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Kamenz: Ärger am Liebenauer Tunnel

Die Röhre ist eng, Laster dürfen deswegen eigentlich nicht durch. Doch nicht alle halten sich daran. Was Stadt und Polizei dazu sagen.

Im engen Liebenauer Tunnel am Stadtrand von Kamenz kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen. Doch so schnell wird sich daran nichts ändern.
Im engen Liebenauer Tunnel am Stadtrand von Kamenz kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen. Doch so schnell wird sich daran nichts ändern. © Matthias Schumann

Kamenz. Der Liebenauer Tunnel in Kamenz ist zwar kurz, aber ziemlich eng und deshalb gefährlich – das findet jedenfalls Manuela Zschieschang, die dort jeden Tag auf dem Weg zur oder von der Arbeit in einem Kamenzer Pflegeheim durch muss. Sie sei nicht die Einzige, die dort mit einem mulmigen Gefühl im Bauch unterwegs ist.

Die Verbindung zwischen den Kamenzer Ortsteilen Liebenau und Bernbruch ist zwar für den Lkw-Verkehr komplett gesperrt. Eine Ausnahme gibt es nur für den landwirtschaftlichen Verkehr. Trotzdem sei es „irre, was mir manchmal entgegen kommt“, beschreibt Manuela Zschieschang ihre Erlebnisse.

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Lkws, auch große Milchlaster, würden trotz Verbots durch den Tunnel rollen, auch ziemlich flott. Einmal habe sie eine Vollbremsung hingelegt und vor Schreck nur noch geschrien im Auto. Das Nadelöhr unter den Eisenbahngleisen Richtung Straßgräbchen sei auch relativ spät komplett einzusehen. In der Vorwoche habe sie dort in der Mitte einen Mähdrescher getroffen. Da bleibe dann nur der Rückwärtsgang.

Stadt verweist auf Laster-Verbot und Tempolimit

„Es ist eine Frage der Zeit, bis mal was ganz Schlimmes passiert. Das will doch keiner“, sagt Zschieschang. Die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 km/h reiche nicht aus, eigentlich müsste noch langsamer gefahren werden. Selbst für Pkws sei die Durchfahrt im Gegenverkehr schmal: „Ich bin froh, dass mir noch nichts passiert ist.“ Auf jeden Fall müsste an dem Tunnel kontrolliert werden, wünscht sich Manuela Zschieschang.

Verkehrsrechtlich ist die Stadt Kamenz zuständig. Stadtsprecher Thomas Käppler zählt auf, welche Maßnahmen bereits getroffen wurden, um den Tunnel abzusichern: das Tempolimit, Gefahrenzeichen für die Engstelle, das Lasterverbot. All das zusammen verlange von einem „Fahrzeugführer erhöhte Aufmerksamkeit und Bremsbereitschaft“, so Thomas Käppler. Damit seien zudem alle gesetzlichen Anforderungen erfüllt. Die Stadt habe sich außerdem mit der Polizei kurzgeschlossen.

Polizei kündigt Kontrollen am Tunnel an

Aus Sicht der Beamten sei der Tunnel kein Unfallschwerpunkt. In den zurückliegenden drei Jahren habe es in dem Bereich zwei Unfälle gegeben. Deshalb sieht die Straßenverkehrsbehörde im Kamenzer Rathaus keinen weiteren Bedarf, etwas an dem Tunnel zu verändern.

Dennoch nimmt Revierleiter Michael Kummer im Kamenzer Polizeirevier den Hinweis von Manuela Zschieschang ernst. Immerhin schildere sie ja auch Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung. Die Polizei werde die Hinweise daher prüfen und wolle auch vor Ort kontrollieren. Im Übrigen dürfe ein Kraftfahrer unabhängig vom Tempolimit nur so schnell unterwegs sein, dass er niemanden behindert oder gefährdet.

Neue Straße zum Gewerbegebiet geplant

Die Stadtverwaltung weist darauf hin, dass sich die Situation mit der Engstelle perspektivisch sowieso entspannen wird, weil ein Straßenneubau vorgesehen sei. Das hängt mit den großen Gewerbegebieten im Ortsteil Bernbruch zusammen – nicht zuletzt mit den beiden Batteriewerken.

So ist davon auszugehen, dass der starke Verkehr auf dem Schleichweg durch den Tunnel auch damit zusammenhängt. Mancher nutzt ihn vermutlich auch als Abkürzung, um die Fahrt quer durch Kamenz zu vermeiden.

Für die geplante neue Trasse würden derzeit mehrere Varianten untersucht, heißt es aus dem Landratsamt. Es solle eine leistungsfähige Verbindung zu den Gewerbegebieten in Bernbruch entstehen und gleichzeitig die Kreisstraße in den Kamenzer Ortschaften Liebenau und Brauna vom Schwerlastverkehr entlastet werden. Eine Entscheidung zum genauen Trassenverlauf sei noch nicht getroffen worden.

Im Kamenzer Rathaus geht man davon aus, dass die Spange am Vogelberg auf die Staatstraßen 100 und 93 treffen werde, die dort zusammenkommen.

Baustart für neue Straße noch nicht absehbar

Noch in diesem Jahr soll die Öffentlichkeit einbezogen werden und Einblick in die Entwürfe bekommen. Erst danach will die Kreisbehörde eine Vorzugsvariante herausarbeiten.

Zu einem möglichen Baustart könne derzeit noch nichts gesagt werden, da sich das Projekt noch in einer sehr frühen Planungsphase befindet, erklärt Sarah Günther, Pressesprecherin im Landratsamt. Sie rechnet damit, dass das Genehmigungsverfahren in Regie des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr frühestens im kommenden Jahr begonnen werden kann.

Für die Stadt Kamenz ist diese Spange ungemein wichtig, sagt Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos). Neben der Entlastung für Brauna und Liebenau würden damit 80 Hektar Gewerbe- und Industriegebiet deutlich besser angebunden. Auch für die Nordstraße und die Kamenzer Ortsdurchfahrt erhofft sich die Stadt eine Entlastung

Das wäre optimal, findet auch Manuela Zschieschang. Der Wermutstropfen ist freilich, dass es noch Jahre dauern kann, bis die neue Straße gebaut wird - und dann auch nicht mehr so viele Fahrzeuge durch den Liebenauer Tunnel rollen.

Dieser Artikel wurde am 7. Oktober, 8.45 Uhr bearbeitet.

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