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Kommt der Radweg von Elstra nach Bischofswerda?

Seit Jahren hoffen die Einwohner auf eine sichere Radverbindung in die Nachbarstädte. Einiges ist dafür schon getan - jetzt folgen wichtige Schritte.

Gute Fahrt - das wünscht man sich auch für Radfahrer auf der Strecke von Elstra nach Rauschwitz. Seit Längerem ist der Bau eines Radweges im Gespräch.
Gute Fahrt - das wünscht man sich auch für Radfahrer auf der Strecke von Elstra nach Rauschwitz. Seit Längerem ist der Bau eines Radweges im Gespräch. © Matthias Schumann

Elstra. Ein Auto prescht über die Straße von Elstra in Richtung Bischofswerda, dicht gefolgt von einem Laster. Der Fahrradfahrer hat nur wenig Platz, weicht immer mehr nach rechts aus. Doch irgendwann endet die Straße und es kommt nur noch der unbefestigte Rand. Keine angenehme Situation - weder für die Autofahrer noch für den Radler. Und doch ist sie immer wieder auf der Strecke zwischen dem Ortsausgang von Kamenz über Elstra bis hin nach Bischofswerda zu beobachten. Die wichtige Kreisstraße, die die drei Städte verbindet, hat keinen Radweg, und so passieren auf ihr häufig prekäre Situationen.

Das wissen auch die Verantwortlichen vom Landratsamt und der Elstraer Bürgermeister Frank Wachholz (Runder Tisch). "Wir bemühen uns seit Jahrzehnten darum, dass ein Radweg auf dieser Strecke gebaut wird", erzählt der Bürgermeister. "Der Bedarf ist auf jeden Fall da", weiß er. Im Radwegekonzept des Landkreises Bautzen hat der Radweg an dieser Kreisstraße die Priorität 1 bekommen, es sollte also so schnell wie möglich etwas passieren. Das Konzept stammt aus dem Jahr 2015.

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Im Jahr 2017 starteten die ersten Planungen. Bauherr ist in diesem Fall das Landratsamt Bautzen, das das Kamenzer Unternehmen pdw Architekten mit den Planungen beauftragte. Der Radweg soll am Ortsausgang von Kindisch beginnen, über Rauschwitz, Elstra und Prietitz führen und am Ortseingang von Wiesa, einem Kamenzer Ortsteil, enden. "Die Gesamtlänge der geplanten Radwegstrecke beträgt etwa 6,6 Kilometer", heißt es aus der Pressestelle des Landratsamtes. Davon werden etwa 3,2 Kilometer straßenbegleitend neu gebaut. Das betrifft die Abschnitte Rauschwitz-Elstra und Prietitz-Wiesa.  

Kosten sind auf zwei Millionen Euro geschätzt

In alle vorbereitenden Arbeiten wurde die Stadt Elstra mit einbezogen. Sie ist für Nebenanlagen, wie zum Beispiel den Ausbau barrierefreier Bushaltestellen einschließlich Buswartehäuschen, verantwortlich. "Auch für Teile des Radweges abseits der Hauptverkehrsstraßen, zum Beispiel zwischen Rauschwitz und Kindisch, muss die Stadt Elstra ihren Eigenanteil tragen. Der Bereich zwischen Prietitz und Elstra wird nicht ausgebaut, da parallel auf dem Hainmühlenweg bereits ein Radweg vorhanden ist", so Frank Wachholz. Der Radweg selbst soll eine Breite von drei Metern haben und asphaltiert werden.

Das Landratsamt schätzt ein, dass das Gesamtvorhaben knapp zwei Millionen Euro kostet. Darin enthalten sind Gelder für die Planung, für den Erwerb von Grundstücken sowie die eigentlichen Baukosten. "Fördermittel werden beantragt, ob diese dann auch zur Verfügung stehen, können wir derzeit nicht einschätzen", so Cynthia Thor von der Pressestelle des Landkreises.

