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Ohne sie geht auf den Straßen nichts

Rund 30 Leute sind in der neuen Straßenmeisterei in Königsbrück beschäftigt. Ein Blick hinter die Kulissen.

In der großen Fahrzeughalle der neuen Königsbrücker Straßenmeisterei wird gerade ein Winterdienstfahrzeug mit Streugut beladen. Jörg Führitz (vorn) ist Schichtleiter und schaut, dass alles klappt.
In der großen Fahrzeughalle der neuen Königsbrücker Straßenmeisterei wird gerade ein Winterdienstfahrzeug mit Streugut beladen. Jörg Führitz (vorn) ist Schichtleiter und schaut, dass alles klappt. © Matthias Schumann

Königsbrück. Es ist ruhig an jenem Vormittag in der neuen Straßenmeisterei an der Bundesstraße 97 in Königsbrück. Auf dem Parkplatz stehen Autos, das Tor zur großen Fahrzeughalle ist geschlossen. Und auch auf den Gängen in dem modernen Bau herrscht Stille. „Das ist doch auch nicht verwunderlich. Um diese Zeit sind die Kollegen alle draußen auf den Straßen“, sagt Andreas Müller.

Er ist der Leiter dieser Kompakt-Straßenmeisterei, der ersten im Freistaat Sachsen. Bundesweit gibt es schon einige. Ende Oktober nahm sie ihren Betrieb auf. Gleichzeitig wurden die Straßenmeistereien in Wachau und in Kamenz aufgelöst. Im Landkreis Bautzen gibt es jetzt also insgesamt noch fünf Straßenmeistereien: außer in Königsbrück noch in Bautzen, Bischofswerda, Hoyerswerda und Nostitz bei Weißenberg. Die zu betreuenden Straßen sind auf diese fünf Standorte aufgeteilt.

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Die neue Straßenmeisterei in Königsbrück befindet sich direkt an der B 97.
Die neue Straßenmeisterei in Königsbrück befindet sich direkt an der B 97. © Matthias Schumann

An diesem Tag gegen 8.30 Uhr sind nur der Chef der Straßenmeisterei, ein Schichtleiter und zwei weitere Kollegen im Gebäude. „Auch wenn es in der Nacht nicht geschneit hat, müssen die Straßen kontrolliert und eventuelle Gefahrenstellen beseitigt werden“, weiß Andreas Müller. Das kann Straßenglätte sein, ein heruntergefallener Ast.

An diesem Morgen war es zum Beispiel Glätte auf der Straße zwischen Großröhrsdorf und Radeberg. „Die Polizei hat einen Unfall gemeldet, da mussten wir sofort reagieren“, so der Straßenobermeister. Auch sonst wird darauf geachtet, dass die Straßen gar nicht erst gefrieren – Präventivstreuung heißt das im Fachjargon.

Die erste große Bewährungsprobe haben die Mitarbeiter der Königsbrücker Straßenmeisterei gerade hinter sich. Ein Wintereinbruch in der zweiten Januarwoche brachte jede Menge Schnee, Schneeverwehungen, Glätte. „In solchen Situationen geht es vor allem darum, die Hauptverkehrsstraßen frei zu kriegen, damit die Autos durchkommen“, so Andreas Müller. Nicht immer gelingt das sofort, vor allem dann, wenn andauernder Schneefall die Straßen immer wieder zumache. Und wenn Autos liegenbleiben und so alles blockieren. Einige Beispiele gab es da schon.

Andreas Müller ist der Chef der Straßenmeisterei in Königsbrück.
Andreas Müller ist der Chef der Straßenmeisterei in Königsbrück. © Matthias Schumann

Im Winter wird in Schichten gearbeitet, von 2.30 Uhr morgens bis abends 22 Uhr. Mit vier großen Fahrzeugen und einem Multicar geht es dann auf das zu beräumende insgesamt 337 Kilometer lange Straßennetz. „Dabei gibt es ganz klare Prioritäten“, weiß Andreas Müller. Erst sind die Bundesstraßen dran, dann die Staatsstraßen und zum Schluss die Kreisstraßen.

