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Elstra: Beschäftigte kämpfen für mehr Geld

Die IG Metall verhandelt schon seit März um höhere Löhne für die Belegschaft des Automobilzulieferers Linde + Wiemann. Jetzt schlägt sie härtere Töne an.

Der Betriebsratsvorsitzende von Linde + Wiemann in Elstra, Lars Pietsch, informiert die Mitarbeiter des Automobilzulieferers über den Abbruch der Tarifverhandlungen.
Der Betriebsratsvorsitzende von Linde + Wiemann in Elstra, Lars Pietsch, informiert die Mitarbeiter des Automobilzulieferers über den Abbruch der Tarifverhandlungen. © IG Metall

Elstra. Schlechte Nachricht für die Belegschaft der Firma Linde + Wiemann im Elstraer Ortsteil Rauschwitz: Auf einer kurzfristig anberaumten Betriebsversammlung unter freiem Himmel informierte die Industriegewerkschaft Metall Ostsachsen am Donnerstag über den Abbruch der Tarifverhandlungen. "Der Arbeitgeber hat zum wiederholten Mal die Verhandlungen um den Flächentarifvertrag der sächsischen Metall- und Elektroindustrie abgebrochen", heißt es in einer Pressemitteilung der Gewerkschaft.

Gewerkschaft: "Wir waren auf einem guten Weg"

Christian Göbel, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Ostsachsen, sagt: „Wir haben in den Verhandlungen viel Verständnis gezeigt und auf gegenseitiges Vertrauen gesetzt. Wir waren auf einem guten Weg mit klarem Blick auf das Ziel. Kurz vor Ende der Verhandlung wurde uns erneut der Stecker gezogen. Dies ist absolut inakzeptabel."

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Mit diesem Verhalten stelle der Arbeitgeber sein sozialpartnerschaftliches Verhältnis mit IG Metall und Betriebsrat komplett infrage. Die Gewerkschaft will jetzt den Arbeitgeber an den Verhandlungstisch zurückholen. Allerdings sieht sie sich auch gezwungen, sich von der bisherigen, kompromissbereiten Linie zu distanzieren.

Lars Pietsch, Betriebsratsvorsitzender Linde + Wiemann Elstra, ergänzt: „Selbst unsere Kollegen vom Betriebsrat aus dem Hauptwerk aus Dillenburg unterstützen uns. Die Betriebsräte der Werke sind sehr gut vernetzt und lassen sich nicht mehr spalten", so der Vorsitzende. 

Das Werk 2 der Firma Linde + Wiemann im Elstraer Ortsteil Rauschwitz.
Das Werk 2 der Firma Linde + Wiemann im Elstraer Ortsteil Rauschwitz. © Matthias Schumann

Er tritt vehement dafür ein, dass das Ost-West-Gefälle bei den Löhnen endlich beseitigt wird. Mit Blick auf das Elstraer Werk spricht er sogar von einem Ost-Ost-Gefälle. "Durch die Niedriglohnpolitik läuft das Werk in Elstra Gefahr, wertvolle Fachkräfte an benachbarte, tarifgebundene Unternehmen zu verlieren", so Lars Pietsch. Der wirtschaftliche Schaden, der durch den Verlust von Fachkräften entstehe, sei wesentlich höher als die notwendige Investition in vernünftige Löhne.

Werkleiter: "Gespräche wurden nicht abgebrochen"

Dass die Verhandlungen abgebrochen wurden, dementiert der Werkleiter  von Linde + Wiemann in Elstra. "Der Dialog und die Gespräche zwischen der Werksleitung von Linde + Wiemann mit dem Betriebsrat und der IG Metall für eine standortspezifische Lösung für den Standort Elstra sind nicht abgebrochen worden, sondern werden intensiv weitergeführt", betont er am Freitag auf Nachfrage von Sächsische.de. 

Das Unternehmen habe das Ziel, auch in Zeiten von Corona weiter in den Ausbau des Standortes Elstra zu investieren. Man wolle auch in Zukunft offene und konstruktive Gespräche mit allen Beteiligten führen. Dabei soll es um die Weiterentwicklung des Standortes und die damit zusammenhängenden Bedingungen für die Belegschaft gehen.   

Das Unternehmen Linde + Wiemann Werk in Elstra zählt derzeit 250 Beschäftigte. In Elstra werden Stanzteile für die Automobilindustrie gefertigt. Seit dem Jahr 2014 hat das Werk einen Haustarifvertrag. "Dieser ist allerdings nicht mehr zeitgemäß", schätzt Christian Göbel ein. Die Löhne würden rund 20 Prozent unter dem Flächentarifvertrag der sächsischen Metall- und Elektroindustrie liegen. Seit März dieses Jahres  verhandelt die IG Metall deshalb mit dem Arbeitgeber um die Angleichung der Löhne.

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