Die anteiligen Kosten der Stadt Elstra liegen bei zehn Prozent. Das dafür notwendige Geld will man im Haushalt für das kommende Jahr einstellen. "Im Dezember werden wir erstmals über den Haushalt beraten", so Frank Wachholz.

Flächen von Privatleuten werden gebraucht

Dass es von der Planung eines Radweges bis hin zur Umsetzung ein langer Weg sein kann, wissen nicht nur die Elstraer. Ein Grund ist, dass der Kreis für den Bau entlang der Straße Flächen von privaten Grundstückseigentümern kaufen muss, um so Platz für den Weg zu haben. Ein Beispiel dafür ist auch die Straße zwischen Kamenz und Gersdorf, wo schon seit Jahren um einen Radweg gekämpft wird.

Ende Juli wurden alle etwa 30 in Elstra betroffenen Landeigentümer zu einer Einwohnerversammlung eingeladen, um ihnen das Vorhaben vorzustellen. "Es ging aber auch darum zu argumentieren, wie notwendig der Radweg in diesem Bereich ist", so der Bürgermeister. Im September erhielten die Eigentümer dann ein Schreiben vom Landratsamt mit der entsprechenden Option, ihr Land zu verkaufen.

"Die Grunderwerbsverhandlungen laufen derzeit. Es gibt schon Vereinbarungen mit einzelnen Eigentümern", erklärt Cynthia Thor. Wie viele Betroffene schon reagiert haben, dazu machte das Landratsamt auf Anfrage von Sächsische.de keine Aussagen.  Der Elstraer Bürgermeister schätzt ein, dass die meisten Betroffenen dem Vorhaben positiv gegenüberstehen.

Mit dem Landverkauf steht oder fällt der Radwegbau. Erst wenn alle Eigentümer  zustimmen, können für das Vorhaben Fördermittel beantragt werden, und erst nach der Zusage der Mittel kann der Bau beginnen. Lehnen Eigentümer den Flächenverkauf ab, will das Landratsamt nach einer einvernehmlichen Lösung mit den Betroffenen suchen. "Sollte sie nicht zustande kommen, bleibt nur der Weg über ein Planfeststellungsverfahren", so die Pressesprecherin. 

Bauarbeiten dauern voraussichtlich acht Monate

Wie lange das gesamte Prozedere dauert, kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch niemand sagen. Das Landratsamt rechnet damit, dass von Baubeginn bis zur Fertigstellung des Radweges etwa acht Monate vergehen.  "Ich hoffe, dass es schnellstmöglich losgeht", erklärt Frank Wachholz. "Die Elstraer brauchen den Radweg", unterstreicht er seine Hoffnung. Das beträfe nicht nur Erwachsene, die von A nach B mit dem Rad gelangen wollen, sondern auch zahlreiche Schüler, die den Weg nutzen könnten. So besuchen Kinder aus Wiesa oder auch aus Bischofswerda die Schule in Elstra. Und es sind ja vor allem auch die Schüler aus den Ortsteilen, die dann endlich das Rad für ihren Schulweg nutzen wollen.

Offen ist auch, wie es später mit dem Radweg von Wiesa aus in Richtung Kamenzer Zentrum weitergeht. Der Kamenzer Bürgermeister Roland Dantz (parteilos) begrüßt, dass die Planungen des Radweges zwischen Wiesa und Elstra jetzt vorangetrieben werden. "Wie es von Wiesa aus dann in Richtung Innenstadt weitergeht, ist Sache des Landratsamtes, natürlich in Zusammenarbeit mit der Stadt", so der Bürgermeister.  Er ist davon überzeugt, dass man für die Bischofswerdaer Straße eine sinnvolle Lösung, zum Beispiel mit einem Radstreifen auf der Straße, findet. Außerdem will er sich in Bezug auf einem möglichen weiteren Bauabschnitt im Bereich der Stadt Kamenz mit dem Landratsamt in Verbindung setzen.

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