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Pulsnitz: Abriss der Kante soll im Dezember beginnen

Der Stadtrat hat jetzt eine Großröhrsdorfer Firma mit der Beseitigung der ehemaligen Sportstätte beauftragt - nach kontroverser Diskussion.

Noch steht die ehemalige Sportstätte Kante in Pulsnitz. Anfang Dezember sollen die Abrissarbeiten an dem Gebäude beginnen.
Noch steht die ehemalige Sportstätte Kante in Pulsnitz. Anfang Dezember sollen die Abrissarbeiten an dem Gebäude beginnen. © Archivfoto: Matthias Schumann

Pulsnitz. Noch immer ist der Abriss der Kante in Pulsnitz umstritten. Doch er ist längst beschlossen. Noch in diesem Jahr sollen die Arbeiten beginnen, und dann verschwindet die ehemalige Sportstätte an der Robert-Koch-Straße. Der Stadtrat von Pulsnitz beschloss die Vergabe der Abrissarbeiten an die Firma Frauenrath aus Großröhrsdorf. Drei Räte stimmten dagegen, einer enthielt sich der Stimme. Nach Aussage von Bürgermeisterin Barbara Lüke (parteilos) soll der Abriss Anfang Dezember beginnen. Sie rechnet mit einem Abschluss der Arbeiten Ende April 2021.

Die Stadtverwaltung hatte insgesamt 19 Unternehmen angefragt, ob sie den Abriss übernehmen wollten. Neun von ihnen haben ein Angebot abgegeben. Letztlich schlug die Verwaltung die Firma Frauenrath vor, weil sie das der Leistung entsprechend günstigste Angebot abgegeben hat. Außerdem habe man mit dem Unternehmen bereits gute Erfahrungen gemacht, und es ist aus der Region, begründet Bauamtsleiter Kay Kühne die Entscheidung. Der Abriss und die Herrichtung der Fläche kosten reichlich 386.000 Euro. Knapp 67 Prozent davon sind Fördermittel, müssen also nicht aus dem Stadthaushalt genommen werden.

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Teile des Hauses sind einsturzgefährdet

Der Beschluss zum Abriss der Kante stammt schon aus dem Jahr 2014. Seitdem gab es immer wieder Diskussionen, ob dies wirklich notwendig sei. Vor allem die Kegler gingen auf die Barrikaden, hofften bis zuletzt, dass nur ein Teil abgerissen werden müsse. Viele Pulsnitzer hängen an dem Gebäude, verbinden zahlreiche Erlebnisse und sportliche Ereignisse mit dem Haus. Doch das Gebäude verfiel immer mehr. Teile der Kante sind einsturzgefährdet.

Und auch zur Stadtratssitzung im November wurde der Abriss von drei Räten erneut in Frage gestellt. Frank Hanawald (AfD) betonte, dass seine Fraktion die Maßnahme nicht mitträgt, und begründet dies mit fehlenden Informationen und Expertisen. Er fragte nach der Machbarkeitsstudie und missbilligt die Vorgehensweise der Stadt. Stadtrat Maik Förster (CDU) widersprach und betonte, dass es bereits vor zehn Jahren eine Begehung gegeben hatte, mit dem Ergebnis, dass nur ein Abriss in Frage komme. Auch die Bürgermeisterin erklärte, dass schon zweimal eine Sanierung beschlossen werden sollte. "Doch dies wurde immer abgelehnt", so Barbara Lüke.

Gerd Kirchhübel von den Grünen ist nach wie vor nicht davon überzeugt, dass alles weggerissen werden muss. Er stimmte in der November-Sitzung des Stadtrates gegen die Vergabe der Abrissarbeiten. "Obwohl mir hier erstmals, seit ich Stadtrat bin, alle dazu erforderlichen Unterlagen vorgelegt wurden und sehr vorbildlich das Vergabeverfahren dargelegt wurde, habe ich dagegen gestimmt. Ich bin nicht davon überzeugt, dass das ganze Areal Kante abgerissen werden muss. Es liegt kein fachliches Gutachten oder eine Stellungnahme dazu vor, nur die Einschätzung eines Dachdeckermeisters", schreibt er in einer Pressemitteilung nach der Stadtratssitzung.

Anwohner müssen sich auf Staub und Lärm einstellen

Gerd Kirchhübel und die AfD stehen mit ihrer Meinung allein. Der Beschluss ist gefasst. Beim Abriss der Kante müssen vor allem die Anwohner vor Staubbelästigungen geschützt werden. Es werden Planen gespannt, und dann das Gebäude nicht einfach eingerissen, sondern die Baustoffe abgetragen. Da das Dach äußerst marode ist, muss man bei den Arbeiten besonders vorsichtig vorgehen. Außerdem sind in den Materialien Schadstoffe enthalten, diese müssen fachgerecht entsorgt werden.

In der letzten Novemberwoche wurden die Anwohner in einem Brief über die Baumaßnahmen informiert. "Leider kann die ursprünglich geplante Anwohnerversammlung pandemiebedingt nicht stattfinden", heißt es in dem Schreiben der Stadtverwaltung. Die Anwohner erhielten detaillierte Angaben über den Ablauf der Arbeiten und auch darüber, wie sie geschützt werden sollen. So muss man sich durch den Abbruch auf Lärm, Erschütterungen und Staub einstellen, was sich trotz vieler Schutzmaßnahmen nicht vermeiden lässt. Man habe sich ganz bewusst für die kältere Jahreszeit entschieden, weil die Anwohner sich dann überwiegend in den Innenräumen aufhalten und Balkone nicht genutzt werden, heißt es von der Stadtverwaltung.

Auf der Fläche entstehen erst einmal Parkplätze

Um die Belästigungen zu vermindern, haben sich die Bauplaner für ein Abgreifen der Wände entschieden - also kein Einschlagen oder den Einsatz von Abbruchhämmern. Die Häuser rund um die Baustelle werden im Vorfeld genau angeschaut, um den Ist-Zustand zu dokumentieren, falls es doch zu Schäden kommt.

Ist der Abriss geschafft, sollen erst einmal Parkplätze auf der entstandenen Fläche entstehen. Im Stadtentwicklungskonzept aus dem Jahr 2014 war sogar von einem Parkhaus die Rede. Doch darüber will die Bürgermeisterin jetzt nicht diskutieren. Erstmal muss die Kante verschwinden.

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