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PLUS Kamenz

54 Millionen Euro für zwei Batterie-Firmen

Mit viel Geld unterstützen Bund und Freistaat Skeleton in Großröhrsdorf und Liofit in Kamenz. Das soll zum Gelingen des Strukturwandels beitragen.

Dr. Sebastian Pohlmann (vorn), Vizepräsident für Innovation bei Skeleton, erklärt dem Ostbeauftragten der Bundesregierung, Marco Wanderwitz (Mitte), die Produktion von Batteriezellen in Großröhrsdorf.
Dr. Sebastian Pohlmann (vorn), Vizepräsident für Innovation bei Skeleton, erklärt dem Ostbeauftragten der Bundesregierung, Marco Wanderwitz (Mitte), die Produktion von Batteriezellen in Großröhrsdorf. © Matthias Schumann

Großröhrsdorf/Kamenz. Hochleistungsfähige Batteriezellen werden in vielen Industriebereichen benötigt, sei es die Autoindustrie oder die Energiewirtschaft. Produziert werden solche Batteriezellen unter anderem bei Skeleton Technologies in Großröhrsdorf. Seit 2017 in der sächsischen Kleinstadt angesiedelt, wird jetzt ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Zukunftstechnologien gemacht.

Das Unternehmen erhält eine Förderung von knapp 51 Millionen Euro. Das Geld kommt zu 70 Prozent vom Bund und zu 30 Prozent vom Freistaat Sachsen. Am Mittwoch brachte der Ostbeauftragte der Bundesregierung, der parlamentarische Staatssekretär Marco Wanderwitz, den symbolischen Scheck nach Großröhrsdorf und überreichte ihn an den Vorstandschef von Skeleton Technologies, Taavi Madiberk.

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Das Unternehmen plant in Großröhrsdorf die Entwicklung einer hochautomatisierten Produktionslinie für Ultrakondensatoren sowie die Entwicklung einer Fertigung für Batteriespeichersysteme. Zum Einsatz kommen solche Systeme zum Beispiel im Gütertransport, bei Flurförderfahrzeugen oder Hybridfahrzeugen.

So sehen die Batteriezellen aus, die in Großröhrsdorf hergestellt werden.
So sehen die Batteriezellen aus, die in Großröhrsdorf hergestellt werden. © Matthias Schumann

Marco Wanderwitz betonte, dass trotz des Strukturwandels die Region ein Industriestandort bleiben soll. Mithilfe der Ansiedlung und der Förderung von Firmen, die sich modernen Technologien zuwenden, könne dies gelingen. "Skeleton gehört zu einer zukunftsträchtigen Branche, auch mit Blick auf den Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen", sagte er. Gerade im Bereich der Zukunftstechnologien müsse man den Abstand zu anderen Ländern verkleinern und unternehmerisches Handeln fördern. Das Thema Batterien gehöre dazu - auch im europäischen Maßstab.

Ähnlich sieht es auch die parlamentarische Staatssekretärin im sächsischen Wirtschaftsministerium, Ines Fröhlich. "Wir haben heute ein Stück Geschichte geschrieben, denn die Investition in diese modernen Technologien wie bei Skeleton wird den Freistaat voranbringen", sagte sie. Sie sehe damit große Chancen für die Mobilitätsbereiche. Und sie sei froh, dass mit der Unterstützung von Skeleton, das seinen Hauptsitz in Estland hat, ein europäisches Projekt gefördert wird.

Derzeit produziert Skeleton auf einer Fläche von rund 2.500 Quadratmetern. Dazu kommen ein Entwicklungsbereich und zwei Labore. 100 Mitarbeiter sind in Großröhrsdorf beschäftigt. Sie kommen aus der Region, aber auch aus Brandenburg und Mittelsachsen.

Blick in die Produktionslinie von Skeleton in Großröhrsdorf.
Blick in die Produktionslinie von Skeleton in Großröhrsdorf. © Matthias Schumann

Für die Zukunft plant das Unternehmen, im selben Gebäude noch einmal 2.200 Quadratmeter anzumieten, um die Entwicklung und die Produktion der Batteriezellen auszubauen. Dann könnte sich auch die Zahl der Mitarbeiter verdoppeln. "Wir haben einen großen Bedarf an Ingenieuren, aber auch Beschäftigten in der Produktion", sagt Daniel Weingarth, Chef des Technologie-Bereiches von Skeleton.

Bereits im November hatte das Unternehmen 40 Millionen Euro investiert. In den nächsten viereinhalb Jahren sollen weitere Millionen dazukommen. Das Geld soll in die Entwicklung neuer Technologien für die Herstellung von Batterien, in den Aufbau neuer Modul-Produktlinien und eine Produktionsanlage für den Automobilsektor gesteckt werden. "Wir planen, in Großröhrsdorf in diesem Jahr mindestens 40 zusätzliche Ingenieure und Spezialisten einzustellen", sagt Taavi Madiberk. Der Personalaufbau gehe trotz Corona weiter.

Carlos Almeida ist Werksleiter in Großröhrsdorf.
Carlos Almeida ist Werksleiter in Großröhrsdorf. © Matthias Schumann

Der Umsatz hat sich im vergangenen Jahr im Vergleich zu den Anfangsjahren verdreifacht. "Diese Tendenz soll auch in diesem Jahr fortgesetzt werden", blickt der Großröhrsdorfer Geschäftsführer und Betriebsleiter, Carlos Almeida, voraus. Der gebürtige Brasilianer leitet seit 2019 das Werk in Großröhrsdorf.

Liofit bereitet alte Fahrrad-Akkus auf

Auch das Kamenzer Unternehmen Liofit erhielt am Mittwoch die Fördermittelzusage für ein Projekt, bei dem es sich ebenfalls um Batterien dreht. Die 25 Mitarbeiter bringen gebrauchte Fahrrad-Akkus wieder in Schuss. Sie reparieren die Geräte oder bereiten sie fürs Recycling der Rohstoffe auf.

Ralph Günther führt in Kamenz das Unternehmen Liofit. Jetzt erhält es Fördermittel aus einem EU-Batterie-Projekt.
Ralph Günther führt in Kamenz das Unternehmen Liofit. Jetzt erhält es Fördermittel aus einem EU-Batterie-Projekt. © René Plaul

Verbrauchte oder defekte Akkuzell-Pakete werden derzeit noch verbrannt. „Dabei lassen sich aber nur 30 Prozent der Metalle herausholen“, sagt Liofit-Chef Ralf Günther. Bis zu 90 Prozent wären möglich. Es geht um Lithium, Aluminium, Mangan zum Beispiel, die bisher als Schlacke im Straßenbau enden. Liofit will die Akkus künftig so aufbereiten, dass die wertvollen Stoffe zurückgewonnen werden können. Darum geht es in dem Projekt, für das die Kamenzer Firma mit 2,8 Millionen Euro von Bund und Land unterstützt wird. In einem ersten Schritt sollen mit einer Pilotanlage am jetzigen Standort in Kamenz die entsprechenden Technologien entwickelt werden.

Insgesamt will Liofit rund 5,5 Millionen Euro investieren, plant einen Neubau und die Anschaffung der entsprechenden Technik für die Recycling-Linie. Das sind insbesondere Schredder zum Zerkleinern von Alt-Akkus. Die Firma werde fürs Erste mindestens 13 neue Jobs schaffen. Der Chef rechnet aber in den nächsten vier Jahren damit, dass das Unternehmen auf um die 100 Mitarbeiter anwachsen wird.

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