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Wandmaler macht Gaststätten hübsch

Uwe Gloge-Häntschel aus Bischofswerda hat jetzt viel zu tun. Auch deshalb, weil Lokale die Schließung zur Umgestaltung nutzen - wie das La Piazza in Kamenz.

Der Wandmaler Uwe Gloge-Häntschel aus Bischofswerda stellt gerade im Kamenzer Restaurant La Piazza eine Szene aus dem letzten Abendmahl im kleinen Gastraum fertig.
Der Wandmaler Uwe Gloge-Häntschel aus Bischofswerda stellt gerade im Kamenzer Restaurant La Piazza eine Szene aus dem letzten Abendmahl im kleinen Gastraum fertig. © Matthias Schumann

Kamenz. Hier ein Strich, da etwas ausbessern - die Pinsel von Uwe Gloge-Häntschel sind dieser Tage fast ununterbrochen im Einsatz. Die Darstellung des Abendmahls nach einer Vorlage des Künstlers Walter Rane nimmt Gestalt an im Ristorante La Piazza in der Kamenzer Altstadt. Jesus und elf Jünger leuchten förmlich an der vorher tristen Wand des ehemaligen Vereinszimmers. Der Zwölfte ist auf der Abbildung versteckt nur als Schatten zu sehen. Uwe Gloge-Häntschel mutmaßt das jedenfalls. Und hält sich an die Vorlage.

Liebe zum Malen begann in der Kindheit

Abmalen kann er. Diese Kunst hat er für sich in den letzten Jahren nahezu perfektioniert. Die Gaststätte auf dem Butterberg hat er verschönert und die Bowlingbahn in Bischofswerda. Auch die schwarze Dampflok an der Fassade der Gaststätte "Zur Eisenbahn" in Wiesa und Teile der Wirtsstube stammen von ihm. Und das Heimatmuseum in Neukirch/Lausitz profitierte bereits.

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Uwe Gloge-Häntschel ist Wandmaler aus Leidenschaft. Ganz früher lernte er eigentlich Triebfahrzeug-Elektriker, arbeitete im Kamenzer Bahnbetriebswerk. Aber nach der Wende zeigte sich schnell, dass selbiges schließen würde. Er orientierte sich lieber vorher um. Denn eigentlich malt der Geißmannsdorfer, seitdem er denken kann. Kein Stück Papier war schon früher vor ihm sicher. Stundenlang konnte er sich als Kind in seine Zeichnungen vertiefen. Die Mutter hatte ihre liebe Not, ihn von den Farben loszueisen. Da war er gerade mal 13.

Auftrag kurzfristig eingeschoben

Und aktuell hat der 52-Jährige viel zu tun. "Wir hatten Glück, dass er uns zwischen andere Termine schieben konnte", sagt Kerstin Osmani vom La Piazza. Die Kamenzer Wirtin ist froh über diese Abwechselung. Die 14. Woche in Folge müssen Gastronomen ihre Tür geschlossen halten. Der Lockdown zieht sich in die Länge. Und die Kritik gegenüber der Politik wird lauter.

Auch im La Piazza tröpfeln die Tage zäh wie Blei vor sich hin. "Wir alle haben es lieber, wenn die Hütte voll ist und wir arbeiten können", sagt Kerstin Osmani. "Langsam reicht es!" Trotz Abholservice und verschiedensten Unterstützungsaktionen wünscht sich Familie Osmani nichts sehnlicher, als endlich wieder ganz für ihre Kundschaft da sein zu können. "Und wenn die Leute Essen abholen kommen, höre ich jedes Mal: Wann macht ihr endlich wieder auf?", erzählt die Gastronomin.

Statt Auftragseinbruch mehr Arbeit

Uwe Gloge-Häntschel denkt ähnlich, sehnt sich ebenfalls nach Lockerungen und Normalität. Doch er kann die Zeit sinnvoll nutzen. "Ich hatte im März auch kurzzeitig Panik, dass jetzt alles anders wird. Aber es hat sich gezeigt, dass meine Wandmalereien sehr gefragt sind und ich sogar noch mehr Arbeit auf dem Tisch habe", erzählt der Mann, der im Bischofswerdaer Ortsteil Geißmannsdorfer lebt. Und das mitunter stressfreier als vorher.

