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Elstra: Ärger um Steinbruch-Erweiterung

Pro Stein will in Kindisch noch mehr und länger Granit abbauen. Das stößt auf Widerspruch.

Schon von Weitem sind die Abbauhalden des Steinbruches in Kindisch zu sehen. Gleich am Rande des Betriebes stehen einige Wohnhäuser. Das birgt Konfliktpotenzial.
Schon von Weitem sind die Abbauhalden des Steinbruches in Kindisch zu sehen. Gleich am Rande des Betriebes stehen einige Wohnhäuser. Das birgt Konfliktpotenzial. © Matthias Schumann

Elstra. Christian Ehnert ist eigentlich ein ruhiger Mensch. Doch wenn das Gespräch auf den Steinbruch in Kindisch fällt, kochen bei ihm die Emotionen hoch. Er wohnt nicht weit vom Abbaugebiet entfernt. Schon seit vielen Jahren beschäftigt ihn der Steinbruch, Ehnert kennt die Staub- und Lärmbelastungen und die Auswirkungen der Sprengungen. "Dass Bergbau in der Region eine Tradition hat und auch wirtschaftlich notwendig ist, ist unbestritten. Doch das Problem ist die Umweltbelastung und dass so wenig dagegen unternommen wird", sagt er.

Bei trockener Witterung schwebe eine regelrechte Staubglocke über dem Tal. Bei Sprengungen seien Erschütterungen bis ins Haus zu spüren. "Es gibt Auflagen, damit diese Beeinträchtigungen minimiert werden", sagt Christian Ehnert. Er hoffe, dass die gesetzlichen Forderungen zum Emissions- und Umweltschutz eingehalten werden und dass dies auch kontrolliert wird. "Es wäre wünschenswert, dass die Ergebnisse der Kontrollen regelmäßig veröffentlicht werden. So könnte vielleicht auch ein gewisses Vertrauen entstehen", sagt er.

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Abbau soll bis 2090 verlängert werden

Jetzt kocht das Thema erneut hoch. Der Betreiber des Steinbruches in Kindisch, das Unternehmen Pro Stein, hat im November 2020 eine zweite Verlängerung des Rahmenbetriebsplanes beim Oberbergamt beantragt. Die Stadt Elstra ist aufgefordert, dazu ihre Stellungnahme abzugeben.

Im Frühjahr 2020 lag bereits der erste Änderungsantrag des Rahmenbetriebsplanes auf dem Tisch, bei dem es vor allem darum ging, weitere Tagebaubereiche zu erschließen. Doch der Stadtrat stimmte dem nicht zu, weil Auflagen des Oberbergamtes nicht eingehalten worden seien. Dazu zählen eine Berieselung des Bruches mit Wasser und die Asphaltierung der Werksstraßen, um Erschütterungen und Lärm zu minimieren.

Ende vergangenen Jahres startete der Betreiber ein zweites Beteiligungsverfahren. Elstras Bürgermeister Frank Wachholz (Runder Tisch) erläuterte den Stadträten jetzt, was das Unternehmen für die Zukunft mit dem Steinbruch plant.

So soll die Genehmigung für den Abbau statt bis 2070 - auch dem hatte die Stadt nicht zugestimmt - nun bis 2090 verlängert werden. Außerdem ist der Aufschluss von drei weiteren Solen im nördlichen Bereich des Steinbruches geplant. Damit würde der Bruch etwa 4,5 Hektar größer. In diesem Bereich soll die Althalde zurückgebaut werden.

4,5 Hektar Wald müssten gerodet werden

Die Südosthalde soll von jetzt 4,1 Hektar auf 7,4 Hektar erweitert werden. Im neuen Plan steht die Erhöhung der Außenhalde am südöstlichen Tagebaurand um 18 bis 20 Meter, um den Immissionsschutz für die Ortsteile Rauschwitz und Kindisch zu verbessern. Insgesamt plant das Unternehmen die Fördermenge von 18,3 Millionen Tonnen Grandiorit auf 25,5 Millionen Tonnen zu erhöhen. Das entspricht etwa 400.000 Tonnen im Jahr. Dafür müssten etwa 4,5 Hektar Wald gerodet werden.

Mit Skepsis nahmen die Stadträte diese Ankündigungen auf - und sie sind nicht die einzigen. Vor allem die Bewohner der an den Steinbruch angrenzenden Ortsteile Rauschwitz und Kindisch sind wenig begeistert. Bereits zuvor hatten sie Unterschriften gesammelt.

