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Kamenz: Trotz Corona in die Selbstständigkeit

Ein junger Zimmermann startet mitten im Lockdown durch und gründet seine eigene Firma. Und hofft sehr, dass er auch im Nebenjob bald wieder loslegen kann.

Rico Mehlhose (37) aus dem Kamenzer Ortsteil Gelenau hat sich mitten im Corona-Lockdown als Zimmermann selbstständig gemacht.
Rico Mehlhose (37) aus dem Kamenzer Ortsteil Gelenau hat sich mitten im Corona-Lockdown als Zimmermann selbstständig gemacht. © Matthias Schumann

Kamenz. "Wann ist denn der richtige Zeitpunkt, um sich selbstständig zu machen? Doch eigentlich nie", sagt Rico Mehlhose lachend. "Wenn man danach geht, findet man immer einen Grund, der nicht passt", meint er entspannt - und startet am Montagmorgen in seinen ersten Arbeitstag des neuen Jahres. Es ist auch sein allererster Arbeitstag als eigener Chef. Der junge Zimmermann freut sich riesig auf das, was alles auf ihn zukommt. Hauptsache, es kommt.

Trotz Corona-Krise und nicht gerade rosiger Aussichten auf Lockerungen hat Rico Mehlhose einen Plan. Das und seine Bekanntheit in der Region füllen ihm zumindest schon einmal das Terminbuch für die kommenden Wochen. "Es sieht ganz gut aus", sagt er optimistisch.

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Winterarbeit in den Wäldern

Gerade jetzt im Winter ist nämlich Holzzeit in den Wäldern. Und genau dort setzt der 37-Jährige aktuell an: Bäume fällen, Feuerholz machen, Schreddern, Holztransport - damit hilft er vielen älteren Waldbesitzern, die noch einen Ofen daheim haben, aber selbst nicht mehr so gut zu Fuß sind. "Viele in unserer ländlichen Region haben noch ihr eigenes Stückchen Wald. Doch der Altersdurchschnitt der Waldbesitzer steigt. Das Land bekommt man aktuell auch nicht gut verkauft, denn der Borkenkäfer hat bekanntermaßen einiges angerichtet im Wald", weiß Rico Mehlhose.

Er ist Zimmermann. Lernte seinen Beruf von der Pike auf bei der DIW Bau GmbH in Kamenz. Später war er einige Jahre lang auf Montage für ein Berliner Unternehmen. Doch die Sehnsucht nach der Heimat war groß. Der Gelenauer hat starke Wurzeln vor Ort. Nicht zuletzt rührt der Berufswunsch auch von seinem Vater Werner her. Der ist Tischlermeister, führte zu DDR-Zeiten die Tischlerabteilung des Konsums in Wiesa. Und unterrichtet heute noch im Beruflichen Schulzentrum in Kamenz. "Ich wollte aber kein Tischler werden, das war mir zu filigran. Ich habe das etwas gröbere Gewerk des Zimmermanns bevorzugt", sagt Rico Mehlhose.

Papierkram schreckte von der Firmengründung ab

Mit seiner Firma "Natürlich Holz" hat sich Rico Mehlhose nun seinen beruflichen Traum erfüllt. Ein Traum, der lange wachsen musste. "Meine Freunde haben schon öfter zu mir gesagt: Mach dich doch selbstständig, aber ich habe mich ein bisschen vor dem ganzen Papierkram gescheut. Nun habe ich mich aber durchgeboxt", erzählt er.

Das Praktische liegt einem Zimmermann eben besser. Zuletzt verstärkte Mehlhose die Reihen im Garten- und Landschaftsbau Gebler in Gersdorf. Dort kümmerte er sich auch bereits um alles, was mit Holz zu tun hat. Dem Chef wird er fehlen, doch etwas Eigenes war reizvoll. "Gerade jetzt im Lockdown kann ich mich so auch besser um meine beiden Kinder kümmern und mich mit meiner Frau, die im Kaufland arbeitet, reinteilen", sagt Rico Mehlhose.

Die Werkstatt auf dem heimatlichen Hof an der Hauptstraße 28 in Gelenau war auch schon vor der Firmengründung bestens bestückt. Das hilft jetzt wirtschaften.
Die Werkstatt auf dem heimatlichen Hof an der Hauptstraße 28 in Gelenau war auch schon vor der Firmengründung bestens bestückt. Das hilft jetzt wirtschaften. © Matthias Schumann

An Arbeit wird es nicht fehlen, ahnt er. Gerade jetzt zu Corona-Zeiten verschönern die Leute ihre Wohnumgebung und bauen auch mehr selbst. Manch einem schwebt ein Kinderspielgerät im Garten vor. Vielleicht soll die Katze einen neuen Kratzbaum bekommen? Oder neue Fenster und Türen müssen her? Ab und zu kann dabei der Fachmann helfen. Das bringt Aufträge, hofft Rico Mehlhose. "Ich denke, dass hier auf dem flachen Land Mundpropaganda die beste Werbung ist", sagt der 37- Jährige.

In Sachen Zaunbau, Hochbeete, Terrassen, Mülltonnenplätze und Pergolen ist er firm. "Mein Repertoire ist umfangreich. Man muss flexibel sein in diesen Zeiten. Der Einsatz von Holz ist natürlich und verliert nicht an Beliebtheit", weiß der Zimmermann.

Auf dem heimatlichen Hof in Gelenau, welchen er mit seiner Frau und den Töchtern bewohnt, lebt auch Vater Werner. Der beäugt die Aktivitäten des Sohnes mit Respekt und kritischem Blick. In der großen Werkstatt stand bereits vor den Plänen von Rico schon alles Nötige, was man für die Arbeit mit Holz braucht. "Das Rüstzeug für meine Firma war vorhanden. Und es ist ein großes Plus, dass ich keinen Kredit für Maschinen und Werkzeug aufnehmen musste", sagt der junge Firmenchef.

Im Nebenjob auch als DJ unterwegs

Rico Mehlhose ist vielen in der Region auch als DJ bekannt. Mit seiner "Fantasia Diskothek" macht er normalerweise unzählige Partygänger, Hochzeitsgesellschaften und Geburtstagsrunden glücklich. "Doch die Krise hat richtig reingehauen", sagt er. Nur ein paar Aufträge blieben über den Sommer. Das fehlt. Nicht nur im Geldbeutel, sondern auch fürs eigene Gemüt.

Unter dem Slogan "Ein Ort - sechs Diskotheken - das ist Gelenau" planen er und seine anderen DJ-Kollegen eigentlich für den 24. April 2021 schon die 26. Musiktage in dem Kamenzer Ortsteil. Doch Corona macht unsicher. Vor allem die Veranstaltungsbranche. "Wir wünschen uns alle, dass es endlich vorwärts geht, dass die Leichtigkeit zurückkommen darf. Ich rede viel mit Leuten - ihnen fehlen die Begegnungen, das Tanzen und Partys!"

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