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Kamenzer Händler gibt Sportgeschäft auf

Werner Bubnick zieht sich zurück. Aber nicht wegen Corona. Er widmet sich nun einer anderen Leidenschaft.

Werner Bubnick gibt sein Sportgeschäft in Kamenz auf. Der Eigentümer geht neue Wege.
Werner Bubnick gibt sein Sportgeschäft in Kamenz auf. Der Eigentümer geht neue Wege. © René Plaul

Kamenz. Die grellgelben Plakate sind nicht zu übersehen: „31 Jahre sind genug“, sagt Werner Bubnick. Das Kamenzer Urgestein im Sportwarenhandel gibt sein Geschäft demnächst auf. Der genaue Termin steht noch nicht fest.

Wie viele Skier er für die Kunden präpariert und Schlittschuhe er in den drei Jahrzehnten geschliffen habe, könne er nicht mehr sagen. „Aber ich habe sie den Kunden manchmal sogar noch abends nach Hause gebracht“, weiß er, zum Beispiel, wenn der Andrang groß und die Ferienfahrt in den Winterurlaub am nächsten Tag vor der Tür stand. Denn allzu oft erinnerten sich die Hobbysportler auf den letzten Drücker, dass da noch was zu erledigen war.

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Der Abschied sei eigentlich schon etwas eher geplant gewesen. Er habe noch ein paar Monate dran gehängt für den Räumungsverkauf, wegen der Corona-Zwangspause. Dabei gehen dem Geschäftsmann jetzt viele Erinnerungen durch den Kopf: An damals, 1990, als er noch auf der Bautzener Straße den ersten winzigen Laden eröffnet hatte. 

Promisportler als Vertreter

Schon ein Jahr später sei er in den ehemaligen HO-Sportladen auf die Poststraße in Kamenz gezogen – HO, die Handelsorganisation in der DDR. Ein paar Jahre darauf erweiterte er großzügig und fand dabei sogar einen historischen Brunnen im Geschäft  gegenüber vom Polizeirevier. Es ist also wenig verwunderlich, dass es in all den Jahren keine Einbrüche gab. Aber jede Menge Bekanntschaften.

So saßen etliche bekannte Sportler aus DDR-Zeiten bei ihm. Allerdings nicht, um sich mit Sportartikeln einzudecken. Sie kamen nach der Karriere und der politischen Wende, weil sie umsatteln mussten, als Vertreter für Sportartikel.  Skispringer und WM-Medaillengewinner Falko Weißpflog war dabei – nicht zu verwechseln mit dem deutlich bekannteren Floh vom Fichtelberg. Oder Fußballer Jürgen Croy, immerhin DDR-Nationaltorwart, und Jürgen Sparwasser, der das legendäre Siegtor gegen die BRD bei der Fußball-WM 1974 schoss. Weltmeister wurde allerdings trotzdem der damalige Klassenfeind.

Das alles wäre ihm entgangen, wenn er wie ursprünglich geplant, vor über 30 Jahren ein technisches Studium begonnen hätte. Doch die politische Wende 1989/90 brachte ihn auf eine andere Idee. Er ist seit seiner Kindheit begeisteter Wintersportler. So machte er die Leidenschaft zum Beruf und stieg ins Geschäftsleben ein. Leider sei dann der Wintersport auf der Strecke geblieben. Denn für Berg-Urlaub habe das Geschäft kaum Zeit gelassen. Es ist für einen Einzelhändler ein Fremdwort.

Abschied von Sechstagewoche

So nimmt Bubnick jetzt auch Abschied von einer Sechstagewoche. Er war immer am Ball bei Events, bei Einkaufsnächten und -sonntagen. Ende Oktober wolle er spätestens den Schlüssel zum letzten Mal in der Ladentür rumdrehen. Und um es klarzustellen – auch ohne Corona. Er schließe nicht wegen der Epidemie, auch nicht aus ökonomischen Gründen und schon gar nicht, um sich aufs Altenteil zu setzen, wie manche vermuten.

Viele andere mögen das mit 65 tun, nicht Werner Bubnick. Er folgt wieder einer Leidenschaft, die er bisher nebenbei pflegt. Seine Passion ist die Glaserei. Das Material verarbeitet er in Blei- und Tiffany-Technik. In seiner Werkstatt in Elstra entsteht eine Vielfalt an Motiven, mit Butzenscheiben wie im Mittelalter, für Türen und Fenster in kräftigen Farben. Seit den 1950er-Jahren erlebten solche Arbeiten eine Renaissance und hatten es ihm schon zu DDR-Zeiten angetan: „Da war das Material allerdings knapp. Gerade Blei wurde ja für Autobatterien gebraucht.“ 

Jetzt kann der 65-Jährige aus dem Vollen schöpfen. Seine Kunstverglasungen schmücken das Schloss Weißig oder die Kapelle des Caritas-Altenpflegeheims in Crostwitz, Türen und Fenster seiner Kundschaft, die bereits bis Holland reicht. Die Techniken habe er sich bei Fachleuten in einer bayerischen Glashütte und autodidaktisch angeeignet. 

Karl Lagerfeld im Fenster

Natürlich orientiere er sich vor allem an den Wünschen der Auftraggeber, baut einen Hund mit ein oder einen Weinberg. Modezar Karl Lagerfeld ziert ein mondänes Fenster, ein Liebespaar, ein schillernder Pfau. Wenn das Sonnenlicht durch die Gläser fällt, beginnen sie so richtig zu leben.  Oft kommen die Ideen bei Beobachtungen im Alltag. Ab Oktober sind im Ausstellungs-Fenster auf der Bautzner Straße in Kamenz neue Arbeiten zu sehen.

Und was wird aus dem Ladengeschäft? Er hoffe, dass er einen Nachmieter finden werde. Aber bei dem derzeitigen Leerstand in Kamenz, werde es wohl  leicht. Manchmal komme jetzt auch etwas Wehmut auf, gibt Bubnick zu. Aber er gehe ja nicht in den Ruhestand, sondern neue Wege.     

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