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Kamenz: Renovieren statt Haareschneiden

Salon-Umbau im Lockdown: Bei Foerders wird trotz Corona-Krise rangeklotzt. Wenn wieder Kundschaft kommen darf, wird sie viel Neues entdecken.

Wo sonst Haare geschnitten werden, geht es zurzeit staubig zu. Der Friseursalon bei Foerder Beauty Hair in Kamenz wird umgebaut. Marko Ahlner vom Löbauer Malerfachbetrieb Posbischil schleift hier gerade die Wände ab.
Wo sonst Haare geschnitten werden, geht es zurzeit staubig zu. Der Friseursalon bei Foerder Beauty Hair in Kamenz wird umgebaut. Marko Ahlner vom Löbauer Malerfachbetrieb Posbischil schleift hier gerade die Wände ab. © René Plaul

Kamenz. Sonst fallen hier Haare, jetzt rieselt der Trockenbau-Staub. Stühle, Waschtische und Spiegel sind ausgeräumt. Zwischen gähnender Leere wirbeln die Handwerker, ziehen Kabel, verlegen neue Leitungen und schleifen Wände ab. Aus der Not eine Tugend machen - daran versucht sich das Team der Foerder Beauty Hair GmbH in Kamenz gerade im wahrsten Sinne des Wortes. Während die Friseurinnen in Kurzarbeit zu Hause sein müssen und die Scheren ruhen, dürfen die Handwerker ran.

Die Krise läuft und der Salon ist - wie alle anderen bundesweit - seit gut vier Wochen komplett geschlossen. Der Corona-Lockdown hat seit 16. Dezember zugeschlagen. Knallhart. Und ohne Ausnahmen in der Branche. "Uns fehlt aus diesem Grund einfach auch die Hälfte der Dezember-Einnahmen. Der Monat ist eigentlich unser umsatzstärkster", so Salonleiterin Annette Reichert.

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Keine Dezemberhilfen in Aussicht

Dezemberhilfen bekommt der Kamenzer Friseursalon allerdings nicht, denn trotz Corona hat man sich 2020 wacker geschlagen - und den Kundenstamm um 160 Frauen und Männer erweitern können. Außerdem liege die Wiederholungsquote bei 50 Prozent. Das sei ein guter Durchschnitt im Friseurgewerbe.

Der Salon hatte zur Monatshälfte bereits den Umsatz vom adäquaten Dezember 2019 rein gearbeitet, an dem eine staatliche Unterstützung gemessen wird. "Das ist Pech für uns, denn der fehlende Umsatz war fest für den Salon-Umbau eingeplant", heißt es. Diesen hatte man bereits vor dem Corona-Lockdown auf Januar 2021 angesetzt. Erfahrungsgemäß ist der Kundenstrom im ersten Wintermonat nicht hoch.

Saloneinrichtung war in die Jahre gekommen

Und der Umbau ist folgerichtig. Die aktuelle Saloneinrichtung stammte aus den Anfängen der Neunziger und verrichtete ihre Aufgabe eigentlich noch bestens. Doch die neuen Geschäftsführer des Unternehmens hatten schon länger Pläne. Bis Ende 2018 hielt der Gründer des Salons, Ernst Foerder, über 40 Jahre die Zügel fest in der Hand. Als er mit seiner Frau in den Ruhestand ging, übernahm die Foerder Beauty Hair GmbH & Co. KG.

An ihrer Spitze stehen die Gebrüder Wockatz aus dem Oberland des Landkreises. Auch wenn die Beiden branchenfremd sind, können sie auf eine längere Erfolgsgeschichte zurückblicken. Mit ihrer Firma, der Meisterwechsel GmbH, haben sie schon gut laufende Firmen in Sachsen und vor allem in der Oberlausitz in die nächste Generation geführt. So zum Beispiel den Pflegesalon Goßler in Beiersdorf. Oder Fliesen Donner in Bautzen sowie das Kosmetikinstitut Panitz in Löbau.

Die Brüder spezialisieren sich dabei auf kleinere Unternehmen mit ein bis zwei Handvoll Mitarbeitern, die es meistens schwerer haben, aus eigener Kraft eine gute Nachfolge zu akquirieren. Natürlich hat auch die Corona-Krise erst einmal einen Riegel vorgeschoben. "Neue Geschäftsübernahmen sind aktuell nicht geplant", so Sandro Wockatz.

Investition im sechsstelligen Bereich

Dafür kniet man sich in die Arbeit mit dem expandierenden Friseursalon in Kamenz. "Die steigenden Kundenzahlen sind unserem Marketing zu verdanken", so Sandro Wockatz. So viel Werbung in Online- und Printmedien habe es noch nie gegeben. Auch die Präsenz in den Sozialen Medien wurden ausgebaut.

Mit dem Umbau möchte man das neue Bild komplettieren. "Er ist sehr wichtig. Hier schließt sich der Kreis. Friseursalons sind längst auf dem Weg zu kleinen Wellnesstempeln. Die Kundschaft kommt nicht mehr nur zum Haareschneiden her. Man erwartet etwas vom Friseurbesuch", sagt Annette Reichert.

Künftig werden die Haare der Kundschaft beispielsweise nicht an schnöden Waschtischen gewaschen, sondern man nimmt dafür auf einer Massageliege Platz. Auch eine moderne Klimaanlage wird eingebaut. Man hat aus den heißen Sommer der Vergangenheit gelernt. Alles wird luftiger und offener. "Wir investieren eine sechststellige Summe", so Sandro Wockatz.

Handwerkskammer Dresden hilft mit Fördermitteln

Diese Investition wird auch möglich, weil es Fördermittel gibt. Aus dem Fonds "Regionales Wachstum" fließt etwa die Hälfte des Geldes. Die Handwerkskammer Dresden legte erstmals ein solches Programm auf. "Wir haben quasi über Nacht ein Konzept eingereicht, denn wir wussten - hier werden sich viele Betriebe bewerben. So war es auch, aber wir haben die Handwerkskammer überzeugt", freut sich Sandro Wockatz.

Im September 2020 stellte Foerder Beauty Hair sogar zwei neue Ausbildende ein. "Auch darüber haben wir uns gefreut. Alle anderen Kollegen suchen händeringend. Wir hatten zwei Bewerbungen", heißt es. Die beiden jungen Frauen werden in einer privaten Schule in Darmstadt schulisch ausgebildet.

Noch eine Woche Grobarbeiten, dann geht es an die Saloneinrichtung. Die Kundschaft wartet schon ungeduldig. Der Lockdown verlangt allen einiges ab. "Wir hoffen auf eine Öffnung der Friseure ab 8. Februar", so Wockatz. "Wir waren die Letzten, die schließen mussten, und hoffentlich sind wir auch wieder die Ersten, die öffnen dürfen!"

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