merken
PLUS Kamenz

Sie will die Wirtschaft an der B 97 voranbringen

Eine Wirtschaftsförderin für fünf Gemeinden im Kreis Bautzen soll der Region helfen. Dazu gibt es aber auch kritische Stimmen.

In Königsbrück kennt sie sich schon gut aus: Clara Scheffler ist die neue Wirtschaftsförderin für die Region an der B 97.
In Königsbrück kennt sie sich schon gut aus: Clara Scheffler ist die neue Wirtschaftsförderin für die Region an der B 97. © Matthias Schumann

Königsbrück/Bernsdorf. Das Porenbetonwerk in Laußnitz, der RCS Kunsthoffhersteller in Königsbrück, das Verpackungsunternehmen Packwell in Schwepnitz, die Lausitzer Grauwacke GmbH in Oßling oder das Maschinenbauunternehmen IWE Grötschel in Bernsdorf - entlang der B 97 gibt es zahlreiche und große Unternehmen. Die Wirtschaftskraft in der Region ist stark. Vor allem Schwepnitz und Bernsdorf zählen zu den Industriestandorten. Doch wie gelingt es, ansässige Unternehmen oder potenzielle Investoren zu unterstützen?

Bisher ist die Wirtschaftsförderung in vielen Städten oder Gemeinden Chefsache, weiß der Königsbrücker Bürgermeister Heiko Driesnack (CDU). "Das ist aber nicht alles zu schaffen, um Kontinuität in die Sache reinzubringen", erklärt er. Außerdem sei es gerade für eine kleine Stadt schwierig, da es verschiedene Gewerbe gibt, und man nicht auf jedem Gebiet bewandert sein kann. Darüber hinaus sei es auch eine finanzielle Angelegenheit, ob sich die Stadt oder Gemeinde einen eigenen Wirtschaftsförderer leisten kann.

Anzeige
Die WOGENO sucht neue Mitarbeiter
Die WOGENO sucht neue Mitarbeiter

Die Wohnungsgenossenschaft Zittau eG bietet für engagierte Bewerber ein attraktives und verlässliches Arbeitsumfeld.

Jetzt gibt es eine Lösung - zumindest für die fünf Städte und Gemeinden entlang der B 97 im Kreis Bautzen. Es wurde über das sächsische Förderprogramm FR-Regio die Stelle eines Wirtschaftsförderers geschaffen. Clara Scheffler ist jetzt für die Unterstützung der Wirtschaft in Laußnitz, Schwepnitz, Königsbrück, Oßling und Bernsdorf verantwortlich. Vor wenigen Wochen bezog die 28-Jährige ihr Büro im Bernsdorfer Rathaus. Auch in den anderen Gemeinden bekommt sie einen Arbeitsplatz.

Den Strukturwandel unterstützen

Clara Scheffler stammt aus Potsdam, wohnt aber jetzt in Dresden. Auf ihrem Weg zur Arbeit, entlang der B 97, sieht sie viele Betriebe. Und sie kennt sich aus auf diesem Gebiet. Studiert hat sie Wirtschaftsgeografie, machte ihren Abschluss an der Technischen Universität in Dresden. "Schon damals habe ich mich mit der hiesigen Region beschäftigt", sagt sie.

Später arbeitete sie zwei Jahre in Berlin an dem Projekt "Berliner Zukunftsorte" mit. "Dabei ging es auch viel um die Integration von Wirtschaft in die jeweilige Region", erklärt Clara Scheffler. Ihr Freund kommt aus der Lausitz und lebt jetzt mit ihr in der Landeshauptstadt. "Hier an der B 97 ist alles sehr ländlich geprägt und ich brauche auch das Großstadtflair", sagt sie. Mit der Arbeit in Bernsdorf und den anderen Orten kann sie beide Interessen gut verbinden: Großstadt und ländliche Idylle.

