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Kamenz: Was vor 30 Jahren in einem Keller begann

Seit 1990 führt Uwe Herwehe seine Tiefbaufirma. Doch er kümmert sich auch um Fehler, die andere auf dem Bau machen.

Uwe Herwehe freut sich über das 30. Jubiläum seiner Tiefbaufirma in Kamenz. Seinen allerersten Bagger, einen T 157, hat er immer noch zur Deko auf dem Gelände stehen. Der wird im Volksmund auch  "Zwiebelzieher" genannt.
Uwe Herwehe freut sich über das 30. Jubiläum seiner Tiefbaufirma in Kamenz. Seinen allerersten Bagger, einen T 157, hat er immer noch zur Deko auf dem Gelände stehen. Der wird im Volksmund auch "Zwiebelzieher" genannt. © René Plaul

Kamenz/Zschornau. "Die drei Jahrzehnte sind wie im Flug vergangen", sagt Uwe Herwehe fast ein wenig wehmütig. Der 59-Jährige sitzt an seinem Schreibtisch am Sitz seiner Tiefbaufirma im Kamenzer Ortsteil Zschornau und lässt die Zeit Revue passieren. Höhen gab es und Tiefen. Doch mit Fleiß und Ausdauer wurden sie gemeistert.

Auch heute ist die Mehrzahl der Bagger, Lkw, Kombiwalzen und Radlader wieder in aller Frühe vom Hof gerollt. Die Firma läuft. 14 Leute stehen bei Uwe Herwehe in Lohn und Brot. "Und keiner musste bislang auf Montage, wir haben unsere Aufträge immer vor Ort bekommen. Das ist nicht selbstverständlich", sagt der Chef. Aktuell sind seine Mitarbeiter auf Baustellen in Bischofswerda, Höckendorf und Deutschbaselitz zu Gange. "Meine Leute sind abends bei ihren Familien", sagt Herwehe stolz.

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Ganz klein im Keller angefangen

Der Standort am Ortsausgang von Zschornau hat sich bewährt. Was im Oktober 1990 ganz klein im eigenen Keller in Kamenz begann, wuchs zu einem vorzeigbaren Unternehmen. Tief- und Erdbauarbeiten, Rohrleitungs- und Kabelbau, Straßen- und Wegebau, Saugbaggerleistungen, Pflasterarbeiten, Asphalt, Wasserbauwerke, Abrissmaßnahmen, Betonbau und der Bau von Kläranlagen gehören zum Firmenprofil.  

"Wir sind bei privaten Auftraggebern im Einfamilienhaus unterwegs genauso wie aktuell für die Enso, um Schächte für die Glaskabelverlegung auszuheben", sagt Uwe Herwehe. Arbeit in der Region anzunehmen, ist sein Credo. Das sei nicht immer leicht. Denn die Tiefbaubranche in Sachsen sei stark. Viele größere Unternehmen seien ebenfalls an Aufträgen dran. Und die öffentlichen Ausschreibungen würden nicht mehr wie früher aus dem Ärmel purzeln.  "Wir sind nach 30 Jahren aber noch da. Ich denke, darauf darf man stolz sein", sagt Uwe Herwehe.

Probleme zu Beginn der Corona-Krise

Dabei hat die Corona-Krise nicht nur den oft beschriebenen positiven Bauboom mit sich gebracht. "Es ist so, dass das Baugewerbe nicht schlecht dasteht, doch auch wir hatten anfangs Probleme zu lösen. Zum Beispiel mit Baumaterialien", sagt der 59-Jährige. Losgefahren sei er im März sofort, nachdem es hieß, dass die Geschäfte schließen. "Da hat man sich im Baustoffhandel schnell mit dem Nötigsten eingedeckt, das langte freilich nicht allzu weit", sagt er heute schmunzelnd.  

Die Arbeiter mussten in kleinere Gruppen aufgeteilt werden und auf  verschiedene Autos. "Corona hängt uns noch an. Alle wären froh, wenn es normaler laufen würde", sagt der Chef. Dass das Firmenjubiläum aktuell nicht groß gefeiert werden kann, sei dabei das kleinste Übel. 

Nachwuchssorgen auf dem Bau

Viel größere Probleme macht dem Baufachmann der Nachwuchs. "Neben Corona ist das aktuell der größte Reibungspunkt. Der Arbeitskräftemangel in der Baubranche ist immens. Keiner will mehr Maurer oder Pflasterer werden. Arbeit, bei der man sich bücken muss, scheint verpönt unter der Jugend", so Herwehe. "Dabei bezahlen wir sehr gut, orientieren uns auch als mittelständische Firma am Tarif. Darüber hinaus gibt es Zusatzleistungen und Zusatzversicherungen. Ohne dem bekommt man überhaupt keine Leute mehr."

Aber die meisten seiner Mitarbeiter halten ihm nach 30 Jahren noch immer die Treue. "Gerade die Tiefbaubranche hat es in sich. Die Vorschriften und ständig neue Regelungen erdrücken einen manchmal", sagt der Chef. So müssten beispielsweise, bevor überhaupt ein Liter Beton in die neue Bodenplatte fließen kann, chemische Analysen des Bodens her. Es gehe dabei um Schadstoffe in der Erde, um Altlasten und Bodengifte. Auf welche Deponie muss der Abraum? "Und diese Vorschriften ändern sich permanent", so Uwe Herwehe. Das sei kompliziert, und die Zusatzkosten könne man dem Bauherren nicht immer plausibel erklären. 

Bausachverständiger im Nebenjob

Dennoch setzte sich der Kamenzer neben der Arbeit in seiner eigenen Firma vor Jahren noch einmal auf die Schulbank und wurde Sachverständiger im Baugewerbe. "Ich arbeite für Gerichte, beschäftige mich mit Schäden, die durch Straßen- oder Tiefbau entstehen. Oder mit Mängeln, die innerhalb des solchen auftreten." Bei einem eigenen Streitfall vor Jahren imponierte ihm der Sachverständige sehr. Und er dachte: Das kann ich eigentlich auch! 

Seitdem hat Uwe Herwehe so manchem verzweifelten Kunden geholfen. "Ich staune, was es heutzutage noch für grobe, manchmal haarsträubende Baufehler gibt", erzählt er. Eigentlich seien die Vorschriften und Vorgaben im sächsischen Baurecht streng. Doch durch den Boom in der Baubranche schossen vor Jahren auch Ich-AGs wie Pilze aus dem Boden. "Nicht jeder kennt sich da  - gelinde ausgedrückt - in allen Facetten aus", sagt der Bausachverständige.   

In seiner Freizeit schraubt Uwe Herwehe gern auch mal an Oldtimern wie dieser Walze aus dem Jahr 1972. Schon deren Klang beeindruckt.
In seiner Freizeit schraubt Uwe Herwehe gern auch mal an Oldtimern wie dieser Walze aus dem Jahr 1972. Schon deren Klang beeindruckt. © René Plaul

Neben all der Arbeit schraubt er in seiner Freizeit übrigens noch an Oldtimern wie einer alten Walze aus dem Jahr 1972, einem Framo sowie seinem Motorrad. Uwe Herwehe dankt für die letzten 30 Jahre - der Kundschaft, den Mitarbeitern, Geschäftspartnern sowie Familie und Freunden, ohne die manches nicht gegangen wäre. "Unsere Jubiläumsfeier holen wir nächsten Sommer nach", verspricht er.

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