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Königsbrück: Wieder freie Fahrt in die Innenstadt

Für die Sanierung von zwei Brücken ist eine wichtige Verbindung seit dem Frühjahr gesperrt. Doch in wenigen Tagen können Autofahrer und Händler aufatmen.

Unter Vollschutz: Friedhardt Klemm entfernt mit einem Sandstrahler den Schmutz von den Steinen der Baderbrücke in Königsbrück. Das ist eine der letzten Arbeiten vor der Freigabe.
Unter Vollschutz: Friedhardt Klemm entfernt mit einem Sandstrahler den Schmutz von den Steinen der Baderbrücke in Königsbrück. Das ist eine der letzten Arbeiten vor der Freigabe. © René Plaul

Königsbrück. Autofahrer, die in die Innenstadt von Königsbrück wollen, haben es derzeit schwer. Vor allem die, die über die B 97 aus Richtung Dresden kommen. Sie müssen die Stadt regelrecht umfahren, um dann von der anderen Seite ins Zentrum zu gelangen. Und auch Durchfahrende können nicht mal schnell an einem Geschäft anhalten, um etwas einzukaufen. Das macht den Händlern zu schaffen.

Grund für diese Umfahrung der Stadt sind Bauarbeiten an einer Brücke und einem Durchlass. Seit März dieses Jahres werden die Baderbrücke über die Pulsnitz und der Durchlass unter dem Mühlgraben saniert. Beide Bauwerke liegen etwa 50 Meter nebeneinander, so dass sich das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) dafür entschied, beide Sanierungsmaßnahmen miteinander zu verbinden. Seitdem kommen Autofahrer nicht mehr auf direktem Weg zum Markt.

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Jetzt gehen die Bauarbeiten ihrem Ende entgegen. Das Lasuv rechnet mit der Fertigstellung der Arbeiten noch in diesem Jahr. "Wenn das Wetter die Restarbeiten zulässt, ist mit einer Verkehrsfreigabe in knapp zwei Wochen zu rechnen", erklärt Franz Grossmann, Pressesprecher beim Lasuv.

Fußgänger können die Brücke über die Pulsnitz schon nutzen, und gelangen so in die Königsbrücker Innenstadt.
Fußgänger können die Brücke über die Pulsnitz schon nutzen, und gelangen so in die Königsbrücker Innenstadt. © René Plaul

Die Sanierung des Mühlgrabendurchlasses und der Baderbrücke waren dringend erforderlich. Schon 2018 musste ein Provisorium errichtet werden, weil immer wieder Steine aus dem Bauwerk herausgedrückt wurden. Das weiß Lars Mögel, Geschäftsstellenleiter des Abwasserzweckverbandes Königsbrück. "Es traten schon seit einigen Jahren erhebliche Schäden auf, und die Baderbrücke wurde durch den Schwerlastverkehr in die Stadt äußerst belastet", sagt er. Er weiß aber auch, dass die Stadt durch die Baumaßnahmen abgeschnitten wird. "Das ist Hardcore für die Geschäfte, schon im Jahr 2018 war die Innenstadt durch die Kanal- und Straßenbaumaßnahmen auf der Curt-Tausch-Straße ziemlich schwer erreichbar", so Lars Mögel.

Brücke und Durchlass stehen zusammen mit dem angrenzenden Schlossbereich unter Denkmalschutz. Die Planung der Bauwerke musste also mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt werden. "So wurde der einsturzgefährdete Bereich des Gewölbedurchlasses mit Betonrechteckelementen erneuert, der alte Bereich des Gewölbes mit der Schlossmauer blieb aber erhalten. Außerdem lassen ein Gewölbebogen aus den alten Steinen und die Natursteinausführung der Stützwand die Erneuerung mit den Betonelementen nahezu unsichtbar werden", erklärt Franz Grossmann.

Auch beim Umbau der Baderbrücke wurde Wert auf den Erhalt der historischen Bausubstanz gelegt. "So werden die seitlichen Konsolsteine aus Granit mit in die neue Stahlbetonplatte über den Gewölben integriert. Die einzige noch erhaltene Granitsäule wird restauriert und mit drei baugleichen neuen Säulen wieder aufgebaut."

Rene Hohlfeld und Azubi Louis Montag von der Firma Straßen und Tiefbau Sebnitz bohrten Mitte November Löcher für die Befestigung des Geländers auf der Baderbrücke.
Rene Hohlfeld und Azubi Louis Montag von der Firma Straßen und Tiefbau Sebnitz bohrten Mitte November Löcher für die Befestigung des Geländers auf der Baderbrücke. © Matthias Schumann

Bei der Baderbrücke wurden Anfang November der Brückenbereich und der Straßenanschluss bis zur B 97 asphaltiert und die Gehwege an die Brücke angeschlossen. Seite Mitte des Monats können zunächst die Fußgänger die Brücke wieder nutzen. Dazu wurde ein provisorischer Fußweg auf der Brücke angelegt. "Als Restleistungen für das nächste Jahr wird voraussichtlich das Brückengeländer bleiben. Hier gibt es zur Zeit, bedingt durch die aktuelle Corona-Situation, Engpässe bei der Materiallieferung", so Grossmann.

Die Händler der Innenstadt fiebern der Freigabe der Brücke entgegen, damit es wieder zu einem Durchfahrtsverkehr kommt. Kerstin Spindler von Kerstins Textilmarkt findet es schön, dass dann wieder Leute in die Stadt kommen. "Vielleicht kommen dann auch wieder mehr Kunden. Wir haben es aufgrund von Corona sowieso derzeit ziemlich schwer. Nach der Brückenfreigabe müssen die Leute dann keinen Umweg mehr fahren", freut sich Kerstin Spindler.

Kerstin Bierbaum ist Apothekenfacharbeiterin in der Löwen-Apotheke am Markt: "Es hat ja auch lange genug mit der Sperrung gedauert. Aber es war ja nicht so, dass man gar nicht auf den Markt kam. Es ist aber schön, dass man dann wieder den direkten Weg wählen kann", sagt sie.

Hoffen auf mehr Kunden

"Natürlich sind wir froh, wenn die Brücken und damit der direkte Weg in die Innenstadt wieder offen sind", sagt auch Karin John vom Unternehmen Elektro John am Markt. Sie bestätigt, dass es eine schwere Zeit für die Händler gewesen ist, die ja demnächst zu Ende geht. Es gebe dann immer wieder Kunden, die einfach mal anhalten und im Laden vorbeischauen.

Tobias Hürrig von Augenoptik Hürrig ist froh, dass die Baderbrücke in Königsbrück saniert worden ist. "Es ist eine der wichtigsten Brücken, die die Oberlausitz von der Meißner Seite trennt", weiß er. Tobias Hürrig hat sich während der Bauzeit öfters mal das Geschehen an der Brücke angesehen, interessierte sich auch für einen Vortrag von Historiker Lars Dannenberg zur Geschichte des Bauwerkes. Und er findet es toll, dass die Brücke nach historischem Vorbild wieder entstanden ist. "Natürlich muss man bei Baustellen immer mit Einschränkungen rechnen, aber wer nur durch die Stadt fährt, wie zum Beispiel die Lkw, hält auch nicht zum Einkaufen an", schätzt er ein.

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