Vor sechs Jahren war er beispielsweise schon einmal im La Piazza im Einsatz. Damals als Mitternachtsmaler, denn er konnte immer erst an die aufwändigen Deckengemälde am Gewölbe ran, wenn die letzte Kundschaft gegangen war. Nun hat er natürlich jeden Freiraum. Trotzdem muss er sich sputen.

Bemalt Schlüsselbretter und ganze Wände

"Die Kundschaft ist jetzt seit Monaten zu Hause. Viele wollen in dieser Zeit ihre Wohnungen verschönern. Bei einigen gehört es dazu, eine ganze Wand mit besonderen Motiven zu bemalen. Andere möchte nur alte Schranktüren oder Schlüsselbretter aufhübschen", erzählt er.

Auch im Hotel "Goldner Hirsch" am Kamenzer Markt war Uwe Gloge-Häntschel kürzlich tätig. Dort zauberte er eine alte Abbildung des früheren Ratskellers in die Eingangshalle. Auch das Bewegungsbad der Physiotherapie Schönach in Prietitz erhielt im Lockdown einen neuen Anstrich.

Diese Wandmalerei von Uwe Gloge-Häntschel schmückt den Kamenzer Ratskeller.
Diese Wandmalerei von Uwe Gloge-Häntschel schmückt den Kamenzer Ratskeller. © privat
Auch im Heimatmuseum in Neukirch/Lausitz ist ein Werk des Wandmalers zu sehen.
Auch im Heimatmuseum in Neukirch/Lausitz ist ein Werk des Wandmalers zu sehen. © privat
Für einen privaten Kunden bemalte Uwe Gloge-Häntschel einen alten Bauwagen.
Für einen privaten Kunden bemalte Uwe Gloge-Häntschel einen alten Bauwagen. © privat
Dieses Gemälde ziert die Wand eines Wohnhauses.
Dieses Gemälde ziert die Wand eines Wohnhauses. © privat
Im Auftrag des Unternehmens Forstdienstleistung Schiemann entstand dieses Bild in Goldbach.
Im Auftrag des Unternehmens Forstdienstleistung Schiemann entstand dieses Bild in Goldbach. © privat
Auch im Bewegungsbad der Physiotherapie Prietitz war Uwe Gloge-Häntschel tätig.
Auch im Bewegungsbad der Physiotherapie Prietitz war Uwe Gloge-Häntschel tätig. © privat
Diese Wandmalerei ist an der Leipziger Straße in Dresden zu sehen.
Diese Wandmalerei ist an der Leipziger Straße in Dresden zu sehen. © privat

"Und wir freuen uns, dass wir unser Vereinszimmer so aufwerten können", sagt Kerstin Osmani. Im Lockdown kam den Gastronomen die Idee, endlich aus dem tristen Gastraum in der oberen Etage ein gemütliches Etablissement zu machen. "Bislang trafen sich hier Vereine und Parteien, fanden kleine Familienfeiern und Klassentreffen statt. Das soll auch künftig so bleiben, aber wir bauen das jetzt alles noch aus", sagt die Kamenzerin.

Eine neue Beleuchtung wird installiert, die kleine Bar umgebaut. Und Uwe Gloge-Häntschel malt alte Balken und Steine an die Wände, damit das Gesamt-Flair passt. Im großen Gastraum unten hängt schon der ganze Himmel voller Engel wie in der Sixtinischen Kapelle. Auf der Speisekarte finden sich die Apostel themenmäßig wieder. So schließt sich der Kreis.

Das Team vom La Piazza steht in den Startlöchern. "Wir hatten vor dem Lockdown gute Hygienekonzepte, die jetzt erneut schnell umzusetzen gehen", sagt Kerstin Osmani. Und alle hoffen, dass die Lockerungen nicht erst nach Ostern kommen. "Wir haben doch bereits Weihnachten und Silvester eingebüßt, und auch das Geschäft zum Valentinstag fällt aus. Wir haben das Nichtstun satt!"

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