324 Bürger beteiligten sich schon im Vorfeld der ersten Stellungnahme im Frühsommer 2020 an der Aktion, bei der es weniger um die geplanten Erweiterungen des Steinbruches ging, sondern vielmehr um die Einhaltung der Auflagen für den Betreiber bezüglich des Immissionsschutzes. "Wir möchten bekräftigen, dass es doch in der heutigen hochtechnisierten Arbeitswelt auch im Steinbruch Lösungen geben sollte, die die Staubbelastung minimieren", sagt Christian Ehnert als einer der Unterzeichner.

Wer kontrolliert die Auflagen?

In die gleiche Richtung gehen auch die Forderungen der Stadträte. Deshalb lehnen sie die Verlängerung des Rahmenbetriebsplanes auch in ihrer zweiten Stellungnahme ab. Gleich mehrere Gründe führen sie dafür an. Sie hegen Zweifel daran, dass alle Nebenbestimmungen für die Betreibung eingehalten werden, und fragen zum Beispiel nach, wann die komplette Betriebsstraße asphaltiert wird, um so Staubbelästigungen zu verringern. "Diese Ablehnung soll auch ein Signal an das Unternehmen sein, damit verbindliche Konzepte erstellt und diese auch umgesetzt werden", erklärt der Bürgermeister.

Ein immer wiederkehrender Diskussionspunkt ist die Bewässerung des Steinbruches. Laut dem aktuellen Betriebsplan soll eine Berieselungsanlage in Betrieb sein, um auch Staub in der Luft zu vermeiden. "Doch wann ist diese Anlage in Betrieb, und wer kontrolliert dies?", fragt zum Beispiel Stadtrat Andreas Petzold. Wo kommt das Wasser dafür her, wenn der Steinbruch erweitert wird? Auch diese Frage steht im Raum.

Seit 2019 gab es laut Oberbergamt 28 Kontrollen

Das sächsische Oberbergamt ist die Behörde, die die von Pro Stein eingereichten Ergänzungen zum neuen Rahmenbetriebsplan genehmigen muss. Dies bestätigt Oberbergmann Prof. Dr. Bernhard Cramer auf Nachfrage von Sächsische.de. "Wenn sich dabei ergibt, dass die gesetzlichen Zulassungsvoraussetzungen erfüllt sind, hat der Bergbauunternehmer einen Anspruch auf die Zulassung", sagt er. Derzeit sei die Prüfung noch nicht abgeschlossen.

Das Oberbergamt ist auch die Behörde, die kontrolliert, ob bereits bestehende Bestimmungen eingehalten werden. Bernhard Cramer bestätigt, dass es sowohl angekündigte als auch unangekündigte Kontrollen gegeben hat. "Seit Anfang 2019 erfolgten 28 Kontrollen des Bergbautriebes mit unterschiedlicher Prüfungstiefe", teilt Bernhard Cramer mit.

Der Schwerpunkt der Kontrollen habe auf der Staubbelastung gelegen. In den sehr trockenen Sommer- und Herbstmonaten der letzten beiden Jahre seien teilweise deutliche Staubemissionen festgestellt worden. "In allen Fällen wurde der Unternehmer jeweils noch am selben Tag zur Umsetzung von Staubminderungsmaßnahmen aufgefordert", heißt es aus dem Amt.

Einfahrt zum Steinbruch in Kindisch. Dieser wird von Pro Stein betrieben. Das Unternehmen möchte hier noch länger Granit abbauen als bisher geplant.
Einfahrt zum Steinbruch in Kindisch. Dieser wird von Pro Stein betrieben. Das Unternehmen möchte hier noch länger Granit abbauen als bisher geplant. © René Plaul

Pro Stein reagiert auf eine Anfrage von Sächsische.de zu den geplanten Vorhaben im Steinbruch Kindisch zurückhaltend. Schriftlich wurde lediglich mitgeteilt, dass man beim Oberbergamt den derzeitigen Rahmenbetriebsplan bis zum Jahr 2070 verlängern wolle. "Eine mögliche Erweiterung ist derzeit noch in Planung", heißt es von der Firma.

Wann die Entscheidung des Oberbergamtes zu den Plänen fällt, ist nicht bekannt. Die Anwohner des Steinbruches und auch der Stadtrat werden die Entwicklung jedenfalls genau beobachten.

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