Doch um ländliche Idylle geht es bei ihrer Arbeit als Wirtschaftsförderin keineswegs. Wirtschaft ist oft ein knallhartes Geschäft - das weiß sie auch. Aber das Projekt der interkommunalen Zusammenarbeit bietet die Chance, dass sich die Kommunen auf dem Gebiet der Wirtschaft verbünden. Sie will mit ihrer Arbeit auf der einen Seite die Unternehmen unterstützen und potenziellen Investoren den Weg in die Region leichter machen, auf der anderen Seite aber auch den Kommunen einen Teil der Arbeit abnehmen. "Meine Aufgabe ist es, den Strukturwandel in der Region zu unterstützen", so Clara Scheffler.

Hilfe für Unternehmen durch Vernetzung

Doch wie genau sieht ihre Arbeit aus? "Ganz am Anfang steht eine Unternehmerbefragung. Ich muss die Firmen kennenlernen, um dann einschätzen zu können, wo Hilfe notwendig ist", erklärt sie. Sie plant, die Firmen zu vernetzen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen - zum Beispiel über Unternehmerstammtische. "Nur über Vernetzung können Synergieeffekte entstehen", schätzt sie ein.

Schwerpunkt wäre da zum Beispiel der Fachkräftemangel, der fast überall ein Thema sei. So könnte sie Kontakte zu Universitäten vermitteln, kleine Seminare anbieten, Hilfestellung geben bei der Wohnungssuche für Beschäftigte oder ähnlichem. Außerdem plant Clara Scheffler den Aufbau einer Internetseite für die Wirtschaftsregion an der B 97, denn Sichtbarkeit ist ein entscheidender Baustein bei der Suche nach potenziellen Talenten. Bisher ist sie bei ihrer Arbeit auf viele offene Ohren gestoßen. So gab es zum Beispiel schon mehrere Gesprächsrunden mit den Bürgermeistern der fünf Kommunen.

Das Projekt der interkommunalen Zusammenarbeit kam nach Ansicht der Schwepnitzer Bürgermeisterin Elke Röthig (parteilos) nur schwer auf die Beine. "Die Gemeinde Schwepnitz konnte sich schlecht durchringen, aber jetzt sind wir dabei", sagt sie. Für den kleinen Ort ist eine funktionierende Wirtschaft ein ganz wichtiger Faktor für die Struktur. "Es kann also nur gut sein, wenn ein Fördermechanismus uns allen zur Seite steht", schätzt Elke Röthig ein. Und sie weiß auch, dass weder Betriebe noch die Verwaltungen genügend Zeit haben, sich intensiv um Förderung zu kümmern.

Es gibt auch kritische Stimmen

Ähnlich sieht es auch der Oßlinger Bürgermeister Johannes Nitzsche (Wählervereinigung Bündnis Zukunft Gestalten). "Projekte der interkommunalen Zusammenarbeit sind eine gute Möglichkeit zur Stärkung des ländlichen Raums, vorausgesetzt für alle beteiligten Kommunen stellen sich Synergieeffekte ein", so Nitzsche.

Im Fall der Wirtschaftsförderung ist er auf Oßling bezogen aber eher kritisch, da die Gemeinde über viel weniger Unternehmen verfüge als die anderen. Trotzdem stellt Oßling einen vierstelligen Betrag als Umlage für das Projekt zur Verfügung. Das Thema wurde vergangene Woche im Gemeinderat diskutiert. "Der Rat sieht die Teilnahme an dem Wirtschaftsprojekt auch kritisch", sagt Nitzsche.

Clara Scheffler blickt optimistisch in die Zukunft und freut sich auf ihre Aufgabe. "Wichtig ist es, Unternehmen in der Region zu halten und positiv in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Wenn ich da etwas bewegen kann, ist schon viel erreicht."

Mit dem kostenlosen Newsletter „Kamenz kompakt“ starten Sie immer gut informiert in den Tag. Hier können Sie sich anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Kamenz