projekt seit 2009.

Sechs verschiedene Brandstellen

Hier können die speziell ausgebildeten Atemschutzgeräteträger verschiedene Einsatzszenarien durchspielen. "Dragon 9000" ist eine mobile, gasbetriebene Brandübungsanlage, die auf 40 Quadratmetern drei Übungs-Brandräume bietet. Sechs verschiedene Brandstellen können darin simuliert werden - von der brennenden Kellertreppe über Sofa, Schrankwand, Küchenzeile und Haus-Gaszähler bis hin zum gefürchteten Flashover - einer explosionsartigen Rauchgasdurchzündung. All das wird von einem Anlagenbetreuer gesteuert.

André Geiler, Leiter des Feuerwehrtechnischen Zentrums (FTZ) des Landkreises Bautzen, spricht kurz mit den Männern, korrigiert Schläuche und Geräte. Merkt ein paar kleine Dinge an, ohne zu kritisieren. Lernen soll man hier und heute. "Durch das Projekt wollen wir die Ausbildung ankurbeln und deren Qualität verbessern", sagt Geiler. Eine gute Sache sei dieser Container und eine einzigartige Gelegenheit, taktisches Vorgehen bei einem Brand durchzugehen. Nicht umsonst haben 45 von 57 Städten und Gemeinden des Landkreises Bautzen Feuerwehrleute angemeldet.

Dummy versteckt sich hinterm Schrank

Die Einsatzkräfte sollen die verschiedenen Stadien eines Brandes in Innenräumen beobachten, eine Rauchgasdurchzündung erkennen und kontrolliert bekämpfen. Und sie sollen Gefahren voraussehen und eine Risikoeinschätzung vornehmen.

Echte Flammen und viel Rauch sind gerade sogar von außen zu sehen. Es qualmt aus Lüftungsschächten. Wasser tropft aus Abflussrohren am Rand. Drinnen sind die Männer gerade am Löschen. Frank Biber und Philipp Lange von der Feuerwehr Neschwitz sichern mittlerweile draußen die Lage ab. Im Ernstfall wäre das auch so. Ihre Kameraden der Ortsfeuerwehr Saritsch und Luga sind gerade in der Flammenhölle.

Kurz öffnet sich die Tür. Ein schwarzer Dummy fliegt heraus. "Oh, sie haben den Verletzten gefunden. Hinterm Schrank versteckt. Ist ja auch bisschen gemein", sagen die Männer draußen. Im Ernstfall können sich aber eben gerade dort verängstigte Personen verstecken. Ein bisschen gruselig sieht die Puppe aus. Wie sie daliegt mit verdrehten Beinen...

Gefürchteter Flashover wird gezündet

Im Innern des Containers zischt es derweil. Anlagensteuerer Marco Höhn hat wohl gerade den Flashover gezündet. Etwa 900 Grad Celsius sind es schlagartig im Container, aber nur kurzzeitig. In einer extra Kabine steht der 34-Jährige und kann über mehrere Monitore genau sehen, wo sich die Kameraden aus Luga und Saritsch befinden. "Wenn sie bestimmte Objekte erreicht haben, zünde ich noch einmal ein bisschen durch", sagt er. Gerade brennt der Sessel in der Wohnstube. Draußen ruckelt es am Schlauch. Ein Zeichen dafür, dass drinnen gelöscht wird.

Marco Höhn ist selbst Brandmeister daheim in Franken. Seine Firma Securitas hat ihn schon quer durch die Republik geschickt. In Sachsen ist er zum zweiten Mal. 2019 war er in Görlitz am Start. Kamenz kannte er noch nicht. "Der Bandübungscontainer steht zum zweiten Mal in Folge hier. Bischofswerda wäre letztes Jahr an der Reihe gewesen, eigentlich wechseln wir immer. Aber durch Corona musste das ausfallen", erklärt Frank Linaschke vom FTZ Bischofswerda.

Gleich geht es hinein in den Brandübungscontainer, wo verschiedene Brandszenarien auf die Feuerwehrleute warten.
Gleich geht es hinein in den Brandübungscontainer, wo verschiedene Brandszenarien auf die Feuerwehrleute warten. © René Plaul
Ein gefürchteter Flashover wird auch inszeniert - mit einer liegenden Person, die gerettet werden muss.
Ein gefürchteter Flashover wird auch inszeniert - mit einer liegenden Person, die gerettet werden muss. © René Plaul
Auch auf dem Übungscontainer müssen sich die Kameraden bewähren.
Auch auf dem Übungscontainer müssen sich die Kameraden bewähren. © René Plaul
Frank Biber von der Ortsfeuerwehr Neschwitz hilft Kameraden beim Anlegen des Atemschutzes.
Frank Biber von der Ortsfeuerwehr Neschwitz hilft Kameraden beim Anlegen des Atemschutzes. © René Plaul
Marco Höhn von der Firma Securitas steuerte die Anlage und inszenierte so verschiedene Situationen für die Auszubildenden.
Marco Höhn von der Firma Securitas steuerte die Anlage und inszenierte so verschiedene Situationen für die Auszubildenden. © René Plaul

Mittlerweile sind die Männer aus Luga und Saritsch auf dem Dach angekommen. Dorthin gelangten sie nur über die brennende, sehr enge Treppe. Eine Erfahrung, die ihnen irgendwann einmal im Einsatz zugutekommen könnte. Die Tür geht auf, drei Gestalten taumeln ans Licht. Geschafft.

Doch die nächsten warten schon. Auch die Uhyster wollen noch rein. Am Rand haben sie alles ein bisschen mitverfolgt. Die eigene Aufregung steigt. Marco Höhn schnappt in seiner kurzen Pause Luft. Es ist der letzte von acht Terminen, die er heute hatte. "Das Ganze will gut koordiniert sein, damit alle 300 angemeldeten Kameradinnen und Kameraden in einer Woche den Durchlauf schaffen. Frauen sind übrigens extrem selten dabei, da Teilnehmer einen extra Atemschutzlehrgang im Vorgang absolviert haben müssen. Und dieser ist hart.

Weiterführende Artikel

So übt die Feuerwehr das Aufräumen nach dem Sturm

So übt die Feuerwehr das Aufräumen nach dem Sturm

Das Sägen von umgestürzten Bäumen ist gefährlich. Im Kreis Bautzen trainieren Feuerwehrleute deshalb jetzt an einem besonderen Gerät.

Ausbildungs-Engpass bei den Feuerwehren

Ausbildungs-Engpass bei den Feuerwehren

Um auf den Ernstfall vorbereitet zu sein, müssen die Kameraden trainieren. Doch dabei gibt's im Landkreis Bautzen derzeit ein Problem.

Noch bis 22. September steht der Container im FTZ Kamenz bereit. Es wird täglich brennen und rauchen. "Gute Sache, nirgendwo anders lernt man mehr", sagt der Neschwitzer Feuerwehrmann Frank Biber. Außer bei einem reellen Einsatz. Aber die Erfahrung kann gern warten.

Mehr zum Thema Kamenz