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Pulsnitz: Handytaschen aus Blaudruck sind der Renner

Nach dem Lockdown hat die Blaudruckwerkstatt in Pulsnitz wieder jede Menge Aufträge - und einige interessante neue Produkte.

Von Heike Garten
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Zu den neuen Produkten der Blaudruckwerkstatt Pulsnitz gehören Handytaschen. Chefin Cordula Reppe zeigt zwei verschiedene Modelle.
Zu den neuen Produkten der Blaudruckwerkstatt Pulsnitz gehören Handytaschen. Chefin Cordula Reppe zeigt zwei verschiedene Modelle. © Matthias Schumann

Pulsnitz. Cordula Reppe hat alle Hände voll zu tun. Schnell greift sie zum Bügeleisen, glättet eines der vielen weiß-blauen Deckchen, die auf dem großen Tisch liegen. Derweil hängen in einem anderen Raum Stoffbahnen in sogenannten Färberküpen, großen Bottichen, in denen der Baumwollstoff seine Farbe bekommt. In der Blaudruckwerkstatt in Pulsnitz herrscht wieder Hochbetrieb. Weniger, was die Besucher anbelangt, sondern vielmehr die Intensität der Produktion.

"Während des Corona-Lockdowns hatten wir geschlossen, es gab weder Besuchergruppen, noch war der Laden geöffnet", sagt die Chefin der Werkstatt. Kontakt hat sie in dieser Zeit mit ihren Kunden per E-Mail gehalten. Aber viele Geschäfte, die die Blaudruckprodukte aus Pulsnitz verkaufen, hatten ja auch geschlossen, und so gab es weniger Bestellungen und der Absatz ging zurück. Wie hoch die Umsatzverluste waren, könne sie nicht sagen, so Reppe, aber man habe es schon gespürt.

Was Blaudruck so einzigartig macht

Inzwischen boomt das Geschäft mit den besonderen Handwerksprodukten wieder. "Wir haben die Zeit genutzt, um neue Produkte zu entwickeln, neue Sachen auszuprobieren", sagt die Chefin. So habe man sich auch an Modernes herangewagt. Herausgekommen ist zum Beispiel eine schicke Handytasche im typisch blau-weißen Design, sehr weich, handlich und mit einer Schnur, um das Gerät auch um den Hals zu tragen. Diese Handytaschen würden bei den Kunden gut ankommen, weil es eben auch mal etwas anderes ist.

Beliebt seien aber auch nach wie vor die traditionellen Sachen - Deckchen und Decken, Schürzen, Gardinen, Kissenbezüge, Klammerschürzen und viele kleine Dekoartikel. "Der Blaudruck ist etwas Besonderes, etwas Einzigartiges, was man industriell so nicht fertigen kann", erklärt Cordula Reppe. Dabei gehe es nicht nur um die besondere Farbe, sondern auch um die Drucke, mit denen die Stoffe ihre besonderen Muster bekommen.

Etwa vier Wochen dauert es, bis ein Produkt fertig ist: drucken, färben, bügeln, schneiden, nähen. All diese Arbeitsschritte werden in der Pulsnitzer Werkstatt von Cordula Reppe und ihrer Mitarbeiterin allein erledigt. "Für einen Handwerker gibt es keinen Feierabend, aber der Blaudruck ist meine Leidenschaft", sagt die 60-Jährige. Das spürt man bei jedem Handgriff der Blaudruckerin, bei jedem Wort.

"Blaudruck ist nichts Verstaubtes"

Neben den traditionellen Produkten hat inzwischen auch die Modebranche den Blaudruck für sich entdeckt. Zahlreiche Designer nutzen die Stoffe, um daraus Kleider, Blusen oder Jacken zu fertigen. Selbst Männerhemden aus Blaudruck gibt es. Cordula Reppe liefert ihre Stoffe an Kunden in ganz Deutschland, aber auch nach Österreich, Holland, Australien oder Kanada. "Ich arbeite mit den Designern zusammen, wir sprechen über die Farben und Muster, überlegen gemeinsam, was aus den Stoffen entstehen kann", sagt sie.

Eine von ihnen ist Katja Fietz, eine junge Designerin aus Dresden. Bereits in ihrer Bachelorarbeit hat sie sich mit dem Blaudruck beschäftigt und inzwischen ihr eigenes Modelabel unter dem Namen Womblu etabliert. Ganz modern sind ihre Entwürfe, für die sie die alte Handwerkstechnik des Blaudrucks zu schicken Kleidern, Blusen, Hosen oder auch Dirndl verarbeitet. "Das zeigt, dass Blaudruck nichts Verstaubtes ist", sagte sie einmal. "Mit meinen Kollektionen möchte ich das Bewusstsein dafür wecken, wie wunderbar und modern Kleidung und Mode aus und mit Blaudruck ist", so die Designerin.

Hier zeigt Cordula Reppe Stücke aus einer Kollektion der Dresdner Modedesignerin Katja Fietz.
Hier zeigt Cordula Reppe Stücke aus einer Kollektion der Dresdner Modedesignerin Katja Fietz. © Matthias Schumann

Aber auch mit anderen Handwerkern arbeitet Cordula Reppe in ihrer Werkstatt zusammen. So ist vom 5. bis 7. November Karin Mross von der Manufaktur "Die Lade" aus Neukirch/Lausitz mit ihren Produkten zu Gast in Pulsnitz. In ihrem Sortiment hat sie unter anderem Schürzen im Landhausstil und aus Blaudruck. Ebenso fertigt sie Kissen und Wohnaccessoires und bestickt Handtücher und Kleidung. Auch bei Karin Mross ist alles Handarbeit, sie fertigt Individuelles und nimmt dabei die Wünsche der Kunden mit auf. In der Blaudruckwerkstatt in Pulsnitz kann man sie am Freitag und Sonnabend von 9 bis 18 Uhr sowie am Sonntag von 10 bis 16 Uhr erleben.

Für Cordula Reppe ist das nur eine von vielen Ideen, um Gäste und Kunden anzulocken und ihre Werkstatt bekannter zu machen. Die ist in einem Fachwerkhaus aus dem Jahr 1820 untergebracht. "Bei so einem Gebäude gibt es immer was zu renovieren, aber für dieses Jahr habe ich mir keine größeren Bauvorhaben vorgenommen. Wegen Corona wusste man ja nicht, wie sich alles entwickelt", sagt die Blaudruckerin. Aber egal, was die nächste Zeit bringt: Cordula Reppe hat noch ganz viele Pläne und Ideen.