„Bei Extremwetterlagen kommt es schon mal vor, dass die Kreisstraßen erstmal außen vor bleiben. Hauptsache der Verkehr auf den Hauptverbindungen kann rollen“, so der Chef der Straßenmeisterei. Die Touren werden täglich entsprechend des Wetters angepasst. Und selbst wenn beräumt ist, sind immer Fahrzeuge unterwegs, um die Lage zu kontrollieren und im Bedarfsfall einzugreifen.

Die erste Schnee-Bewährungsprobe für die neue Straßenmeisterei haben die Männer um Andreas Müller bestanden. „Wir sind gut durchgekommen. Sicher gab es die eine oder andere Stelle, wo Probleme auftraten, aber alles in allem haben wir die Straßen freibekommen“, schätzt er ein. Und natürlich gebe es auch immer Leute, die sagen, ob denn der Winterdienst nicht gewusst hätte, dass es schneit. Aber ein Chaos ist auf den Strecken der Straßenmeisterei Königsbrück nicht eingetreten.

Damit die Schuhe sauber werden: In der Fahrzeughalle gibt es auch eine Schuh-Waschanlage.
Damit die Schuhe sauber werden: In der Fahrzeughalle gibt es auch eine Schuh-Waschanlage. © Matthias Schumann

Insgesamt 27 Straßenwärter, ein Lehrling und drei Angestellte in der Verwaltung arbeiten in der neuen Kompakt-Straßenmeisterei – alles Männer übrigens. Die Bedingungen für sie sind bestens. Eine große Fahrzeughalle mit Werkstatt und Waschanlage, ein großer Aufenthaltsraum, etliche Büros, ein Salzlager, Parkplätze und moderne sanitäre Anlagen gehören dazu.

Die Spinde zum Beispiel sind zu konstruiert, dass die Sachen gleich im Spind getrocknet werden. Auch einen Schrank zum Trocknen der Schuhe gibt es. Und das alles in einem Komplex – deshalb auch die Bezeichnung Kompakt-Straßenmeisterei. Die Mitarbeiter kommen alle aus der Region, haben also kaum längere Anfahrtswege als vorher.

Doch was machen die Straßenwärter, die drei Jahre für diesen Beruf ausgebildet werden, wenn nicht Winter ist? „Der Winterdienst ist nur eine von fünf Hauptaufgaben“, erklärt Andreas Müller. Außerdem muss dafür gesorgt werden, dass die Straßen sicher zu benutzen sind. Kontrollen der Fahrbahnen und Reparaturen gehören dazu, ebenso wie die Grünpflege und Grasmahd, die Instandhaltung und Kontrolle von Verkehrszeichen und Leiteinrichtungen sowie die Reinigung der Straßen.

Die Umkleideräume für die Mitarbeiter der Straßenmeisterei Königsbrück sind großzügig gestaltet. In den Spinden werden die Sachen gleich getrocknet.
Die Umkleideräume für die Mitarbeiter der Straßenmeisterei Königsbrück sind großzügig gestaltet. In den Spinden werden die Sachen gleich getrocknet. © Matthias Schumann

Es gibt also das ganze Jahr über genügend zu tun, und die Arbeiten sind vielfältig. Langeweile kommt keine auf. Im Frühjahr, Sommer und Herbst wird nicht in Schichten gearbeitet, dann sind die Männer von 6.30 bis 15.30 Uhr auf den Straßen unterwegs.

Das Wetter hat Andreas Müller fest im Blick – mehrmals täglich, denn der Winter kann noch ein paar Wochen dauern. „Und auf jede Veränderung wird sofort reagiert, die Männer wissen, dass sie schnell agieren müssen“, erklärt Andreas Müller. Und so blickt der 57-jährige Chef der neuen Meisterei optimistisch in die Zukunft.

Aus seiner langen beruflichen Erfahrung – er war schon in den Straßenmeistereien in Wachau und Hoyerswerda tätig – weiß er, dass bisher alle Straßen vom Schnee befreit werden konnten, auch wenn es manchmal etwas länger gedauert hat. Diese Zeiten so kurz wie möglich zu halten, ist ein Gedanke, den Andreas Müller immer im Hinterkopf hat. Der nächste Schnee kann also kommen.

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